Ich bin zur Zeit alleinerziehend, was im großen und ganzen eine ziemlich einsame Angelegenheit ist. Squishy fühlt sich wohl auch einsam, denn er kommt jede Nacht zu mir ins Bett und möchte da gerne bleiben. Meistens lass ich ihm eine Weile seinen Willen und befördere ihn dann wieder in sein eigenes Bett. Mit ihm in einem Bett zu schlafen ist nämlich unmöglich, weil er sich die ganze Zeit hin- und herwirft und somit selbst im Schlaf sehr viel Ähnlichkeit mit einem Tornado hat. Also schmeiße ich ihn raus. Bis er wieder angetapst kommt. Und wieder. Und wieder.
Letzte Nacht als er angetapst kam, ich war seit ungefähr 15 Minuten im Bett und habe gelesen, hab ich ihm dann angeboten, dass er in Mommys Bett schlafen kann, das ist ja gerade sowieso verwaist. Und ein seelig lächelndes Kind stieg über mich drüber und kuschelte sich in Mommys Decke. Damit war dann allen geholfen. Ich konnte in Ruhe weiterlesen und er musste sich nicht mehr einsam fühlen oder Angst vor Monstern in seinem Zimmer haben oder was auch immer das Problem war.
Ich lese da also still heulend vor mich hin – Liebesromane mit zuvielen Schwangerschaftshormonen in der Blutbahn führen scheinbar zu erhöhtem Vergießen von Tränenflüßigkeit – und das Kind rotiert. Auf die Decke, nach links, nach rechts, unter die Decke, ein Bein auf die Decke, Kopf in die andere Richtung, auf den Bauch, zweites Bein auf die Decke, auf den Rücken, links, rechts, das übliche eben. Und auf einmal macht es rumps und ich sehe nur noch einen Zipfel der Bettdecke, der Rest ist mitsamt Kind verschwunden.
Scheiße, denke ich nur, das hat sicher wehgetan und beim Sturz aus dem Bett hat er sich vermutlich noch den Kopf am Nachttisch angeschlagen. Da taucht auch schon der Kopf wieder hinter dem Bett auf. Squishy grinst mich an und sagt: That was so funny! Hahaha! Kriecht zurück ins Bett, macht es sich gemütlich und schließt die Augen.
Ich musste so lachen. Das war einfach spitze. Ich hatte mich bereits auf ein schmerzgeplagtes Gebrüll eingestellt und er findet es witzig und gut ist. Auch mein Angebot, er könne ja wieder in sein eigenes Bett gehen, da passiere sowas nicht, hat er nur mit Kopfschütteln quittiert.
Und weil ich so gnädig gestimmt war, durfte er tatsächlich die ganze Nacht bleiben. Das gab es auch noch nie. Allerdings hatte ich trotz der Tatsache, dass er eigentlich in Mommys Bett schlief und wirklich genug Platz haben sollte, ständig seine Füße und Hände und überhaupt ihn im Gesicht, auf dem Bauch und sonst wo. Aber wenigstens ist er mittlerweile leise. Seit der Operation schnarcht er nämlich überhaupt nicht mehr und atmet so leise, dass man meinen könnte, er wäre gar nicht da. Wenn denn da nicht ständig diese Füße wären, die einen die ganze Nacht lang treten.