Neulich habe ich mein erstes Zweiter Weltkrieg Buch gelesen seit ich dem Teenageralter entwachsen bin. Markus Zusaks Bücherdiebin. (Bücher 2009) Damals habe ich viele solcher Bücher gelesen. Als Jugendbücher gibt es davon auch wirklich viele und viele gute noch dazu.
Für mich war der Zweite Weltkrieg immer sehr präsent. Durch die Bücher, die ich las und die gefühlten 2000 Unterrichtsstunden, die wir jedes Jahr mit diesem Thema füllten. Ich habe immer versucht zu verstehen wie so ein Regime funktionieren kann, wieso es keinen spürbaren Widerstand gab, wie so ein Krieg ist, wenn man ihn selbst erlebt. Viele der Erinnerungen, die ich an den Krieg habe sind verklärt. Sie sind schwarzweiß – damals gab es noch keine Farbe und sie sind nicht meine Erinnerungen. Es sind die Erinnerungen meiner Großeltern. Zumindest von einer Seite her. Die andere Seite Großeltern war zu jung, um in den Krieg ziehen zu müssen. Oder aber nicht so mitteilungsfreudig, was die Zeiten damals betrifft.
Deshalb ist der Krieg – der heißt einfach nur “der Krieg”, nicht etwa der Zweite Weltkrieg, schließlich war ich nur bei einem dabei – für mich auch auf einen Ort beschränkt. Der Ort in dem meine Großeltern wohnen. Und dort ist auch heute noch Krieg. Vor allem wenn man zum Rhein rausfährt. Durch die Maisfelder, an den Kirschbäumen vorbei. Da ist überall Krieg. Immer. Besonders wenn die Sonne scheint und die Äpfel an den Bäumen reif sind. Denn damals im Krieg haben wir die von den Bäumen geklaut. Man hatte ja sonst nicht viel zu essen. Und die Äpfel waren dann vielleicht gut. Das beste, was man jemals gegessen hatte.
Und später dann sind wir zu Fuß in die nächste Ortschaft gelaufen, um ins Kino zu gehen. Damals noch im großen Saal des Wirtshauses. Das war immer ein Erlebnis. Oder als wir kilometerweit zur nächsten Stofffabrik gelaufen sind.
All das sind meine Erinnerungen an den Krieg. Für mich verkörpern meine Großeltern der Krieg. Meistens sehr verklärt und voller Nostalgie. Irgendwie nur die schöne Seite von Damals.
Die häßliche Seite finde ich nur in Büchern. Da aber umso farbiger und abschreckender.
Ich nehme es ihnen nicht übel, dass sie nur die schönen, aufregenden Dinge des Krieges in Erinnerung behalten und weitergeben. Der menschliche Verstand funktioniert auf diese Weise. Nur das Schöne überlebt die Zeit, das Häßliche wird vergessen. Wie sonst soll man ein langes Leben leben, ohne verrückt zu werden? Und die Kindheit ist nochmal etwas verklärter als der Rest des Lebens.
Was mir allerdings immer schwerfiel ist der Gedanke, dass mein Opa getötet hat. Das lässt sich als Soldat im Krieg nicht vermeiden. Aber der Gedanke alleine ist gruselig. Ich kann es verstehen. Wenn es darum ginge, du oder ich, dann bin ich auch stark dafür, dass ich überlebe. Ein Schlachtfeld ist kein Ponyhof. Menschen sterben. Menschen werden getötet. Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verarbeiten.
Es wird mich trotzdem weiter beschäftigen. Das Thema Zweiter Weltkrieg. Ich versuche immer noch zu verstehen. Gelingen wird mir das vermutlich nie, schließlich war ich nicht dabei.
(Die Bücherdiebin kann ich übrigens nur empfehlen. Tempos nicht vergessen. Und nur auf Englisch lesen, wenn das denn gut ist. Für Anfänger nur auf Deutsch geeignet.)