Wir hatten vor ein paar Tagen unseren lange erwarteten Termin beim Jugendamt. Von dem mal abgesehen, dass wir erst den Eingang nicht gefunden haben und dann den Kinderwagen wegen Mangel an Aufzug ins Dachgeschoss tragen mussten, war es eigentlich recht ereignislos.
Der erste Eindruck war, dass die Dame relativ trocken und papier-happy ist. Nett zwar, aber es dauerte eine ganze Weile bis sie ein bisschen auftaute. Wir hatten beide das Gefühl, dass sie nicht so recht wußte, was sie mit uns anfangen soll. Mit einem großen Fragezeichen im Gesicht. Nicht, dass sie uns gegenüber irgendwie negativ eingestellt gewesen wäre, sie wußte nur schlicht und einfach nicht, was tun. Vielleicht gehört das aber auch zu ihrer normalen Taktik. Wer weiß.
Im Laufe des Gesprächs taute sie dann auf und stellt auch etwas mehr Fragen. Wie auch schon beim Gespräch damals im Frankfurter Jugendamt wegen Mr. Squishys Adoption, war es ihr sehr wichtig, dass die Kinder die Gelegenheit haben, ihren Vater kennenzulernen, wenn sie das denn wünschen. Alles in allem blieb das Gespräch jedoch ziemlich oberflächlich, was für mich auch völlig okay war und so richtig viel wissen wollte sie eigentlich auch nicht.
Zum Abschluss gab sie uns noch ein Formular zum ausfüllen mit. Den ganz normalen Grundfragebogen, den adoptionswillige Paare auch ausfüllen dürfen mit so Sachen wie Namen, Geburtsdatum, Adresse, Schule, Beruf, verheiratet seit, bereits vorhandene Kinder, Wohnverhältnisse und sowas. Auch mit meinem verhassten Punkt: Einkommen. Ich finde ja nach wie vor, dass die das nichts angeht. In unserem Fall auf jeden Fall nicht.
Ach ja, natürlich durfte Cerah auch wieder einen Lebensbericht verfassen. Dummerweise haben wir den von Frankfurt nicht mehr, ich glaube der wurde damals noch von Cerah von Hand geschrieben.
Und – das allerwichtigste für mich – kein Hausbesuch. Nicht, dass ich ein Problem damit habe, wenn das Jugendamt odre sonst wer uns mal besuchen kommt. Womit ich ein Problem habe, ist was das aussagt. Das Kind ist von beiden Eltern gewollt und in die Partnerschaft geboren. Egal, was das Jugendamt sagt, das Kind wird da bleiben wo es ist. Es wird nicht geschlagen oder sonst irgendwie misshandelt. Es soll lediglich zwei Eltern bekommen. Zu seinem eigenen besten. Wieso muss man da bitte einen Hausbesuch machen? Das ist erniedrigend und Zeitverschwendung. Diese Zeit sollte man besser für Fälle nutzen, wo das auch angebracht ist.
Auf jeden Fall haben wir das nun auch hinter uns. Am Nachmittag bereits hat die Jugendamtsdame bereits angefangen, den Bericht fürs Gericht zu schreiben, was wir wissen, weil sie uns zwischendurch mal anrief und das genau Datum von Squishy Adoption wissen wollte. Damit ist das Kapitel Jugendamt für uns hoffentlich abgehakt.
Mal schauen ob sich der Rest auch so ewig hinzieht wie der Anfang. Wir wurden von ihr bereits gewarnt, dass es gut und gerne noch einmal 6 Monate dauern kann, bis wir endlich den Gerichtstermin haben werden. Karlsruhe ist wohl ziemlich überlastet.
Nun gut, warten wir es ab. Wir hoffen aber trotzdem, dass es schneller geht. Hoffen darf man ja schließlich.
Edit: Ich vergaß zu erwähnen, dass ich es natürlich nicht lassen konnte, sie zu fragen, ob sie denn schon öfter Fälle wie uns gehabt hatte. Will heißen ein Frauenpaar bei dem die Kinder in die bereits bestehende Beziehung geboren wurden. Hat sie natürlich nicht. Sie hatte wohl schon öfter Frauenpaare, wo Kinder aus erster (Hetero-)Ehe von der neuen Partnerin adoptiert wurden. Und es gibt in unserem Landkreis mit 156.000 Einwohnern tatsächlich ein Frauenpaar mit einem Pflegekind und ein Männerpaar, was sich als Pflegeeltern beworben hat, aber bisher noch kein Kind hat. Nicht wirklich viel. Wenn man allerdings bedenkt, dass dieser Landkreis eigentlich nur aus Dörfern besteht, bin ich überrascht, dass es doch tatsächlich wenigstens 1,5 lesbische bzw. schwule Familien mit Pflegekindern gibt.
Miss Gigi ist 8 Monate, 2 Wochen und 2 Tage alt.