1 Jahr und 1 Tag

Der Anhörungstermin beim Familiengericht in Karlsruhe war ein voller Erfolg! Wir waren über-pünktlich da, haben das Gericht auf Anhieb gefunden, das Zimmer ebenso und der Richter war sehr nett. Jung, definitiv noch keine 40, mit Migrationshintergrund, wie das politisch korrekt immer so nett heißt, schulterlangen Haaren im Pferdeschwanz und im Anzug mit Krawatte. Er hatte den Beschluss bereits vorbereitet und ausgedruckt und wollte auch überhaupt nichts von uns wissen. Keine einzige Frage, gar nichts. Er hat sich mehr oder weniger sogar dafür entschuldigt, dass wir den weiten Weg zum Gericht fahren mussten und zur Wiedergutmachung durften wir dann den unterzeichneten Adoptionsbeschluss gleich mitnehmen. Yay!

Miss Gigi hat nun offiziell zwei Mamas! Und Cerah offiziell zwei Kinder.

Wir geben dem Standesamt in Freiburg bis Ende nächster Woche, sich zu melden, wegen der neuen Geburtsurkunde und wenn wir bis dahin nichts von denen hören, dann melden wir uns bei denen, ob sie denn den Beschluss schon haben und wir die neue Geburtsurkunde beantragen können.

Und dann fängt der Papierkrieg erst richtig an. Beide Kinder werden die kanadische Staatbürgerschaft beantragen und ich werde mich um eine Aufenthaltsgenehmigung bemühen. Das ganze Verfahren ist ziemlich aufwändig und könnte, wenn es dumm läuft, auch etwas länger dauern. Aber wir haben beschlossen, dass unsere Tage in Deutschland gezählt sind. Und mit einer Familie, die zu 3/4 aus kanadischen Staatsbürger besteht, dürfte auch meiner Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr sehr viel im Weg stehen. Wir haben ein Datum, das wir gerne einhalten würden, wissen aber nicht genau, ob das auch so klappt, wie wir das gerne hätten. Aber es ist unser erklärtes Ziel nach Kanada zu ziehen und um ehrlich zu sein, wundert es mich ein bisschen, dass wir doch so lange hier geblieben sind. Und jetzt hoffen wir, dass wir das auch hinbekommen. So bald wie möglich. Und mit der endlich abgeschlossenen Stiefkindadoption ist eines der größten Hindernisse schon mal aus dem Weg geräumt!

Ich nehme alles zurück…

…und behaupte das Gegenteil.

Hatte ich mich nicht neulich darüber beschwert, dass das Gericht in Ba-Wü sich so viel Zeit mit der Stiefkindadoption lässt und der Anhörungstermin erst am Tag nach Miss Gigis erstem Geburtstag ist?

Genaueres Befassen mit der Materie ergab jetzt, dass die nicht anders können. Es gibt wohl in Ba-Wü diese Adoptionspflegschaftszeit oder wie sich das nennt, was bedeutet, dass das minderjährige Kind erst 365 Tage mit der/dem Annehmenden leben muss, bevor die Anhörung zur Adoption sein kann. Und das wiederum bedeutet, dass der allerfrüheste Termin für eine Anhörung an Tag 366 nachdem das Kind im Haushalt aufgenommen wurde sein kann. In unserem Fall ist das eben der Tag nach dem ersten Geburtstag, da das anzunehmende Kind seit dem Tag seiner Geburt zum Haushalt der Annehmenden gehört.

Wieder etwas gelernt.

ABER: Nur weil ich jetzt verstehe, wieso wir so ewig lange warten mussten, heißt das noch nicht, dass ich es auch gutheiße. Ich finde diese ganze Umstandskrämerei nach wie vor schwachsinnig, auch wenn ich dankbar bin, dass wir wenigstens überhaupt die Möglichkeit der Stiefkindadoption haben.

Post!

Endlich, endlich nach weiteren  drei Monaten warten war heute die Vorladung zum Gericht in der Post. Aufzutauchen haben: die Annehmende, die leibliche Mutter und das minderjährige anzunehmende Kind. Wenn nicht, ist eine Strafe von 1000 Euro zu entrichten.

Also ob wir nicht da sein werden. Wir haben darauf schon so lange gewartet und selbst mit gebrochenen Armen und Beinen werde ich da auftauchen.

Der Termin findet am 2. Februar in Karlsruhe statt. Einen Tag nach Miss Gigis erstem Geburtstag. Mister Man war zu diesem Zeitpunkt schon längst Cerahs legaler Sohn. Die Mühlen in Hessen scheinen schneller zu mahlen als die in Baden-Württemberg. Aber ich will ja nicht undankbar sein, denn wenigstens mahlen sie überhaupt.

Miss Gigi ist 11 Monate und 4 Tage alt.