Zum vorletzten Mal

Heute nun der vorletzte Vorsorgetermin. Ein bisschen CTG, ein bisschen wiegen und Blutdruck messen. CTG war okay wie immer. Die junge Dame zeigte sich mittelmäßig kooperativ – auch wie immer – und hat uns zum Schluß hin durch einen andauernden und lauten Schluckauf amüsiert. Der Zuckertest fiel negativ aus, will heißen, ich habe – wie wir eigentlich schon wußten – kein Schwangerschaftsdiabetes und die Werte waren fast exakt so wie beim ersten Test vor 3 Monaten. Was ich nicht so ganz verstehe ist, wieso der Test mehr oder weniger vorgeschrieben ist, aber trotzdem von der Krankenkasse nicht übernommen wird. So viel zum Thema Zweiklassenmedizin.

Am Freitag dann der letzte Vorsorgetermin bei der Ärztin, am Montag in einer Woche Prä-OP und dann Dienstag, also Morgen in einer Woche wird entbunden.

Und es gibt da ein paar Sachen auf die ich mich danach freue. Allerdings denkt sich nur einer meiner Punkte mit denen, auf die ich mich zum Ende der letzten Schwangerschaft gefreut habe:

1. Auf dem Bauch schlafen. Unangefochten auf Platz 1. Schlafen in der Lieblingsposition ist einfach unübertroffen.

2. Squishy endlich wieder hochheben können. Das wird zwar nach dem Kaiserschnitt eine Weile dauern, aber wir sind auf dem Weg dahin.

3. Kein ekelhafter, permanent komischer Geschmack mehr im Mund, der alles merkwürdig schmecken lässt.

4. Frei atmen und endlich, endlich meine Dauererkältung loswerden. Hoffentlich.

5. Mehr als 5 Schritte gehen können, ohne das Gefühl zu haben, dass der Rücken durchbricht.

6. Und überhaupt: Nicht mehr in Becher pinkeln müssen, kein Dauerabonnement mehr bei der Ärztin und das Babymädchen mit meiner Familie teilen zu können.

Noch 8 Tage…

99

Endlich befinden wir uns im zweistelligen Bereich! In spätestens 99 + ein paar Tagen wird Cudina auf der Welt sein. Obwohl ich ja eher für 99 – ein paar Tage bin. Ich bereite mich schon einmal mental darauf vor, dass ich spätestens 14 Tage vor dem errechneten Termin anfange, den Rausschmiss von Baby No. 2 vorzubereiten. Ich bilde mir jetzt einfach mal ein, dass ich das so ganz einfach locker flockig beeinflussen kann. Der Glaube versetzt Berge und so. Und wenn ich schon dabei bin, dann bereite ich mental natürlich auch gleich ein 2-Stunden-Spontan-Flutsch-Geburt vor. Nichts da von wegen ewig lange in den Wehen rumeiern und dann doch aufgeschnitten werden. Nein, nein, nein. Ich werde völlig entspannt in den Kreißsaal spazieren, ein bisschen entspannt hecheln und dann wird noch viel entspannter ein ebenso entspanntes Kind rausflutschen.

So. So viel zum Thema Wunschträume.

Halbzeit

Heute ist 20+0, will heißen wir sind bereits halb fertig mit Baby No.2. Und wenn besagtes Baby No. 2 brav ist, dann ist heute auch tatsächlich mindestens Halbzeit, es sei denn sie eifert ihrem großen Bruder nach und hockt mir noch 9 weitere Tage auf der Blase rum.

Ich habe das Gefühl, ich bin in den letzten paar Tagen schier explodiert und so langsam aber sicher fängt der Bauch an im Weg zu sein. Im Moment nur ganz selten und auch nur minimal, aber doch schon deutlich spürbar. Überhaupt habe ich gerade so das Gefühl, dass ich sämtliche Unannehmlichkeiten übersteigert wahrnehme.

Ich hatte bei der ersten Schwangerschaft oder eher nach dieser schon einmal festgestellt, dass für mich eine Schwangerschaft so überhaupt gar nichts mit den Penaten-Bübchen-Hipp-Schwangeren, die man gerne glückselig in der Werbung vor sich hingrinsen und bauchmasturbieren sieht, zu tun hat. Ich finde damit wird ein völliges verzerrtes Bild von Schwangerschaft verbreitet und allen, die sich ein Kind wünschen vorgegaukelt, dass es nichts wundervolleres, entspannenderes und glücksfördernderes gibt als eben eine Schwangerschaft. Was – realistisch betrachtet – völliger Quark ist. Kein Wort von Übelkeit, Kotzerei, Pickelgesicht dank durchdrehender Hormone, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, die sich mit ständiger Müdigkeit abwechselt, Gereiztheit und so weiter und so fort. Alles Dinge, die man zwar gerne in Kauf nimmt, das Ergebnis ist das alles wirklich Wert, die einem aber nicht so wirklich bewusst sind, wenn man sich zum ersten Mal völlig blauäugig ins Abenteuer Schwangerschaft stürzt und erwartet, dass man die nächsten 40 Wochen glückselig strahlend mit einem putziges Bäuchlein über rosa Wolken hüpft.

Das mag sich jetzt alles furchtbar negativ und undankbar anhören, aber genau das ist es nicht. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass wir endlich unser zweites Kind erwarten, was unsere Familie vervollständigen soll. Und das alles ohne Ärzte, Kliniken, Medikamente und sonstige Dinge, die wir uns schlicht und ergreifend nicht hätten leisten können. Ich bin aber nicht der Typ, der die Welt völlig verklärt sieht und darstellt. Dazu bin ich viel zu realistisch und praktisch veranlagt. Bisher hatte ich 1,5 völlig problemlose und unkomplizierte Schwangerschaften, die nur von den normalen, durchschnittlichen Zipperlein begleitet waren. Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass ich tagtäglich mit den Engelein Lobpreisungen singe. Schwangersein ist schön – es ist erstaunlich, was der weibliche Körper alles leistet und wie radikal er sich verändern kann -  aber auch enorm anstrengend, teilweise zum kotzen (im wahrsten Sinne des Wortes) und mit Sicherheit nicht jeden Tag ein Zuckerschlecken.

Ich freue mich, dass die erste Hälfte rum ist und kann den Februar kaum erwarten. Und obwohl ich jetzt schon so lange Zeit hatte, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass wir tatsächlich noch so ein kleines putziges Würmchen bekommen werden, habe ich es immer noch nicht so richtig realisiert.

Noch ein paar Wochen, dann ist die Kleine auch als Frühgeburt bereits überlebensfähig. Das ist nach den kritischen ersten 12 Wochen für mich die zweite große Hürde, die es zu überwinden gilt.

So, ich geh dann mal weiter brüten. Schließlich soll die Kleine groß und stark werden.