Geschmacksverwirrungen

Während der Schwangerschaft verändert sich der Geschmackssinn. Bei mir auf jeden Fall. In der ersten Schwangerschaft nicht ganz so sehr wie in der zweiten. In der  zweiten hatte einfach alles einen komisch Bei- und Nachgeschmack. Was war ich froh als die Schwangerschaft rum war und endlich wieder alles schmeckte wie es sollte.

Jetzt im Nachhinein musste ich jedoch feststellen, dass mir zwei Geschmäcker völlig abhanden gekommen sind.

  1. Früher mal habe ich mir gerne zum Mittagesssen auf der Arbeit so eine Instant-Asia-Nudelsuppe gemacht. Diese Teile hier. Da nahm ich also frohgemut so ein paar von diesen Dingern mit. Ist immer gut zur Überbrückung, wenn man mal was vernünftiges zum essen vergessen hat. Als ich das dann allerdings essen wollte, verging es mir. Keine Ahnung, was ich daran mal gut fand. Aber es war mir nicht möglich, mehr als einen Löffel von dem Zeug zu essen. Bäh. Ging gar nicht. Ich habe es danach noch ein einziges Mal probiert. Mit exakt dem gleichen Ergebnis. Schmeckt absolut gräßlich.
  2. Schokolade. Ich bin ein bekennender Schoko-holiker. War ich schon immer. So richtig wählerisch bin ich damit eigentlich auch nicht. Will heißen, die Schokolade vom Aldi tut’s auch. Es muss nicht immer Lindt sein. Aber auch das war einmal. Meine Geschmacksnerven denken wohl mittlerweile sie sind was besseres. Die Billigschokoloade ist einfach geschmackslos und absolut uninteressant. Das wäre wohl für mich eine gute Gelegenheit meinen Schoko-konsum einzuschränken. So ein bisschen mache ich das auch. Aber halt nur so ein bisschen. Ansonsten sponsere ich munter die lila Kuh.

Aber das sind – bisher auf jeden Fall – die einzigen beiden Geschmacksveränderungen, die ich feststellen konnte. Bis auf den Kafffee. Aber dem war ich ja bereits in der Schwangerschaft verfallen!

Zunge beißen

Auch diese Woche wieder gab’s Rückbildungsgymnastik und dieses Mal war ich sogar pünktlich.

Und die Dame, die sonst immer gerne in Tränen ausbrach, war dieses Mal unheimlich entspannt und hat sogar Baby-Spaziergang-Verabredungen mit den anderen Müttern getroffen. Ich hab mich schon gewundert, was da los ist und natürlich ist das auch der Hebamme nicht entgangen. Was diese dann zum Anlass nahm, nach dem Kurs mal dezent zu fragen, wie es ihr denn ginge. Logischerweise wollte ich die Antwort hören und so dauerte es etwas länger, bis ich mein Zeug zusammengesucht und mir die Schuhe gebunden hatte…

Jemand hat scheinbar mein Flehen erhört und ihr geraten, die Stillerei zu lassen. Was sie jetzt auch tut und ihr geht es augenscheinlich sehr gut dabei. Sie war wohl auch mit dem Baby beim Arzt, der meinte mit ihm sei alles in Ordnung und es läge nicht an ihm. Auf jeden Fall bekommt er jetzt die Flasche und ist viel ruhiger und ausgeglichener. Was ja auch kein Wunder ist, wenn die Mutter endlich entspannt ist. Denn genauso wie der Stress und die Unruhe überträgt sich das natürlich auch auf das Kind.

Dass das der Hebamme nicht so wirklich passte, war auch klar und so machte sie sich gleich auf die Suche nach der Ursache für die Stillprobleme. Ob das vielleicht daran liegen könnte, dass das Bonding unterbrochen wurde? Oder vielleicht lag’s ja an der doch recht schnellen Geburt, die verhinderte, dass eine ausreichende Bindung ans Kind entwickelt wurde? Und da konnte ich leider mein Schuhebinden nicht mehr künstlich verlängern.

Ich mag die Hebamme wirklich gerne und finde sie kompetent und definitiv nicht zu esoterik-behaftet, aber das war mir einfach viel zu hebammig. Die Pragmatikerin in mir fing an Amok zu laufen und ich musste mir so auf die Zunge beißen, um nicht was dummes zu sagen.

Das mit dem Bonding direkt nach der Geburt halte ich persönlich sowieso für Quatsch. Und wenn das mit der zu kurzen Geburt ein Problem wäre, was machen dann die Mütter wie ich, die einen Kaiserschnitt hatten? Demnach müsste ich ja auch keine Bindung ans Kind haben. Bzw Stillprobleme auf Grund dessen, die ich ja nun mal nicht habe. Zum Glück.

Wie dem auch sei, der Jungmutter geht es mit ihrer Entscheidung auf jeden Fall besser und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich von irgendjemandem noch umstimmen lässt.

 

Rückblick

Geburt:

Der zweite Kaiserschnitt. Wesentlich entspannter als beim ersten Mal, da dieses Mal kein Notkaiserschnitt und darum keine Hektik. Die Rekonvaleszenz ist so eine Sache für sich. Ein Kaiserschnitt tut nach der Entbindung weh. Eine natürliche Spontangeburt vorher und wenn’s dumm läuft auch hinterher, verheilt aber angeblich schneller. Drei Stunden nach dem Kaiserschnitt wurde ich zum ersten Mal auf die Beine gestellt, am Tag darauf, musste ich aufstehen, rumlaufen und auch sonst wieder alles (mein Lieblingswort: Spontanurin) selbst machen. Lachen geht nicht, husten geht nicht, naseputzen ebenso wenig und niesen ist die Katastrophe schlechthin. Aufstehen ist auch nicht so wirklich prickelnd und laufen geht nur im Schneckentempo. Ich hatte das Gefühl, dass ich mental schneller heile, allerdings braucht mein Körper dieses Mal etwas länger. Der Schnitt selbst ist beim zweiten Mal auch länger – bei mir auf jeden Fall. Wie das alles aussieht, wenn’s mal verheilt ist, bleibt noch abzuwarten. Froh werde ich auch sein, wenn die ganzen blauen Flecken am Rücken (von der Betäubung) und am Bauch (die drücken da ganz schön auf dem Bauch rum, um das Baby rauszubekommen) mal verheilt sein werden. Ansonsten würde ich sagen, schenken sich Kaiserschnitt und Spontangeburt schmerzmäßig nicht wirklich viel. Kinderbekommen ist wohl nie einfach, egal wie man es macht. Allerdings ist es das alles wirklich wert, sonst würden es so Verrückte wie ich auch nicht mehr als einmal machen.

Schwangerschaft:

Das ist etwas komplizierter. Die erste mit der zweiten Schwangerschaft  zu vergleichen fällt mir schwer, obwohl ich es irgendwie die ganze Zeit gemacht habe. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich ganz, ganz knapp an einer Schwangerschaftsdepression vorbeigeschrammt bin bzw. teilweise grenzwertig mittendrinne steckte. Seitdem Gigi draußen ist, merke ich das erst so richtig. Ich habe in den letzten knapp 10 Tagen mehr dumme Witze gerissen und gelacht als in den gesamten 9 Monaten davor. Das Leben geht mir wieder sehr viel leichter von der Hand, auch wenn im Moment alles etwas chaotisch ist. Es bedrückt mich nicht mehr. So kitschig es sich auch anhört, es ist so als ob ein häßlicher Grauschleier ganz lange auf mir drauf lag und mich in den Boden drückte. Einerseits war ich glücklich und froh, endlich schwanger  zu sein, andererseits konnte ich es nicht bis in die Tiefe genießen, weil mir immer etwas im Weg war. Klar, habe ich das gemerkt, aber so richtig zuordnen konnte ich es nicht. Ein merkwürdiges Gefühl. Depressionen sind wirklich fies und ich bin froh, wenn mir das nie wieder in meinem Leben begegnen wird.