Post!

Endlich, endlich nach weiteren  drei Monaten warten war heute die Vorladung zum Gericht in der Post. Aufzutauchen haben: die Annehmende, die leibliche Mutter und das minderjährige anzunehmende Kind. Wenn nicht, ist eine Strafe von 1000 Euro zu entrichten.

Also ob wir nicht da sein werden. Wir haben darauf schon so lange gewartet und selbst mit gebrochenen Armen und Beinen werde ich da auftauchen.

Der Termin findet am 2. Februar in Karlsruhe statt. Einen Tag nach Miss Gigis erstem Geburtstag. Mister Man war zu diesem Zeitpunkt schon längst Cerahs legaler Sohn. Die Mühlen in Hessen scheinen schneller zu mahlen als die in Baden-Württemberg. Aber ich will ja nicht undankbar sein, denn wenigstens mahlen sie überhaupt.

Miss Gigi ist 11 Monate und 4 Tage alt.

Der kleine Extra-Kick

Es gib Dinge, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft einfach nicht so ganz richtig sind. Ding, die mir immer mal wieder einen Stich versetzen, die aber unabänderlich sind.

Kinder bekommen zum Beispiel.

Ich liebe unsere Kinder. Wir lieben unsere Kinder. Wir hätten uns keinen besseren Spender vorstellen können. Keinen, der besser zu uns gepasst hätte. Unsere Kinder sind absolut perfekt so wie sie sind. Und dennoch ist da immer so ein kleiner feiner Wermutstropfen. Kaum wahrnehmbar und trotzdem immer da. Als Kinder der Liebe sind unsere Kinder doch immer nur der biologische Abdruck einer Hälfte des Ganzen. Immer nur ein Teil eines Teiles der Partnerschaft. Nie ein Teil, ein Produkt beider Hälften der Partnerschaft.

Meistens stört mich das nicht. Aber manchmal bin ich traurig, dass mich aus den Augen der Kinder nie meine Frau anschaut. Dass wir nie sagen können, dieses und jenes ist so typisch du und dieses und jenes ist so typisch ich. Oder: Unglaublich wie genau die Gene da aufgeteilt worden sind. 50 % du und 50 % ich.

Um dieses Gefühl beneide ich jedes Heteropaar. Die meistens werden dem keine große Beachtung schenken, denn so ist es nun mal. 50 % du und 50 % ich. Ich glaube, erst wenn man dieser Möglichkeit beraubt wird, merkt man, was einem fehlt. Wieder etwas, was man erst zu schätzen weiß, wenn man es nicht hat.

Es muss einer Beziehung doch einen Extra-Kick verleihen, wenn man so ein kleines Wesen hat, was beide zu 100 % erschaffen haben. 50 % du und 50 % ich.

heute

Rosenhochzeit. Kaum zu glauben, dass schon 10 ganze Jahre vergangen sind. Es fühlt sich überhaupt nicht so lange an. Eher wie schon immer. Oder nur ein Tag.

Schon verrückt, wenn man bedenkt, dass ich unter 7 Milliarden Menschen genau den einen gefunden habe, der ich ist. Denn ursprünglich bestanden alle Menschen aus vier Beinen, vier Armen und einem Kopf mit zwei Gesichtern. Weil aber Zeus Angst vor der Macht der Menschheit hatte, teilte er die Menschen und verdammte sie dazu, ihr Leben damit zu verbringen, die fehlende andere Hälfte zu suchen.

Ich habe meine gefunden. Und so schnell gebe ich die nicht mehr her. Auf die nächste Ewigkeit, die ein Tag und ein ganzes Leben ist.