Kopenhagen oder London

Da ich ja nun ein Fernsehstar bin sein werde, müssen wir natürlich auch gleich Pläne machen, um die enormen finanziellen Zugewinne aus dieser Sache vernünftig zu nutzen. Vor allem da diese enormen finanziellen Zugewinne sich im enorm niedrigen dreistelligen Bereich befinden.

Also haben wir uns überlegt das Geld in etwas spaßbringendes zu investieren. Und Ideen haben wir da natürlich genug. Im Geldausgeben sind wir nämlich Spitze. Idee Nr. 1 waren zwei Jahrestickets für den EuropaPark. Naheliegend immerhin ist der nur 20 Minuten weg und wenn wir sportlich wären, dann könnten wir da sogar mit dem Rad hinfahren. Dann wollte Cerah gerne mit dem CityNightLine nach Kopenhagen fahren. Auch eine schöne Idee. Und dann wollte ich gerne mit einem Billigflieger von Basel nach London fliegen. Da waren wir nämlich auch noch nie.

Und dann hat uns leider die Realität eingeholt und wir haben beschlossen, dass wir das Geld wohl doch in einen Fernseher investieren müssen, wollen, sollen. Der gibt nämlich leider gerade den Geist auf und ohne den geht es nicht. Wie soll ich denn sonst meine Lieblings-DVD (hüstel, hüstel) anschauen? Auf dem PC ist das auf Dauer langweilig. Nun gut, dann eben realistisch und sinnvoll investieren. Nach Kopenhagen und London müssen wir dann halt wann anders.

Anders

Für etwas anderes war das Nachtcafé auch gut. Oder schlecht. Je nachdem wie man das sieht.

Mir fällt normalerweise nur sehr selten auf, dass ich irgendwie anders bin. Jeder, mit dem ich es im täglichen Leben zu tun habe, weiß, dass ich mit einer Frau verheiratet bin und dass wir einen kleinen Sohn haben. Da ich nicht mit so wahnsinnig vielen Leuten zu tun habe, gibt es eigentlich auch niemanden, der das nicht weiß. Für alle bin ich trotzdem die, die ich halt bin und nicht die Lesbe mit dem Kind vom Samenspender. Bis jetzt war ich das eigentlich noch nie.

Wenn man dann allerdings als eben das in eine Talkshow geht, wird man dazu. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich nur über mein Lesbischsein definiert. Das ist ein sehr komisches Gefühl, da ich mich darüber so überhaupt nicht definiere. Das ist nur ein ganz kleiner Teil von mir und der wird normalerweise völlig vernachlässigt. Dann auf einmal einen ganzen Abend lang eben nur das zu sein ist irritierend. Und für mich eine neue Erfahrung. Merkwürdiges Gefühl. Nicht schlecht, nicht gut. Eben anders.

Und irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen. Sollte ich mich nicht auch im täglichen Leben mehr über mein Lesbischsein definieren. Verdränge ich das? Ich weiß es nicht.

Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlen würde, nur weil ich nicht mit Regenbogenfahne durch die Gegend renne und meine Regenbogenkleider und meinen Regenbogenschmuck präsentiere. Und eigentlich finde ich das auch doof und unnötig, denn so bin ich einfach nicht. Mir ist noch nie eine Heterofrau begegnet, die ein T-Shirt anhat auf dem sie stolz ihre Lieblingsstellung beim Sex herzeigt. Wenn sie nun allerdings bei einer Talkshow den Standpunkt vertreten würde, nur die Missionarsstellung ist das einzig wahre und alles andere zählt nicht, dann würde sie sich vermutlich fühlen wie ich. Okay, schlechter Vergleich. Aber die Dame würde sich vermutlich im richtigen Leben auch nicht als Missionarsstellungsvertreterin fühlen und das allen auf die Nase binden.
Aber vielleicht war das für mich zur Abwechslung mal eine hilfreiche Erfahrung, die mich daran erinnert, dass wir eben nicht normal sind. Auch wenn wir das gerne glauben möchten.

Nachtcafé – Recap

Der mittlere Hocker war meiner

Der mittlere Hocker war meiner

Das war mal was. Interessant, sehr interessant. Der gestrige Tag, also Donnerstag, fing mit einem Friseurbesuch an, bei dem irgendwie wesentlich mehr Haare auf dem Boden landeten als von mir geplant. Das Ergebnis hat mir trotzdem gut gefallen und für Cerah sehe ich jetzt wieder aus wie die American BB, mit den kurzen Haaren. Zweites Problem war, was soll ich anziehen? Wir hatten die Woche vorher etwas neues für mich gekauft, allerdings rief dann am Mittwoch eine der Redakteurinnen an und meinte, nichts kleingemustert, kein schwarz, kein weiß. Dumm nur, dass das, was ich mir ausgesucht hatte, weiß war. Kleidungsplan B ging auch daneben, weil das Oberteil einen Fleck hatte, der mir vorher noch nie aufgefallen war. Super. Also musste Plan C her. Was komplett neues. Strömender Regen in Freiburg und im fünften Geschäft haben wir dann auch endlich was annehmbares gefunden. Zwar völlig überteuert, aber das war mir da auch schon egal.

Der Zug war zu spät und ich kam später in Ludwigsburg an als erwartet. Mein Fahrer fand mich zum Glück trotzdem und brachte mich sicher ins Hotel. Danach ging alles irgendwie ganz schnell und trotzdem wahnsinnig langsam.

Abholung vom Hotel und Fahrt zum Schloss Favorite in Ludwigsburg, wo die Sendung aufgezeichnet wurde. Ab in die Maske und dann warten, warten und noch ein bisschen mehr warten. Sich ein bisschen umschauen, Small Talk mit den anderen Gästen, aber nicht über das Thema (Projekt Kinderwunsch), bisschen was essen, bisschen was trinken. Irgendwann traf dann auch der Moderator ein. Führte mit jedem ein kurzes Gespräch zur Vorbereitung und noch ein bisschen mehr warten. Das Publikum traf ein und alle Gäste für die Sendung wurden in einem bzw. dem hinterem Raum im Stuhlkreis vom Moderator kurz vorgestellt. Ein bisschen Einweisung und dann wurden die Bargäste, also Ed und ich, mit Mikrofon verkabelt, schließlich waren wir die Eröffnungsgäste und als erste dran.

Das Publikum bekam ein Warm-Up verpasst und dann folgte der Einmarsch der Gladiatoren, sprich der Gäste. Anschließend ein Gruppenbild mit Moderator. Ed und ich durften noch eins mit Herrn Backes machen und wurden dann auf unsere Plätze an der Bar verfrachtet. Toncheck für alle und los ging’s.

Meine Nervosität hielt sich einigermaßen in Grenzen und ich glaube ich habe mich auch nur ein paar Mal – und nicht ständig – verhaspelt. Bei der eigentlichen Diskussion haben wir nicht mitgemacht. Ich war darüber heilfroh, denn das war teilweise doch schon sehr ähm.. lebhaft und ich glaube nicht, dass ich da hätte mittendrin sein wollen.

Nach unserem kurzen Auftritt durften wir von der Bar ins Publikum schleichen und den Rest der Diskussion hautnah verfolgen. Alles sehr emotional und sehr interessant anzuschauen.

Als die Aufzeichnung vorbei war, ging es dann für alle Gäste und Moderator – der nachkam – ins Hotel, um etwas zu essen.

Arg viel mehr mag ich hier eigentlich nicht verraten. Das mache ich dann nach der Ausstrahlung, die übrigens am 18. September ist.

Ich fand das alles höchst interessant, das Nachtcafé selber ist super klein und der Tag war wirklich lang. Meine Nervosität habe ich mir schlimmer vorgestellt. Ich hoffe, ich komme auch eingermaßen okay rüber, wenn ich vermutlich auch aussehe wie ein türkiser Riesenwal, aber das kann ich halt so schnell auch nicht ändern. Lasst euch überraschen. Ich bin gespannt, was ihr von der Sendung halten werdet. Dauert halt leider noch ein bisschen. Aber ich werd euch auf jeden Fall dran erinnern.