Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich denn nun dazu äußern will oder nicht. Ich bin zum Ergebnis gekommen, dass ich das will, auch wenn das nicht unbedingt positiv ist.
Gleich vorne weg: Ich schaue solche Sendungen normalerweise nicht an, weil ich die furchtbar finde. Möchtegern Reality-TV mit gestellten Szenen, die einem als echt verkauft werden. Von dem mal abgesehen, dass mich 99 Prozent der Mitwirkenden solcher Shows dazu animieren, meinen Kopf permanent gegen die Wand zu schlagen, weil das noch weniger wehtun würde als das dämliche Geschwafel auf dem Bildschirm zu ertragen.
Dieses Mal habe ich es mir angeschaut, weil ich ja den Blog kenne und gespannt war, wie denn die Geschichte so rüberkommen würde von zwei Frauen und ihrem Kinderwunsch. Ist schließlich ein Thema, was mir nicht fremd ist. Es geht übrigens um die Sat1 Sendung “Deutschland wird schwanger.”
Nun ja, ich habe Recht behalten. Hätte ich mal lieber nicht geschaut, dann hätte ich mir die Bauchschmerzen sparen können. Ich fand die Darstellung furchtbar und war ehrlich gesagt ziemlich geschockt. Ich habe mich tierisch aufgeregt. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass dabei nichts Gutes rauskommen kann, aber ich bin eben ein unverbesserlicher Optimist. Privatsender und Lesben ist eine Kombination, die scheinbar nicht gut ausgehen kann. Erinnert mich stark an unseren Fototermin letztes Jahr. Eine der ersten Fragen der Fotografin, ob sich eine von uns beiden nicht einen Rock anziehen könne. Spontane Antwort von uns: Nein. Wir machen keine Veröffentlichung bei der wir dem typischen Lesbenklischee entsprechen. Muss ja schließlich klar erkennbar sein, wer Mann und wer Frau ist und so. Nein danke. Gab’s die Bilder eben mit uns beiden in Hosen, wurde dann eh nie veröffentlicht, aber das hätte ich anders nicht vertreten können. Immerhin stehe ich damit nicht nur für unsere Familie sondern für alle Regenbogenfamilien deutschlandweit. Das ist eine ziemlich große Verantwortung und die sollte man mit Bedacht tragen.
Was mich zurück zum Thema bringt. Das Ziel war Aufklärung und durch diesen Auftritt die Akzeptanz für Probleme von Regenbogenfamilien zu erhöhen. Und was kam rüber? Genau das Gegenteil. Ein Großteil der Schuld gebe ich definitiv dem Sender. Denen geht es nur um Quoten. Langweilige Durchschnittsmenschen, die nicht irgendwie provokativ sind können die nicht gebrauchen. Die will keiner sehen. Denken die Macher zumindest. Und was noch nicht “interessant” genug erscheint, wird durch ein paar passende Schnitte passend – im Sinne des Senders – gemacht.
Aber um das möglich zu machen, muss die passende Vorlage gegeben sein. Wirklich ganz furchtbar fand ich die gestellte Situation mit dem potentiellen Spender. Klar, dass nur ganz wenige Spender sich vor eine Kamera trauen. Otto Normalverbraucher kann schließlich in den seltensten Fällen die Motivation für sowas verstehen. Also trifft man sich mit einem “gefakten” Spender, erklärt sich für die Kamera bereit, den auch mit nachhause mitzunehmen, obwohl eigentlich von Anfang an klar ist, dass man das im normalen Leben ohne Kamera nicht machen würde. Lässt den armen Kerl, den man vorher vor laufender Kamera noch als “geht gar nicht” bezeichnet hat, in den berühmten Becher ejakulieren, schickt ihn weg und weigert sich dann, das Sperma zu injizieren, weil einem “das große Kotzen kommt”? Unterhaltungswert hin oder her, aber das macht man einfach nicht. Nicht im echten Leben und nicht vor der Kamera. Schon gar nicht vor der Kamera. Manche Sachen kann man denken aber nicht sagen. Und wenn es gesagt werden muss, dann bitte hinterher. In den eigenen vier Wänden mit geschlossenen Fenstern. Wenn die Lichter aus und die Kameras weg sind. Auch wenn es zusammengeschnitten wurde, um die Dramatik zu erhöhen, müssen doch gewissen Äußerung wirklich gefallen sein, sonst könnten sie nicht manipuliert werden. Was ist passiert mit der positiven Darstellung der Lesben und die Aufklärung über Regenbogenfamilien? Sein Gesicht irgendwo öffentlich zu zeigen ist eine große Verantwortung. Nicht nur das eine gezeigte Paar steht wirklich negativ da, sondern auch ich, sämtliche Lesben und Regenbogenfamilien, wie wir, die auf diesem Weg zum Kind gekommen sind. Wenn ich mir das so anschaue, bekomme ich den Eindruck, dass Lesben habgierige Männerhasser sind, die nur das Sperma wollen und das auch nur von einem Brad Pitt, alles andere ist nicht gut genug.
Wie das im echten Leben ist und wie das wirklich war, ist in diesem Moment absolut unwichtig. Was wichtig ist, ist was da zu sehen ist, was daraus gemacht wurde. Und was als Vorlage geliefert wurde, um das überhaupt zu ermöglichen. Im Rampenlicht zu stehen ist schön und gut – mache ich schließlich auch mal ganz gerne – muss auch gemacht werden, aber bitte, bitte nicht blauäugig. Lieber von vorne rein sämtliche Risiken ausschließen als hinterher dumm dastehen. Denn nicht nur reitet man sich selbst in die Scheiße, sondern die komplette Minderheit, die man vertritt. Ein Minischrittchen nach vorne, ein Fehltritt von wem auch immer und wieder zwei Riesenschritte zurück für alle.
Was ich damit sagen will, ich bin enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass wir als Regenbogenfamilien so schlecht rüber kamen. Dass die Argumente gegen das schwanger werden so oberflächlich waren, wie ich möchte gerne schlank bleiben und meine Figur behalten. Dass der Kinderwunsch scheinbar nicht von beiden unterstützt wird.
Logisch ist für mich auch, dass die Kritik hauptsächlich aus den eigenen Reihen kommt. Denn diese haben mit Spannung darauf gewartet – wurde schließlich auch genug beworben – und wurden in einem schlechten Licht repräsentiert. Dass den anderen, “normalen” Leuten das ziemlich egal ist, ist auch klar. Denn die wissen ja schon, dass alle Lesben so sind. Nämlich nur darauf aus, von den Männern das einzige zu “stehlen” was sie nicht haben und aber dringend brauchen – Sperma eben.
Nun gut, ändern kann ich es nicht und ausgestrahlt wurde es auch bereits. Die beiden, die da mitmachen, wünschen sich mittlerweile sicher auch, dass sie das so nicht gemacht hätten. Wenigstens waren die Einschaltquoten so schlecht, dass die Sendung vom 20.15 Uhr Sendeplatz auf den 22.15 Uhr Sendeplatz abgeschoben. Wobei ich mich auch frage, wie Sat1 ernsthaft glauben konnte mit diesem Format gegen Bauer sucht Frau Quote machen zu können. Für die Zukunft wünsche ich mir Formate mit positiver Darstellung von Regenbogenfamilien. Aber da bin ich vermutlich wieder zu optimistisch.