Dec
17
2009
1

Wünsch Dir Was

Weihnachten steht vor der Tür bzw. ist fast schon wieder draußen und der Geschenkewahn ist in vollem Gange. Und wenn ich denn unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätte, dann würde ich wohl pro Person so um die 300 bis 500 Euro ausgeben. Ideen hätte ich zur Genüge, nur halt das Bargeld fehlt. Schade eigentlich.

Wenn ich mir was wünsche dürfte, was es nicht für Geld gibt, dann wüßte ich auch schon, was ich mir wünschen würde.

Ich wäre gerne die deutsche Ellen*. Mein einer, mickrig kleiner TV-Auftritt hat mir Spaß gemacht und prinzipiell fände ich es nett, meine eigene Talk-Show zu haben. Da wäre ich dann witzig, frech und liebenswert. Und die Spaßkanone schlechthin. Und alle Promis würden zu mir kommen, mich wahnsinnig sympathisch finden und meine Freunde sein wollen. Ich wäre so beliebt, dass natürlich auch sämtliche Hollywood-Stars bei mir Schlange stehen würden. Praktischerweise kann ich ja auch gut Englisch, würde mich also auch niveauvoll mit den nicht-deutschen Promis unterhalten können und bei mir würde es dann auch nur Untertitel geben. So Synchronstimmengequatsche über dem Original kann ich nämlich überhaupt nicht leiden. Und damit wäre dann gleich noch ein Lerneffekt da, den ich mit meiner Talk-Show-Rubrik “Englisch mit Belle” noch weiter ausbauen könnte. Es gäbe tolle Geschenke für alle und ich würde Geld verteilen an unverschuldete Hartz IV-Empfänger. Und ich glaube ich hätte eine Rubrik mit normalen Leuten, die in irgendeiner Weise eine ungewöhnliche Geschichte haben. Ob ich irgendwelche witzigen Spielchen spielen würde, weiß ich nicht so genau. Denn die mag ich nicht so wirklich. Aber darüber ließe sich dann ja diskutieren. Und es wäre doch auch mal nett, ne lustige Lesbe zu sehen, die nicht Hella von Sinnen ist.

Und wie wär’s? Wer stellt mich ein?

*Für alle, die Ellen DeGeneres nicht kennen, gibt’s den Wikipedia-Eintrag und auf YouTube ihre tägliche Show.

Written by Belle in: Alltag, Public Relations, Regenbogenfamilie |
Dec
15
2009
5

Heute im Angebot

Wer will nochmal, wer hat noch nicht.

Wir haben mal wieder ein TV-Angebot bekommen, das wir mal wieder ablehnen werden. Obwohl das eigentlich recht seriös aussieht. Wer das dringende Bedürfnis hat, sich mal im Fernsehen zu sehen, soll sich bei mir melden. Keine Ahnung, ob das in deren Sinn ist, aber schaden kann’s ja nicht. Ach ja, es soll natürlich eine Regenbogenfamilie sein.

Interessant in diesem Zusammenhang auch dieser Artikel.

Via Bildblog.

Written by Belle in: Alltag, Public Relations |
Nov
23
2009
12

Weiter im Text

Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich denn nun dazu äußern will oder nicht. Ich bin zum Ergebnis gekommen, dass ich das will, auch wenn das nicht unbedingt positiv ist.

Gleich vorne weg: Ich schaue solche Sendungen normalerweise nicht an, weil ich die furchtbar finde. Möchtegern Reality-TV mit gestellten Szenen, die einem als echt verkauft werden. Von dem mal abgesehen, dass mich 99 Prozent der Mitwirkenden solcher Shows dazu animieren, meinen Kopf permanent gegen die Wand zu schlagen, weil das noch weniger wehtun würde als das dämliche Geschwafel auf dem Bildschirm zu ertragen.

Dieses Mal habe ich es mir angeschaut, weil ich ja den Blog kenne und gespannt war, wie denn die Geschichte so rüberkommen würde von zwei Frauen und ihrem Kinderwunsch. Ist schließlich ein Thema, was mir nicht fremd ist. Es geht übrigens um die Sat1 Sendung “Deutschland wird schwanger.”

Nun ja, ich habe Recht behalten. Hätte ich mal lieber nicht geschaut, dann hätte ich mir die Bauchschmerzen sparen können. Ich fand die Darstellung furchtbar und war ehrlich gesagt ziemlich geschockt. Ich habe mich tierisch aufgeregt. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass dabei nichts Gutes rauskommen kann, aber ich bin eben ein unverbesserlicher Optimist. Privatsender und Lesben ist eine Kombination, die scheinbar nicht gut ausgehen kann. Erinnert mich stark an unseren Fototermin letztes Jahr. Eine der ersten Fragen der Fotografin, ob sich eine von uns beiden nicht einen Rock anziehen könne. Spontane Antwort von uns: Nein. Wir machen keine Veröffentlichung bei der wir dem typischen Lesbenklischee entsprechen. Muss ja schließlich klar erkennbar sein, wer Mann und wer Frau ist und so. Nein danke. Gab’s die Bilder eben mit uns beiden in Hosen, wurde dann eh nie veröffentlicht, aber das hätte ich anders nicht vertreten können. Immerhin stehe ich damit nicht nur für unsere Familie sondern für alle Regenbogenfamilien deutschlandweit. Das ist eine ziemlich große Verantwortung und die sollte man mit Bedacht tragen.

Was mich zurück zum Thema bringt. Das Ziel war Aufklärung und durch diesen Auftritt die Akzeptanz für Probleme von Regenbogenfamilien zu erhöhen. Und was kam rüber? Genau das Gegenteil. Ein Großteil der Schuld gebe ich definitiv dem Sender. Denen geht es nur um Quoten. Langweilige Durchschnittsmenschen, die nicht irgendwie provokativ sind können die nicht gebrauchen. Die will keiner sehen. Denken die Macher zumindest. Und was noch nicht “interessant” genug erscheint, wird durch ein paar passende Schnitte passend – im Sinne des Senders – gemacht.

Aber um das möglich zu machen, muss die passende Vorlage gegeben sein. Wirklich ganz furchtbar fand ich die gestellte Situation mit dem potentiellen Spender. Klar, dass nur ganz wenige Spender sich vor eine Kamera trauen. Otto Normalverbraucher kann schließlich in den seltensten Fällen die Motivation für sowas verstehen. Also trifft man sich mit einem “gefakten” Spender, erklärt sich für die Kamera bereit, den auch mit nachhause mitzunehmen, obwohl eigentlich von Anfang an klar ist, dass man das im normalen Leben ohne Kamera nicht machen würde. Lässt den armen Kerl, den man vorher vor laufender Kamera noch als “geht gar nicht” bezeichnet hat, in den berühmten Becher ejakulieren, schickt ihn weg und weigert sich dann, das Sperma zu injizieren, weil einem “das große Kotzen kommt”? Unterhaltungswert hin oder her, aber das macht man einfach nicht. Nicht im echten Leben und nicht vor der Kamera. Schon gar nicht vor der Kamera. Manche Sachen kann man denken aber nicht sagen. Und wenn es gesagt werden muss, dann bitte hinterher. In den eigenen vier Wänden mit geschlossenen Fenstern. Wenn die Lichter aus und die Kameras weg sind. Auch wenn es zusammengeschnitten wurde, um die Dramatik zu erhöhen, müssen doch gewissen Äußerung wirklich gefallen sein, sonst könnten sie nicht manipuliert werden. Was ist passiert mit der positiven Darstellung der Lesben und die Aufklärung über Regenbogenfamilien? Sein Gesicht irgendwo öffentlich zu zeigen ist eine große Verantwortung. Nicht nur das eine gezeigte Paar steht wirklich negativ da, sondern auch ich, sämtliche Lesben und Regenbogenfamilien, wie wir, die auf diesem Weg zum Kind gekommen sind. Wenn ich mir das so anschaue, bekomme ich den Eindruck, dass Lesben habgierige Männerhasser sind, die nur das Sperma wollen und das auch nur von einem Brad Pitt, alles andere ist nicht gut genug.

Wie das im echten Leben ist und wie das wirklich war, ist in diesem Moment absolut unwichtig. Was wichtig ist, ist was da zu sehen ist, was daraus gemacht wurde. Und was als Vorlage geliefert wurde, um das überhaupt zu ermöglichen. Im Rampenlicht zu stehen ist schön und gut – mache ich schließlich auch mal ganz gerne – muss auch gemacht werden, aber bitte, bitte nicht blauäugig. Lieber von vorne rein sämtliche Risiken ausschließen als hinterher dumm dastehen. Denn nicht nur reitet man sich selbst in die Scheiße, sondern die komplette Minderheit, die man vertritt. Ein Minischrittchen nach vorne, ein Fehltritt von wem auch immer und wieder zwei Riesenschritte zurück für alle.

Was ich damit sagen will, ich bin enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass wir als Regenbogenfamilien so schlecht rüber kamen. Dass die Argumente gegen das schwanger werden so oberflächlich waren, wie ich möchte gerne schlank bleiben und meine Figur behalten. Dass der Kinderwunsch scheinbar nicht von beiden unterstützt wird.

Logisch ist für mich auch, dass die Kritik hauptsächlich aus den eigenen Reihen kommt. Denn diese haben mit Spannung darauf gewartet – wurde schließlich auch genug beworben – und wurden in einem schlechten Licht repräsentiert. Dass den anderen, “normalen” Leuten das ziemlich egal ist, ist auch klar. Denn die wissen ja schon, dass alle Lesben so sind. Nämlich nur darauf aus, von den Männern das einzige zu “stehlen” was sie nicht haben und aber dringend brauchen – Sperma eben.

Nun gut, ändern kann ich es nicht und ausgestrahlt wurde es auch bereits. Die beiden, die da mitmachen, wünschen sich mittlerweile sicher auch, dass sie das so nicht gemacht hätten. Wenigstens waren die Einschaltquoten so schlecht, dass die Sendung vom 20.15 Uhr Sendeplatz auf den 22.15 Uhr Sendeplatz abgeschoben. Wobei ich mich auch frage, wie Sat1 ernsthaft glauben konnte mit diesem Format gegen Bauer sucht Frau Quote machen zu können. Für die Zukunft wünsche ich mir Formate mit positiver Darstellung von Regenbogenfamilien. Aber da bin ich vermutlich wieder zu optimistisch.

Written by Belle in: Public Relations, Regenbogenfamilie |
Sep
18
2009
16

Und?

Wie waren sie meine 5 Minuten Berühmtheit? Ich fand’s okay. Recht neutral bis positiv. Die Diskussion hinterher ging etwas über zwei Stunden und war sehr emotional. Bisher muss ich sagen – die Sendung läuft ja gerade noch – haben sie das ziemlich gut zusammengeschnitten. Bei mir fehlte, glaube ich, nur ein Statement und bisher habe ich auch den Eindruck, dass die Diskussion recht ausgeglichen rüberkommt. Zeitweise sind sich die Damen und Herren da nämlich schon etwas ins Wort gefallen.

Im Grunde genommen kann ich jede Position verstehen, die in dieser Runde von den verschiedenen Personen vertreten wird. Und das ist vermutlich auch der Grund wieso ich für so eine Diskussionsrunde nicht geeignet wäre. Ich kann mich in jeden hineinversetzen und verurteilen kann ich niemanden. Ein Kinderwunsch ist etwas sehr persönliches. Etwas womit jeder anders umgeht. Bei uns hat es relativ schnell geklappt. Ohne Ärzte. Das einzige, was uns fehlte war ein einziges Spermium. Was allerdings passiert wäre, wenn es so nicht funktioniert hätte, kann ich nicht beantworten. Hätten wir Hormone genommen? Künstliche Befruchtung im Ausland? Eizellen- und Samenspende? Hätten wir ein schwerstbehindertes Kind abgetrieben? Ich weiß es nicht. Wir waren nie an diesem Punkt, die Frage hat sich nie gestellt. Ich kann nicht sagen, wie weit wir/ich gegangen wären. Ich kann verstehen, wenn man wirklich alle Möglichkeiten ausschöpft. In diesem Leben kann man sich jeden Wunsch erfüllen – auf irgendeneine Weise. Aber alles hat einen Preis. Alles. Die Frage ist nur, ob ich bereit bin den zu zahlen – wie immer er auch aussieht und wie hoch er auch sein mag. Und damit meine ich nicht den finanziellen Aspekt.

Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Wir wollten immer einen Spender, den wir kennen, den unser Kind kennt. Wir wollen unserem Kind nicht verheimlichen wo es herkommt. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Das Wissen um die Herkunft ist wichtig. Es geht dabei nicht wirklich um die Person, die der biologische Elternteil ist. Ich glaube nicht, dass wenn ich meinem bisher unbekannten Vater begegne, dass ich auf einmal fühle: Oh, ein wundervolles Wärmegefühl überkommt mich. Das da muss mein biologischer Vater sein. Das ist Quatsch. Aber man muss wenigstens wissen, wer das ist. Wenigstens einmal von Angesicht zu Angesicht. Nur um sagen zu können: Aha, das ist er also und gut ist. – Meine Meinung. – Wir wollten keine Ärzte involvieren. Auf jeden Fall nicht so lange es sich vermeiden lässt. Ich glaube daran, dass manche Dinge einfach nicht sein sollen. Ich glaube aber auch, dass jeder das Recht hat, das anders zu sehen und gegen sein Schicksal anzukämpfen. Und wie er das macht, ist jedem selbst überlassen. So lange er daran glaubt und dann auch dahinter steht. Egal, was passiert. Egal, ob man die getroffene Entscheidung später irgendwann mal bereut. Deshalb nennt sich diese Veranstaltung hier Leben. You live, you learn.

EDIT:

Für die, die es verpasst haben.

Hier der Link zum Video.

Written by Belle in: Alltag, Public Relations |

Theme: TheBuckmaker.com Magazine Style WordPress Themes | Drupal Hosting, Low Budget Hosting