Quatsch-Lügerei

Manchmal ertappe ich mich bei dämlichen Sachen. Und dann weiß ich nicht genau, warum ich das jetzt gemacht habe. Heute war wieder sowas.

Meine Kollegin hatte Geburtstag. Ich war die Einzige, die daran gedacht hat. Der Chef ist krank – wer den wohl angesteckt hat? – und so war es an mir, ein paar Blümchen oder ähnliches für sie aufzutreiben. Eine Gärtnerei habe ich trotz planlosen Fahrens auf Anhieb gefunden. Da war auch eine nette Frau mittleren Alters drinne, die mir ein Gesteck verkaufte. Leider nahm sie nur Bargeld, was ich – wie immer – nicht dabei hatte. Sie meinte, ich solle mir keinen Stress machen. Die Straße runter wäre eine Sparkasse und da und dort dann eine Volksbank. Dummerweise müsste ich aber bei beiden Banken eine Gebühr bezahlen, weil das nicht meine sind und so bin ich zu meiner eigenen fünf Minuten entfernten Bank gefahren. Ich finde es nämlich völlig übertrieben für Bargeld im Wert von 20 Euro nochmal 5 Euro Gebühr zu zahlen. So dicke habe ich es beileibe nicht als dass mir das nichts ausmachen würde.

Nun gut. Gute 15 bis 20 Minuten später bin ich da also mit Bargeld wieder reingedackelt. Und bevor ich weiß, was ich eigentlich rede, erzähle ich ihr, dass ich an der richtigen Straße vorbeigefahren bin und dass es deshalb etwas länger gedauert hat. Und lächle sie dabei entschuldigend an. Hä? Bitte was? Die Straße war überhaupt nicht zu verfehlen und verfehlt habe ich die beim besten Willen nicht. Aber sie lächelt nur freundlich und verständnisvoll zurück und erzählt mir, dass sie das nur zu gut kenne. Das passiere ihr ständig und neulich hätte sie sogar im Fernsehen gesehen – oder nein, in der Zeitung gelesen, dass jemand sogar – trotz Navi – völlig falsch zum Zentralfriedhof anstatt zum Hotel gefahren.

Und wieso genau habe ich ihr jetzt so einen Humbug erzählt? Ich hätte mich gar nicht rechtfertigen müssen. Weder war sie sauer noch angenervt, dass ich etwas länger gebraucht habe. Trotzdem habe ich mir fix mal was aus den Fingern gesaugt. Einfach so. Ein bisschen Small-Talk auf einer erfundenen Geschichte aufgebaut. Schon merkwürdig das. Mache ich aber relativ oft. Einfach ein bisschen eine Geschichte von einer anderen Gelegenheit einbauen und eine gemütliche Atmosphäre schaffen, dadurch dass ich wie das schusselige Dummchen dastehe. Und es macht mir nicht mal was aus. Funktionieren tut das in 99 von 100 Fällen. Keine Ahnung, wann ich mir das angeeignet habe, aber scheinbar hat sich dieses Verhalten schon so automatisiert, dass mein Unterbewußtsein automatisch ein passendes Geschichtlein ausspuckt, um Sympathie- oder was-auch-immer-für-Punkte zu sammeln. Merkwürdig. Sehr merkwürdig. Sollte ich mir darüber Gedanken machen?

Ich hab’s schon immer gewusst

BMI sagt sicher jedem was. Zumindest jeder Frau. Zugegebenermaßen weiß ich meinen und rechne ab und zu mal dran rum wieviel ich wachsen müsste, um mit meinem Gewicht im Normalbereich zu liegen. Ich müsste 20 cm größer sein oder aber 20 kg weniger wiegen, um an der oberen Grenze des Normalen zu liegen. Das ist ziemlich viel.

Und ehrlich gesagt, das passt bei mir einfach überhaupt nicht.

2005 passte ich in Größe 38. Mein BMI damals lag bei 28. Also immer noch im übergewichtigen Bereich. So sah ich damals aus (Foto – das Kind ist mein kanadischer Neffe) und kein Mensch kann mir erzählen, dass ich da übergewichtig aussehe. Genauso wenig wie Kleidergröße 38 meiner Ansicht nach auf Übergewicht hindeutet. Der BMI sagte – bei mir – jedoch etwas anderes.

Und dann fand ich neulich diesen Ausschnitt:

Auch der von Journalisten viel zitierte Body Mass-Index sei “Quatsch”, genauso gut könne man bei einer Frau die Körbchengröße mit dem Schädelumfang verrechnen, um den IQ zu bestimmen. “Es gibt beim Menschen keine Norm”, sagt Pollmer, der zahlreiche Bücher über Lebensmittel und Ernährung geschrieben hat, wie zum Beispiel das Anti-Diät-Buch “Esst endlich normal”. Quelle

Das ist für mich wie eine Erlösung. Ich konnte nie verstehen wieso dieser dämliche BMI immer sagte, ich sei zu fett, auch wenn ich mich nicht so fühlte und das auch nicht war.

Mittlerweile habe ich laut BMI das Übergewicht hinter mir gelassen und mich in den Bereich der Adipositas Grad I begeben. Da hab ich mich dann doch etwas erschreckt, denn so sehe ich mich nicht – und ganz ehrlich so bin ich auch nicht. Ich habe definitiv Übergewicht, da gibt es keinen Zweifel daran, aber ich sehe nicht mal aus, wie die Dame hier rechts auf dem Bild, geschweige denn die Linke, die google mir ausspuckt, wenn ich nach Adipositas-Bildern suche.

Somit bin ich nun offiziell zum Ergebnis gekommen, dass dieser BMI sich einfach nicht auf mich bezieht. Mein Wohlfühlgewicht liegt beim jetzigen Gewicht minus etwa 5 Kilo und damit einem BMI von 30, also “nur” noch Übergewicht. So BMI, da du nun wirklich so überhaupt keine Ahnung von mir und meinem Körper hast, verabschiede ich mich von deiner Diktatur und lebe von nun an mein Leben glücklich mit meinem vermeintlichen Übergewicht, aber ohne dieses BMI-Damoklesschwert, was sich da immer über meinem Kopf befand. Gehab dich wohl, ich werde dich nicht vermissen.