Ich mag schwarz-rot-gold. Schon immer. Nein, nicht ganz. Aber schon eine ganze Weile. Ich glaube für mich war der Wendepunkt als ich in den USA war und Kanada einen Besuch abstattete. Den Patriotismus der USA kannte ich da schon zur Genüge und fand ihn relativ übertrieben, absolut nicht differenziert genug und nicht wirklich nachahmenswert. Und dann stattete ich Kanada einen Besuch ab. Ein Land was um Längen patriotischer ist, wie ich zu meinem eigenen Erstaunen feststellte. Nur dass der Patriotismus irgendwie anders ist. Angenehmer. Bei den USA hatte ich immer das Gefühl, dass diese “USA über alles”-Menatlität vorherrscht. Nur wir sind gut, alle anderen sowieso nur Entwicklungsländer, wenn wir denn deren Existenz überhaupt wahrnehmen. Bei Kanada war das eher “Unser Land ist super, aber andere sind auch nicht schlecht”.
Da erst merkte ich für mich, dass so ein bisschen Patriotismus nicht schlecht ist. Als Deutscher tut man sich traditionell (auf jedem Fall in den Nachkriegsgenerationen) mit Flagge und dem Stolzsein aufs eigene Land recht schwer. Lokalpatriotismus ist einfacher. Den gibt es auch zur Genüge. “Mein Dorf ist der beste Ort der Welt.” Und weil wir das mit dem Patriotismus nicht so kennen, schaut man halt was andere so machen. Dabei kommt man um die Amis nicht drumrum. Staunt und lächelt nachsichtig. Gutfinden tut man das aber nicht, denn das, was die machen ist etwas zu viel für unsere un-patriotischen Gemüter. Und ich dachte, das sein dann automatisch bei allen so. Bis ich es anders erlebte.
Ich finde, wir sind so langsam auf einem guten Weg. Es passiert zwar nur alle zwei Jahre zu EM und WM, aber immerhin. Mittlerweile sind es nicht nur die Fußballfans, die sich schwarz-rot-gold präsentieren, sondern auch alle anderen. Wenn sogar meine Eltern eine fünfmetrige schwarz-rot-goldene Balifahne in den Garten stecken – die mit nur einem Meter war scheinbar nicht gut genug – dann weiß man, dass wirklich fast jeder mitmacht und dahinter steht. Und damit meine ich nicht unbedingt die Fußballmannschaft. 2002 als wir noch bei meinen Eltern wohnten, wollten wir sie bereits davon überzeugen, dass es schon okay ist, eine Flagge an den Balkon zu hängen – immerhin waren wir damals Vize – aber keine Chance.
Ich finde es schön, wenn überall schwarz-rot-goldene Fähnchen, Fahnen und Riesenflaggen wehen. Mir gefällt das. Auch wenn es immer Stänkerer gibt, die sagen, das sähe aus wie ein verkohltes Steak mit Ketchup und Senf. Schade, dass wir beim Fußballturnier rausgeflogen sind. Prinzipiell ist es aber egal, weil wir unseren Spaß hatten. Und nächsten Mal wird es nur noch mehr werden. Und irgendwann, wenn wir dann tatsächlich Weltmeister geworden sind, vielleicht beim nächsten oder übernächsten Mal, dann wird es überhaupt kein Halten mehr geben. Und vielleicht, ganz vielleicht werden wir irgendwann auch anfangen unseren Nationalfeiertag zu feiern.* Da freue ich mich heute schon darauf.
(*Allerdings müsste der bis dahin in den Sommer verlegt werden, denn wer feiert schon gerne im Oktober, wenn es regnet und kalt ist. Wir könnten ihn ja per Bürgerpetition auf das Datum verlegen, an dem wir uns den vierten Stern holen. Da ist wenigstens Sommer und es gibt etwas zu feiern. Ich bereite dann schon mal eine Online-Petition vor.)
