Heute bei der Arbeit.
Die Sekretärin fragt mich: Wo ist eigentlich Ihr Kind, wenn Sie arbeiten? Ich: Zuhause. Bei meiner Frau. Sie: Ach so. – Pause, Pause, Pause – Wo (mit fünf Fragezeichen) ist ihr Kind?
Es ist doch immer gleiche. Wieder und wieder und wieder. Erst kommt der berühmte Überraschungsmoment und nach einer kurzen Pause geht die Konversation ganz normal weiter. Keine Ahnung wie oft ich das mittlerweile schon hatte, aber es wird wohl nie vorbei sein. Die ersten paar Mal ist es noch ein etwas komisches Gefühl, aber irgendwann weiß man, was kommt und es wird zur Routine.
Ich habe das auch immer bei den Bewerbungsgesprächen gleich gesagt. In meinem Lebenslauf steht zwar nichts von Kind und verheiratet – ich finde das hat darin nichts zu suchen, sagt überhaupt nichts über meine Qualifikation aus und wir von mir deshalb nicht erwähnt – aber im Frankfurter Arbeitszeugnis wird der Mutterschaftsurlaub erwähnt. Und deshalb fragt auch logischerweise jeder danach. Können sie von mir aus auch. Und dann kommt eben auch immer die Frage nach der Kinderbetreuung, da das bei Kindern unter 10 Jahren doch ein wichtiges Thema ist. Worauf ich jedes Mal antworte, das Kind ist zuhause mit meiner Frau und somit versorgt. Normalerweise ist dann gut und die Leute geben ihrer Neugierde selten nach. Scheinbar haben alle Angst da dann genauer nachzufragen. Mein jetziger Chef wollte das dann nach dem Gespräch gleich wissen. Wenn ich denn nichts dagegen hätte, ihm zu erzählen wie wir zu unserem Kind gekommen sind und wie lange wir schon zusammen seien etc. Das fand ich mal erfrischend. Putzig auch wie alle dann immer gleich versichern, dass sie damit kein Problem hätten. Mal ganz ehrlich: Das interessiert mich nicht die Bohne. Jemand, der ein Problem damit hat, dass ich zuhause eine Frau und keinen Mann habe, der würde mich auch nicht einstellen. Würde das aber wohl auch nie zugeben, weil ich ihn (oder sie) dann verklagen könnte. Von wegen Diskriminierung und so. Und er wollte übrigens auch wissen, ob ich bzw. wir schon mal irgendwelche negativen Reaktionen unserer Umwelt bekommen hätten. Das kann ich verneinen. Wenn, dann wird das vermutlich nur hinter meinem Rücken gemacht, was ich dann aber auch nicht ernstnehmen kann. Denn wer nicht mal die Courage hat, mir ins Gesicht zu sagen, dass ich ein abartiger Freak bin, den kann ich dann auch nicht für voll nehmen. So ist das also.
Und heute dann die Sekretärin. Wenigstens ist die Firma klein winzig. Da kann nicht mehr arg viel mehr kommen.