Böse Welt

Manchmal komme ich mir vor wie ein böses gemeines Arschgesicht.

Ich musste auf der Arbeit verschiedene Angebote für eine Werbeaktion einholen. Weil wir schon so unsere Favoriten haben, habe ich nur zwei eingeholt. Eines vor Ort und eines, was beim letzten Mal schon qualitativ hochwertig und enorm preisgünstig war. Das Vor-Ort-Angebot war mehr als doppelt so teuer wie das Weiter-Weg-Angebot und wurde deshalb von mir/uns nicht genommen. Der Herr vom Vor-Ort-Angebot rief Freitag bereits an, um sich zu erkundigen, ob uns sein Angebot zugesagt hat. Eigentlich hatten wir uns da schon für den anderen Anbieter entschieden, ich hatte aber keine Lust, mich auf Diskussionen einzulassen und meinte, wir entscheiden uns Montag.

Heute ist Montag. Der Herr vom Vor-Ort-Angebot rief an. In dem Glauben, dass er den Auftrag quasi schon in der  Tasche hat. Einen Moment habe ich mir überlegt, ihn anzulügen und einfach zu sagen, die Aktion wurde abgesagt. Die Ehrlichkeit hat gesiegt und ich habe ihm mitgeteilt, dass wir den Auftrag an jemand anderen vergeben haben. Ich dummes Naivchen ich.

Denn dann ging es los. Dass das doch nicht sein könne, er  hätte uns doch so ein klasse Angebot mit Dumping-Preisen gemacht. Wer ihn denn unterboten hätte bzw. um wieviel. Und als er dann erfuhr, dass das andere Gebot weniger als die Hälfte seines war, da war’s dann endgültig rum. Eine geschlagene Viertelstunde lang hat er mir im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren vollgeheult, dass das doch nicht gehen würde und wenn wir alle nur im Internet und nicht vor Ort einkaufen würden, dann gäbe es bald gar keine Unternehmen mehr. Man müsse doch zusammenhalten, wenn man aus dem gleichen Ort sei. Er kenne den anderen Typen persönlich und der wäre ja nur darauf aus, alle anderen kaputt zu machen. Wieso ich ihn nicht angerufen hätte, man hätte doch reden können. Meine Antwort: Ich könne mir nicht vorstellen, dass er da mithalten kann. Was dann die nächste Tirade auslöste. Und ob der Auftrag denn wirklich schon vergeben sei? Ich könnte den doch noch stornieren, sagen, es wäre ein Versehen und ihm den geben.

Und ich kam mir vor, die das größte Arschloch der Welt. Prinzipiell bin ich auch dafür, Aufträge im gleichen Ort zu vergeben, aber wenn der Preisunterschied so enorm und die Qualität dazu noch besser ist, dann habe ich keine Hemmungen, einen Auftrag anders zu vergeben. Es tut mir Leid, dass es ihm offensichtlich so schlecht geht, dass er um Aufträge betteln muss, aber am Ende ist es nicht mein Problem, wenn er sein Geschäft nicht richtig führt. Die Zeiten sind hart. Für unser Geschäft auch. Andere Unternehmen bekommen die Aufträge oder sie bleiben ganz aus. Das ist eben so. Wir haben auch nichts zu verschenken. Damit muss man klarkommen und nicht seine potentielle Kundschaft vollheulen. Das einzige, was damit bei mir erreicht wurde, ist, dass ich nie wieder dort anfragen werden. Never ever. Das werde ich mir mit Sicherheit nicht noch mal antun. Und trotzdem habe ich mich mies gefühlt. So richtig mies. Der Mann tut mir leid. Meine Entscheidung mache ich deswegen trotzdem nicht rückgängig. Mein Chef würde mir was husten, wenn ich spontan das teurere und qualitativ minderwertigere Produkt wählen würde. Das nennt sich vermutlich natürliche Auslese. Ein komisches Gefühl werde ich die nächsten Tage vermutlich trotzdem haben. Sowas geht mir einfach immer eine Weile nach.

Montag mag mich nicht

Und ich ihn auch nicht. Nicht dass heute etwas besonderes oder besonders schlimmes passiert wäre. Montage sind einfach doof. Ich war die halbe Nacht wach und das mal nicht wegen des Nachwuchses sondern wegen mir. So langsam bekomme ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich irgendeine Lebensmittelunverträglichkeit habe, denn das ist nicht mehr normal. Ich glaube nicht, dass jeder regelmäßig nachts um 3 aufwacht, um die nächste Stunde auf der Toilette zu verbringen. Nun gut, ich werde das mal beobachten. Vielleicht legt sich das auch wieder.

Mein Chef war heute süß. Er läuft mit meinem Urlaubsantrag für Donnerstag und Freitag an mir vorbei und sagt: Aha, da will eine Urlaub, damit sie ein Fernsehstar werden kann. Und grinst vor sich hin. Ich mag den Mann einfach. Ich kann mir schon lebhaft vorstellen wie er gebannt vor der Glotze sitzt, um seine Mitarbeiterin als Eröffnungsgast beim Nachtcafé zu sehen. Aber Fernsehstar ist doch etwas übertrieben.

(Da fällt mir noch was ein. Ich würde mir gerne so ein paar Widgets für die Seitenleiste bauen. Weiß jemand wie ich das mache, ohne Geld für ein Programm auszugeben?)

Das Beste

Das Beste an einem normalen Arbeitstag ist es für mich, Abends nach hause zu kommen. Meistens höre ich von draußen schon wie Squishy drinnen verkündet: Mama home! Dann steht er an der Tür und wenn ich reinkomme umarmt er fest meine Beine und sagt mit dem dicksten Grinsen im Gesicht: Mama home! Darauf freue ich mich jeden Tag und Squishy glaube ich auch.

Morgens fällt es mir manchmal etwas schwer zu gehen, denn ab und zu hat der Kleine so Tage an denen er mit ausgestreckten Armen die Türe blockiert und mich nicht gehen lassen will. Das bricht mir immer fast das Herz obwohl ich natürlich auch weiß, dass alles wieder in Ordnung ist, so bald ich außer Sichtweite bin. Ich glaube, er möchte mir damit einfach nur sagen, dass er mich lieb hat.