Nov
16
2009
2

Böse Welt

Manchmal komme ich mir vor wie ein böses gemeines Arschgesicht.

Ich musste auf der Arbeit verschiedene Angebote für eine Werbeaktion einholen. Weil wir schon so unsere Favoriten haben, habe ich nur zwei eingeholt. Eines vor Ort und eines, was beim letzten Mal schon qualitativ hochwertig und enorm preisgünstig war. Das Vor-Ort-Angebot war mehr als doppelt so teuer wie das Weiter-Weg-Angebot und wurde deshalb von mir/uns nicht genommen. Der Herr vom Vor-Ort-Angebot rief Freitag bereits an, um sich zu erkundigen, ob uns sein Angebot zugesagt hat. Eigentlich hatten wir uns da schon für den anderen Anbieter entschieden, ich hatte aber keine Lust, mich auf Diskussionen einzulassen und meinte, wir entscheiden uns Montag.

Heute ist Montag. Der Herr vom Vor-Ort-Angebot rief an. In dem Glauben, dass er den Auftrag quasi schon in der  Tasche hat. Einen Moment habe ich mir überlegt, ihn anzulügen und einfach zu sagen, die Aktion wurde abgesagt. Die Ehrlichkeit hat gesiegt und ich habe ihm mitgeteilt, dass wir den Auftrag an jemand anderen vergeben haben. Ich dummes Naivchen ich.

Denn dann ging es los. Dass das doch nicht sein könne, er  hätte uns doch so ein klasse Angebot mit Dumping-Preisen gemacht. Wer ihn denn unterboten hätte bzw. um wieviel. Und als er dann erfuhr, dass das andere Gebot weniger als die Hälfte seines war, da war’s dann endgültig rum. Eine geschlagene Viertelstunde lang hat er mir im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren vollgeheult, dass das doch nicht gehen würde und wenn wir alle nur im Internet und nicht vor Ort einkaufen würden, dann gäbe es bald gar keine Unternehmen mehr. Man müsse doch zusammenhalten, wenn man aus dem gleichen Ort sei. Er kenne den anderen Typen persönlich und der wäre ja nur darauf aus, alle anderen kaputt zu machen. Wieso ich ihn nicht angerufen hätte, man hätte doch reden können. Meine Antwort: Ich könne mir nicht vorstellen, dass er da mithalten kann. Was dann die nächste Tirade auslöste. Und ob der Auftrag denn wirklich schon vergeben sei? Ich könnte den doch noch stornieren, sagen, es wäre ein Versehen und ihm den geben.

Und ich kam mir vor, die das größte Arschloch der Welt. Prinzipiell bin ich auch dafür, Aufträge im gleichen Ort zu vergeben, aber wenn der Preisunterschied so enorm und die Qualität dazu noch besser ist, dann habe ich keine Hemmungen, einen Auftrag anders zu vergeben. Es tut mir Leid, dass es ihm offensichtlich so schlecht geht, dass er um Aufträge betteln muss, aber am Ende ist es nicht mein Problem, wenn er sein Geschäft nicht richtig führt. Die Zeiten sind hart. Für unser Geschäft auch. Andere Unternehmen bekommen die Aufträge oder sie bleiben ganz aus. Das ist eben so. Wir haben auch nichts zu verschenken. Damit muss man klarkommen und nicht seine potentielle Kundschaft vollheulen. Das einzige, was damit bei mir erreicht wurde, ist, dass ich nie wieder dort anfragen werden. Never ever. Das werde ich mir mit Sicherheit nicht noch mal antun. Und trotzdem habe ich mich mies gefühlt. So richtig mies. Der Mann tut mir leid. Meine Entscheidung mache ich deswegen trotzdem nicht rückgängig. Mein Chef würde mir was husten, wenn ich spontan das teurere und qualitativ minderwertigere Produkt wählen würde. Das nennt sich vermutlich natürliche Auslese. Ein komisches Gefühl werde ich die nächsten Tage vermutlich trotzdem haben. Sowas geht mir einfach immer eine Weile nach.

Written by Belle in: Alltag, dayjob |
Jul
20
2009
5

Montag mag mich nicht

Und ich ihn auch nicht. Nicht dass heute etwas besonderes oder besonders schlimmes passiert wäre. Montage sind einfach doof. Ich war die halbe Nacht wach und das mal nicht wegen des Nachwuchses sondern wegen mir. So langsam bekomme ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich irgendeine Lebensmittelunverträglichkeit habe, denn das ist nicht mehr normal. Ich glaube nicht, dass jeder regelmäßig nachts um 3 aufwacht, um die nächste Stunde auf der Toilette zu verbringen. Nun gut, ich werde das mal beobachten. Vielleicht legt sich das auch wieder.

Mein Chef war heute süß. Er läuft mit meinem Urlaubsantrag für Donnerstag und Freitag an mir vorbei und sagt: Aha, da will eine Urlaub, damit sie ein Fernsehstar werden kann. Und grinst vor sich hin. Ich mag den Mann einfach. Ich kann mir schon lebhaft vorstellen wie er gebannt vor der Glotze sitzt, um seine Mitarbeiterin als Eröffnungsgast beim Nachtcafé zu sehen. Aber Fernsehstar ist doch etwas übertrieben.

(Da fällt mir noch was ein. Ich würde mir gerne so ein paar Widgets für die Seitenleiste bauen. Weiß jemand wie ich das mache, ohne Geld für ein Programm auszugeben?)

Written by Belle in: Alltag, dayjob |
Mar
31
2009
0

Immer und immer wieder

Heute bei der Arbeit.

Die Sekretärin fragt mich: Wo ist eigentlich Ihr Kind, wenn  Sie arbeiten? Ich: Zuhause. Bei meiner Frau. Sie: Ach so. – Pause, Pause, Pause – Wo (mit fünf Fragezeichen) ist ihr Kind?

Es ist doch immer gleiche. Wieder und wieder und wieder. Erst kommt der berühmte Überraschungsmoment und nach einer kurzen Pause geht die Konversation ganz normal weiter. Keine Ahnung wie oft ich das mittlerweile schon hatte, aber es wird wohl nie vorbei sein. Die ersten paar Mal ist es noch ein etwas komisches Gefühl, aber irgendwann weiß man, was kommt und es wird zur Routine.

Ich habe das auch immer bei den Bewerbungsgesprächen gleich gesagt. In meinem Lebenslauf steht zwar nichts von Kind und verheiratet – ich finde das hat darin nichts zu suchen, sagt überhaupt nichts über meine Qualifikation aus und wir von mir deshalb nicht erwähnt – aber im Frankfurter Arbeitszeugnis wird der Mutterschaftsurlaub erwähnt. Und deshalb fragt auch logischerweise jeder danach. Können sie von mir aus auch. Und dann kommt eben auch immer die Frage nach der Kinderbetreuung, da das bei Kindern unter 10 Jahren doch ein wichtiges Thema ist. Worauf ich jedes Mal antworte, das Kind ist zuhause mit meiner Frau und somit versorgt. Normalerweise ist dann gut und die Leute geben ihrer Neugierde selten nach. Scheinbar haben alle Angst da dann genauer nachzufragen. Mein jetziger Chef wollte das dann nach dem Gespräch gleich wissen. Wenn ich denn nichts dagegen hätte, ihm zu erzählen wie wir zu unserem Kind gekommen sind und wie lange wir schon zusammen seien etc. Das fand ich mal erfrischend. Putzig auch wie alle dann immer gleich versichern, dass sie damit kein Problem hätten. Mal ganz ehrlich: Das interessiert mich nicht die Bohne. Jemand, der ein Problem damit hat, dass ich zuhause eine Frau und keinen Mann habe, der würde mich auch nicht einstellen. Würde das aber wohl auch nie zugeben, weil ich ihn (oder sie) dann verklagen könnte. Von wegen Diskriminierung und so. Und er wollte übrigens auch wissen, ob ich bzw. wir schon mal irgendwelche negativen Reaktionen unserer Umwelt bekommen hätten. Das kann ich verneinen. Wenn, dann wird das vermutlich nur hinter meinem Rücken gemacht, was ich dann aber auch nicht ernstnehmen kann. Denn wer nicht mal die Courage hat, mir ins Gesicht zu sagen, dass ich ein abartiger Freak bin, den kann ich dann auch nicht für voll nehmen. So ist das also.

Und heute dann die Sekretärin. Wenigstens ist die Firma klein winzig. Da kann nicht mehr arg viel mehr kommen.

Written by Belle in: 2 Mamas, Alltag, dayjob |
Mar
26
2009
0

Danke auch

Gestern oder auch schon vorgestern hatte ich ein absolut unglaubliches Telefongespräch. Auf der Arbeit. Mit einem Kunden. Mit dem ich überhaupt vorher noch nie was zu tun hatte. Wie denn auch, ich bin ja erst seit Montag da. Wie dem auch sei. Das Telefon klingelt. Ich nehme ab und melde mich mit: ‘Firma. Nachname. Guten Tag.’ Und da geht es auch gleich los. ‘ Ja, ich habe gehört, Sie haben eine neue Mitarbeiterin.’ ‘Ja, da sind Sie bei mir genau richtig.’ ‘ Gut. Dann passiert da ja mal endlich was. Gott sei Dank. Das kann ja nur besser werden. Also so wie das bisher lief, ging das ja gar nicht.’ Und textet mich weiter zu. Schlussendlich hatte er dann eigentlich angerufen, um den Chef zu sprechen. Aber das war echt mal der Hammer. Ruft an, sagt nicht mal seinen Namen und herrscht mich gleich an, dass das ja so nicht weitergehen könnte und so weiter und so fort. Von dem mal abgesehen, dass ich überhaupt nicht zu Wort kam. Sowas ist mir auch noch nie passiert. Ich war erst mal ein bisschen sprachlos. Leute gibt es da draußen. Aber es scheint so als ob mein Vorgänger wirklich nicht viel getaugt hat. Krass sowas.

Written by Belle in: dayjob |

Theme: TheBuckmaker.com Magazine Style WordPress Themes | Drupal Hosting, Low Budget Hosting