Meine Frau der Vater

Ich durfte heute endliche die neue Geburtsurkunde von Miss Gigi abholen. Die auf der ich nicht mehr nur alleine auf weiter Flur stehe, sondern wo auch die zweite Mama ein Plätzchen bekommen hat und mir nun Gesellschaft leistet. Heute früh rief ich extra nochmals auf dem Standesamt an, um sicherzugehen, dass die neue Version auch fertig ist und ich nicht umsonst in die Stadt fahre. Zwar hatte die nette Sachbearbeiterin mir das bereits zugesagt, aber bei Ämtern weiß man ja nie.

Dieses Mal dachte ich sogar vorher daran, mir Bargeld zu besorgen, sowas führe ich nämlich normalerweise nicht mit mir, ich fand das Zimmer gleich – das Standesamt in Freiburg ist etwas merkwürdig angelegt und der Weg führt an der Touristeninformation vorbei, durch eine unscheinbare Hintertür zu endlosen Gängen im nächsten Gebäude. Etwas gewöhnungsbedürftig das ganze. Wie dem auch sei, ich begebe mich ins Kassenzimmer oder wie das heißt, sage der etwas älteren, resoluten Dame meinen Namen und mein Anliegen. Und Wunder über Wunder sie findet auch gleich die gewünschten Geburtsurkunden. Wunderfitizig wie ich bin, werfe ich natürlich gleich einen Blick über den Tresen, um schon mal abzuchecken, ob sie auch das richtige vorliegen hat und kriege beim Anblick der Urkunde schier einen Herzinfarkt. Name des Kindes – richtig – Mutter – mein Name, auch richtig – Vater – Name meiner Frau… Bitte was? VATER??? Mir sind sämtliche Gesichtszüge entgleist und ich dachte nur: Scheiße, scheiße, scheiße. Wieso passiert sowas immer mir? Kann nicht ein einziges Mal etwas einfach nur problemlos glattlaufen? Noch als die Dame hinterm Tresen mir mitteilte, dass sie jetzt gerne 24 Euro von mir hätte, enfuhr mir schon ein ziemlich entrüstetes: Das ist falsch! Da muss ich mich gleich beschweren! Wo finde ich denn die Frau Feig (Zuständige Sachbearbeiterin; Namen von der Redaktion geändert)? Sie schaut mich richtig gehend entsetzt an und ist überraschenderweise noch entrüsteter als ich: Was ist denn daran bitte falsch? Es gibt nur eine offizielle Geburtsurkunde. Die sehen alle so aus. Mir auch klar. Aber ich hätte gerne die Eltern- und nicht die Vater-Mutter-Version. Sie war aber wirklich resolut und hat das gleich mit Frau Feig abgeklärt – hinter verschlossenen Türen selbstverständlich, während ich auf dem Flur warten durfte. Frau Feig ist auch wirklich kompetent und konnte das gleich klären. Sie hat nur den Auftrag zum Druck der Urkunde gegeben und der zuständige Kollege (oder Kollegin, wer weiß) hat vergessen, ein Häkchen zu setzen und so bekam ich eben die Vater-Mutter-Version.

Ich muss dem Standesamt aber wirklich zugute halten, dass ich keine 10 Minuten später meine zwei richtigen Geburtsurkunden in der Eltern-Version in den Händen hielt. Irgendwie hatte ich schon befürchtet, dass ich jetzt wieder eine Woche warten durfte bis die langsam mahlenden Mühlen der Beamtenschaft mir die richtige Version ausstellen würden.

Da bin ich nochmal ganz knapp an einem Herzinfarkt vorbei geschrammt. Ich war innerhalb von 2 Sekunden bereits sowas von auf 180 und das passiert bei mir echt selten. Ich glaube bei dieser ganzen Stiefkindadoptionssache bin ich mittlerweile echt ein bisschen empfindlich geworden. Aber mit der Ausstellung der neuen Urkunden ist dieses Kapitel nun auch endgültig abgehakt. Von dem mal abgesehen reicht es mir so langsam auch wirklich.

4 thoughts on “Meine Frau der Vater

  1. öhm, ich bin ganz erstaunt, dass die so flexibel sind, das standardmässige “vater” überhaupt austauschen zu können… keine ahnung, ob das hier möglich wäre. wobei ich nicht mal weiss, ob bei uns eine stiefkindadoption möglich ist. muss mich mal schlau machen…

    • Ich glaube in der Schweiz gibt es die Stiefkindadoption auch gar nicht.
      Als Squishy 2006 geboren wurde, gab es standardmäßig nur die Variante Eltern. Dann wurde das geändert und es gab nur noch Mutter und Vater oder Mutter und Lebenspartnerin der Mutter. Weil das aber absolut inakzeptabel ist, wurde das vom LSVD angefochten und ich glaube seit 2010 gibt es wieder die Variante mit Eltern.

  2. *würgs* immer das Gleiche. Weil wir keine Lust mehr auf Diskussionen mit dem Standesamt in Freiburg hatten, haben wir bisher keine neue Geburtsurkunde angefordert. Auf unserer steht noch immer Lebenspartnerin der Mutter *doppelwürgs*, auch wenn das eine erfreuliche Tatsache ist, spielt es keine Rolle im Verhältnis des Kindes zu mir. Naja, vielleicht sollten wir vor dem Umzug nochmal ne neue beantragen, wenn das jetzt mit Eltern geht. Warum in Gottes Namen kann man eigentlich nicht Mutter und Mutter schreiben, das wäre doch auch eine Tatsache, die einfach richtig ist und viel schöner aussieht! Oder wir machen es wie in Kanada, es dürfen auch mehr als zwei Menschen sich für eine Kind gesetzlich verantwortlich fühlen, dann wäre einfach grundsätzlich Eltern gut und richtig!
    Aber schön, dass ihr jetzt das richtige Exemplar habt! :-)

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