Der war im März. Am allerlezten Tag des Monats. Wie immer war nicht klar, ob das denn nun überhaupt klappt, denn bei unserem Spender hatte sich bereits jemand anders angemeldet. Nun ja, der Fertilitätsmonitor zeigte einen Eisprung an und wir hätten gerne einen Versuch gewagt. Und auf nochmalige Nachfrage gab’s dann das okay, denn wer auch immer sich angemeldet hatte, hatte kurzerhand abgesagt. Gut für uns. Schlecht für mich war nur, dass es ein Wochentag war, ich arbeiten musste und spontan keinen Urlaub nehmen konnte, weil meine Kollegin nicht da war. Also doch absagen? Aber wenn ich jedes Mal wegen so Pipifax abgesagt hätte, dann wären wir in fünf Jahren noch nicht am Ziel. Und schließlich sind wir kreativ und bringen es auch fertig ein komplettes Sofa mit dem Brotmesser zu zersägen. (Kein Scherz. Das haben wir tatsächlich mal gemacht.) Also kurzentschlossen Übernachtungsköfferchen gepackt, Jane – unser Navi – eingetütet und den Entschluss gefasst, nach der Arbeit mal schnell alleine fünf Stunden in die Niederlande zu fahren, zu inseminieren, kurz zu schlafen und dann so zurückzufahren, dass ich pünktlich um 8.30 Uhr am nächsten Morgen am Schreibtisch sitzen würde.
Das ging auch ganz gut, nee, wenn ich es mir genau überlege fing es schon auf der Hinfahrt an. Jane verweigerte den Dienst. Ich hab’s ums Verrecken nicht fertiggebracht dieses bescheuerte Navi anzumachen. Also wieder an der nächsten Autobahnraststätte – ich war noch nicht mal eine halbe Stunde von zuhause weg – raus, panisch Cerah antelefoniert, die mir Anweisungen gab wie ich Jane zur Kooperation bewegen könnte. Ging aber trotzdem nicht. Im Endeffekt bekam ich dann grobe Anweisungen, welche Autobahnen ich nehmen musste, denn eigentlich kenne ich den Weg auch schon mehr oder weniger im Schlaf. Aber eben nur mehr oder weniger und nicht perfekt.
Kurz vor Mitternacht kam ich dann in Maastricht an und war da schon fix und alle. So lange Strecken mit einem Auto zu fahren bei dem man nie weiß, ob es nicht unterwegs den Geist aufgibt oder nicht, ist das noch viel stressiger als wenn man völlig entspannt fahren kann. Und ich kann mir wahrhaft besseres vorstellen als irgendwo bei Koblenz auf der Autobahn zu stranden. Aber was soll’s, manche Dinge muss man sich scheinbar einfach verdienen.
Zum Glück haben wir einen wirklich, wirklich wunderbaren Spender, der auch so ziemlich jede ungewöhnliche bis bescheuerte Aktion mitmacht. Da fällt mir spontan noch die Becherübergabe auf dem Parkplatz seines Arbeitsplatzes ein. Gab’s auch schon.
Dieses Mal also mitten in der Nacht. Ich wurde noch kurz in die Bedienung der Kaffeemaschine eingewiesen, denn ich wollte um kurz nach 3 schon wieder los. Schließlich musste ich ins Büro. Also schnelle Becherübergabe, Insemination und versuchen ein paar kurze Stunden Schlaf im Gästezimmer zu bekommen.
Um 3.30 Uhr war ich dann wieder auf dem Heimweg. Müde, aber froh, wenigstens die Chance zu haben, schwanger zu werden, wie klein sie auch war.
Kurz nach der deutschen Grenze fuhr dann auf einmal ein Auto ganz dicht hinter mir und drängelte und drängelte. Ich hab mich schon gewundert, was das denn für ein Arsch ist zu so nachtschlafender Zeit, bis der Arsch sich als Polizeiwagen entpuppte, der mich rechts rüber und von der Autobahn lotste. Ganz wunderbar. Genau das, was ich um 4 Uhr morgens dringend brauchte. Sie hießen mich dann auf eine Verkehrsinsel fahren, anhalten und das Fenster runterkurbeln. “Führerschein, Personalausweis und Fahrzeugpapiere bitte.” Hatte ich natürlich alles. Und während der eine zum Wagen ging, um mich im Computer abzuchecken, fragte mich der andere, was ich in den Niederlanden gemacht hätte. Und was bitte antwortet man da? Ich war schnell mal Drogen kaufen? Meine Antwort: Das ist jetzt irgendwie schon so ein bisschen peinlich. Ich war bei meinem Samenspender. Und der schaut mich völlig ausdrucklos an. Und schaut. Und schaut. Dann kommt sein Kollege zurück. Ich darf aussteigen und der fängt an, mein Auto zu filzen. So von wegen Kofferraum und Motorhaube auf, sämtliche Türen, Handschuhfach etc. Ich stand da in eisiger Kälte, es war immerhin erst Ende März, in der Dunkelheit und schlotterte vor mich hin. Der andere Polizist stand zwei Meter neben mir und war nicht mal des Smalltalks mächtig. Irgendwann kam der andere dann wieder zurück und meinte, dass ich wohl die Wahrheit gesagt hätte, gab mir meinen Papierkram zurück und ließ mich weiterfahren. Ich meine, mich erinnern zu können, dass er mich noch fragte, ob keine Angst hätte, so alleine mitten in der Nacht. An meine Antwort kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern.
Der Rest der Fahrt verlief ziemlich ereignislos, das einzig schöne war der Sonnenaufgang und ich war tatsächlich kurz nach 8.30 Uhr im Büro.
Der letzte Versuch war dann ählnlich interessant und planlos. Aber das erzähle ich später mal.
Janes Problem war übrigens, dass der Adapter für den Zigarettenanzünder auseinanderfiel, als ich ihn das erste Mal da reinsteckte. Technisch unbegabt wie ich bin, hatte ich das nicht mal gemerkt. Aber ohne Storm funktioniert auch das beste Navi nicht…