Jan
29
2010
2

Vielleicht

Mein Opa leidet an Demenz. Eine ganze Weile schon. Es dauerte nur bis klar war, dass das nicht nur Altersvergesslichkeit ist.

Wirklich viel weiß ich nicht von ihm. Obwohl ich fast mein ganzes Leben lang – die ersten 24 davon auf jeden Fall – mit ihm in einem Haus gewohnt habe. Das einzige Mal als er öfter etwas persönliches von sich und von früher erzählt hat war, als meine Oma vor ein paar Jahren gestorben ist. Ansonsten waren immer eigentlich nur die Nachrichten oder was gerade im Ort und in der Umgebung passiert ist oder wer in der Familie was gemacht hat Thema. Über ihn habe ich nie wirklich viel erfahren. Und jetzt ist es dazu wohl zu spät. Denn je mehr er vergisst, desto stiller wird er und desto weniger sagt er. Von dem mal abgesehen, dass es mittlerweile wohl recht schwierig ist festzustellen, was wahr ist und was davon nur in seiner Welt wirklich passiert ist.

Ich weiß, dass er als Kind mit seinem Bruder um Essen betteln musste. Arbeit in den Reben im Austausch gegen ein Stück Brot. Und dass er das nie wieder machen wollte. Er hatte eine kleine Schwester, die immer mit ihm rechnen wollte und sehr von Zahlen begeistert war. Dass er sehr traurig war als sie starb. Noch als Kind. Woran weiß ich nicht. Als er meine Oma heiraten wollte, war sie noch nicht volljährig und er musste zu ihrer leiblichen Mutter nach Straßburg und eine Unterschrift einholen. Die Mutter meiner Oma war wohl eine sehr große, beleibte und furchteinflößende Frau. Geld war ihm immer sehr wichtig. Er hat immer viel gearbeitet, sein Geld angelegt und immer akribisch die Aktienkurse studiert. Sein Traum war Amerika. Weil man da so viel mehr Geld bekam als bei uns. Wenn man die verdienten Dollar in DM umrechnete, war das immer sehr viel Geld. Und sein Traumauto war ein Mercedes, den er sich lange nicht leisten konnte. Und als es dann soweit war, hat er gezögert, ob er denn nun wirklich so viel Geld für ein Auto ausgeben soll.

Heute steht der große Mercedes in der Garage. Fahren lassen kann man ihn nicht mehr, weil er nicht mehr weiß wie das geht und wo er überhaupt hinfahren soll.

Demenz ist teilweise erblich bedingt. Was für mich heißt, dass ich vorbelastet bin. Wenn auch nur von einer Seite. Und um ehrlich zu sein, bin ich mir heute schon ziemlich sicher, dass ich mich damit in der Zukunft rumschlagen muss.

Vielleicht werde ich deshalb hier eher meine Kindsheiterinnerungen niederschreiben. So lange ich mich noch daran erinnern kann. Das wird vermutlich noch eine ganze Weile sein, aber schaden kann es nicht. Und vielleicht werde ich mir im hohen Alter einmal dafür dankbar sein. Oder meine Angehörigen.

Written by Belle in: Vergangenheit |
Jan
09
2010
9

Bloggen

Bloggen ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Woher das stammt, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass es wahr ist. Bisher war ich eigentlich immer ganz gut dabei, ich habe gerne und relativ viel geschrieben, aber im Moment ist einfach die Luft raus. Bei mir, beim Blog, bei allem. Schade eigentlich. Ich bin mir sicher, dass das irgendwann auch mal wieder besser wird, aber im Moment lass ich es lieber.

Written by Belle in: Blogzeug |
Jan
08
2010
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Kindergarten

Als mich neulich Squishys Gotti (Patin) fragte, wie es denn jetzt so im Kindergarten ist, fiel mir auf, dass ich dazu gar nichts mehr geschrieben habe. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten ist nun alles gut und meistens geht er gerne hin. Manchmal möchte er gerne hingehen, wenn der Kindergarten gar nicht auf hat und manchmal möchte er morgens lieber zuhause bleiben. Aber es gibt keine Tränen mehr, neulich hat er uns sogar erzählt, dass er seine Erzieherinnen liebt. “Squishy loves teachers!” Ich denke, es wäre von Anfang an einfacher gewesen, wenn er denn da nicht bereits an dieser dämlichen Mittelohrentzündung rumgemacht hätte. Denn wenn es mir nicht gut geht, kann man mit den tollsten Sachen locken und ich werde trotzdem alles doof finden. Wir sind froh, dass er sich so gut eingewöhnt hat und harren nun der Dinge, die da kommen.

Was ich daran nicht mag, ist, dass ich nicht wirklich weiß, was er da den ganzen Morgen so macht. Die Erzieherinnen erzählen einem nicht wirklich viel und Squishy selber auch nicht. Aber Hauptsache es gefällt ihm und er geht gerne hin. So ein bisschen Fortschritt im sprachlichen Bereich haben wir auch bereits bemerkt. Es ist mir inzwischen manchmal erlaubt, mit ihm Deutsch zu sprechen, ohne dass er einen Schreianfall bekommt. Aber nur manchmal. Vor Kindergarten-Zeiten war das überhaupt nicht möglich. Ist doch immerhin schon mal was.

Ein komisches Gefühl ist es, Urlaub zu haben und das Kind morgens für ein paar Stunden im Kindergarten abzuliefern. Dann ist es zuhause ganz ungewohnt still und man kann sogar aufräumen, ohne dass zwei Sekunden später alles wieder so chaotisch aussieht, wie am Anfang der Aktion. Und man kann seinen virtuelle Farmville Bauernhof  bearbeiten, ohne dass man gezwungen wird, Kürbisse anzupflanzen, die aus unererklärlichen Gründen immer angebaut werden müssen, wenn das Kind neben/auf einem sitzt.

Zum Glück hat aber eben jenes Kind auf Weihnachten seinen eigenen “Puter” geschenkt bekommen, so ein Kinder-Lern-Spiele-Laptop-Dingens, womit es sich dann ganz stolz neben Mommys MacBook setzt und einem verbietet, auf seiner Tastatur rumzudrücken. Ob er das wohl ständig zu hören bekommt, weil er seine kleinen, klebrigen Griffel nicht von der Tastatur des echten “Puters” fernhalten kann?

Und so genießen wir hier die letzten Ferien-/Urlaubstage bevor am Montag der ganz normale Wahnsinn wieder losgeht. Ich gehe dann wieder arbeiten und Cerahs sämtliche ehrenamtliche Pfa.dfin.der-Aktionen beginnen dann auch wieder. Ich hätte ja die letzten paar Tage gerne so richtig viel Schnee gehabt, das gehört irgendwie zum Weihnachtsurlaub, aber bei uns sieht es nicht mal nach Puderzucker aus, so wenig liegt hier. In Sachen Schnee ist es echt ungünstig, in der wärmsten Gegend Deutschlands zu leben, denn da tut sich nun wirklich nicht viel. Aber wenigstens ist es kalt und das finde ich im Moment schon ganz super. Um Schnee zu sehen, müssen wir dann eben in den Schwarzwald fahren. Ist ja auch nicht so weit. Und bis dahin tuen wir eben so als ob diese zwei Krümel Schnee für eine zauberhafte Winterlandschaft sorgen würden. Wir sind ja kreativ.

PS: Aus dem letzten Buch 2009 wurde tatsächlich das erste Buch 2010. Schön war’s. Und mein erstes lesbisch angehauchtes Buch seit langem.

Written by Belle in: Alltag, Das Kind, Geschwätz, Regenbogenfamilie |
Jan
06
2010
6

Bettgeflüster

Einmal im Jahr ist es kalt genug, um unsere dicke Canada-Bettwäsche aufzuziehen. Gerade jetzt ist das der Fall. Kuschelige Biber-Bettwäsche mit einer Seite Fleece. Die Bettwäsche ist teilweise selbst zusammengezimmert, weil die kanadischen Bettmaße nicht mit unseren übereinstimmern. Schade, aber kein Weltuntergang.

Bei dieser Gelegenheit fällt mir dann immer wieder auf, wie unterschiedlich wir unser Schlafzimmer nutzen im Gegensatz dazu wie ich das als Kind kennengelernt habe. Bei uns zuhause war und ist das Elternschlafzimmer eine Eisbox, die nur zum Schlafen und zum Umziehen benutzt wird. Die Türe ist immer zu, die Betten sind gemacht.

Dann im Gegensatz dazu unser Schlafzimmer: Türe immer offen, Betten nie gemacht, gerne befindet sich mal ein Kind, mal eine Mama darin. Es wird gespielt, rumgehangen, getobt, sich unterhalten, gelesen und Blödsinn gemacht. Im Grunde genommen ist unser Schlafzimmer eine Erweiterung des Wohnzimmers. Alleine schon der Versuch, die Betten zu machen scheitert daran, dass eine gewisse, knapp einen Meter große Person genau in diesem Moment unbedingt unter den Bettdecken Verstecken spielen muss. Von dem mal abgesehen hält das auch sonst nicht lange. Schlimm finde ich das nicht, das ist eben so, wenn ein Schlafzimmer nicht nur zum Schlafen benutzt wird.

Es war mir auch schon immer klar, dass das später, wenn ich mal groß bin – was also jetzt der Fall ist – nicht so sein wird wie bei meinen Eltern. Dazu habe ich einfach schon immer viel zu viel Zeit im Bett verbracht. Immerhin eignet es sich bestens, um darin Fernseh zu schauen, zu lesen, zu telefonieren, Hausaufgaben zu machen und einfach nur zum Entspannen. Quasi ein Sofa im Kinderzimmer. Und was man einmal anfängt, hört man selten wieder auf. Deshalb ist auch heute noch das Bett ein Zweit-Sofa.

Written by Belle in: Alltag, Fotos |

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