Einfacher und schwieriger
Es gibt so Dinge von denen man als Eltern gewisse Vorstellungen hat. Das fängt an bei Schwangerschaft und Geburt, geht weiter beim Stillen und zieht sich so das ganze Leben durch. Manche Sachen erweisen sich dann als wesentlich einfacher oder schwieriger als erwartet oder aber einfach als ganz anders, als man sich das so vorgestellt hat.
Schwangerschaft und Geburt zum Beispiel habe ich mir gar nicht vorgestellt. Denn alles was ich bis zu meiner eigenen Erfahrung davon wußte, schien mir alles so wischiwaschi bzw. zu ungenau als das ich mir davon eine Vorstellung machen konnte. Und ganz ehrlich gesagt, hat es mich auch Null interessiert, bis ich da selber drin steckte.
Und dann kam das Stillen. Viel gepriesen als gar wunderbares, herrliches Erlebnis, worauf man keinesfalls verzichten sollte, bindungsfördernd und das Beste überhaupt. Oder eben auch nicht. Ich fand es nicht schlimm, ich fand es nicht gut. Das war für mich einfach etwas was man halt so macht. Von dem mal abgesehen, dass es billiger und bequemer war als Fertigmilch zu kaufen und zuzubereiten. Als ich dann nach fünf Monaten abstillte tat mir das kein bisschen leid. Einzig der Gedanke, dass ich nun nicht mehr zum Überleben notwendig war, es gab ja die Folgemilch, fand ich etwas traurig.
Das Entschnullern? Schwierig vorgestellt, war aber sowas von überhaupt kein Problem.
Das Trockenwerden? Habe ich mir als langwierigen Prozess mit vielen Rückschlägen vorgestellt. Und das war dann in der Praxis so einfach und problemlos, dass es fast schon unheimlich war.
Kindergartenanfang? Habe ich irgendwie ziemlich einfach und unkompliziert vorgestellt. Entpuppt sich im Moment allerdings etwas anstrengender als ich dachte.
Die erste Woche war okay. Dann war Squishy krank und am Montag muss wohl irgendwas im Kindergarten vorgefallen. Was genau wissen wir nicht. Aber seitdem mag er nicht mehr hingehen und wenn Cerah gehen möchte, klammert er sich an sie und weint zum Gotterbarmen. Zwar beruhigt er sich relativ schnell wieder, wenn sie dann weg ist. Aber doof ist es trotzdem und bereitet ein mulmiges Gefühl, das Kind in diesem Zustand zurückzulassen. Wir haben ihn nie weinen lassen, weder als Baby noch jetzt. Und wenn ich es wäre, die ihn hinbringt, dann würde ich vermutlich den ganzen Morgen da sitzen bleiben, weil ich es nicht übers Herz bringe wegzugehen, wenn er weint. In dieser Hinsicht bin ich die totale Glucke und wirklich froh, dass Cerah das macht. Ich habe das Gefühl, sie kann wesentlich besser einschätzen, ob es okay ist zu gehen oder ob er wirklich einen Panikanfall hat. Seit Dienstag ist es jetzt wieder besser geworden, aber so richtig toll ist es immer noch nicht. Es hilft auch nicht wirklich, dass er im Moment bis zu fünf Mal die Nacht wach ist und deshalb morgens so müde, dass man den Tag eigentlich gleich vergessen kann. Nie hätte ich gedacht, dass die Umstellung und Einstellung auf den Kindergarten so schwer sein würde.
Natürlich schaffen wir das und ich bin mir sicher, in zwei Monten werden wir zurückblicken und uns wundern wie er jemals nicht gerne in den Kindergarten gehen konnte. Schließlich ist er nicht das erste und nicht das letzte Kind, was in den Kindergarten kommt. Nur im Moment ist es eben ein bisschen schwerer. Wie heißt es doch so schön: Aller Anfang ist schwer. Wie schön, dass solch altkluge Weisheiten doch irgendwie immer der Wahrheit entsprechen. Wenigstens darauf kann man sich verlassen.



