Überfluß
Als Mr. Squishy frisch auf der Welt war, war ich enttäuscht. Irgendwie hatte ich das anders in Erinnerung. Erstens mal wesentlich anstrengender, aber nach Drillingen war das auch zu erwarten. Da wären mir vermutlich auch Zwillinge wie die Entspannung pur vorgekommen. Aber hauptsächlich hatte ich mir das kuscheliger vorgestellt. Klar hat man mit so einem kleinen Putzel viel Körperkontakt und trägt ihn rum und kuschelt ihn und schaukelt ihn. Aber das ist nicht das, was ich in Erinnerung hatte. Ich erinnerte mich an Umarmungen und Kinderarme, die sich um einen schlingen und fast erwürgen, an feuchte Küsse und klebrige Hände in der eigenen Hand. Und von so einem kleinen Babylein kommt sowas halt nicht. Was ja irgendwie auch logisch ist, schließlich kann das arme Ding grad mal noch gar nichts alleine. Nur in meiner Stilldemenz und dem Post-Schwangerschaftshormonrausch kam ich überhaupt nicht auf den Gedanken, dass all diese Dinge von einem Neugeborenen doch etwas zu viel verlangt sind. Erst als ich dann meiner Frau mitteilte, dass mir das fehlt, konnte sie mich aus meiner geistigen Umnachtung befreien und hat mich vertröstet, dass ich das in zwei, drei Jahren alles im Überfluß bekommen würde.
Wie recht sie doch hatte. All das bekomme ich jetzt und noch viel mehr. Nächtliche Kuschelbesuche im Bett. Einschlafrituale, die ohne kuscheln nicht vorstellbar sind. Die Unmöglichkeit sich auf dem Sofa niederzulassen, ohne gleich als Kissen, Sofa oder Trampolin benutzt zu werden. Die kleine, warme Kinderhand, die beim Spazierengehen immer eine Hand in Beschlag nimmt. Die feuchten Küsse und die “Love you Mama”s, alles im Überfluß da. Bis es dann irgendwann peinlich wird. Aber bis dahin haben wir ja noch zwei, drei Jahre. Und hey, ich bin deine Mutter, Junge. Wenn ich dich knuddeln will, dann werd ich das auch machen. Egal, wie uncool er das auch finden mag.

