Wieder was gelernt

Wenn ich morgens kurz mit dem Hund rausgehe treffe ich meistens Mary mit ihrem Herrchen. Das ist ein älterer Herr, der auch etwas langsam zu Fuß ist mit seinem Hund, einem Labrador-Schäferhund-Mix, der bzw. die auch schon etwas älter und eher rundlich ist. Die zwei Hunde müssen sich dann immer beschnüffeln und Mia hüpft wie bescheuert um die behäbige Mary drumrum. Und während die Hund da so ihr Ding machen, bemühe ich mich immer etwas Smalltalk mit dem Herrchen zu halten. Meistens nur so blablabla wie: Es ist nass heute früh oder wahlweise kalt oder warm oder schwül oder Gott weiß was. Aber manchmal sind auch richtige Juwelen dabei. Heute früh (oder dann halt gestern, weil ich das heute schreibe und heute morgen dann gestern ist) wollte er von mir wissen, ob ich denke, dass es heute noch regnen wird. Und weil ich mich nicht festlegen wollte – woher soll ich denn wissen, wie das Wetter wird? – hat er mich mit einer Bauernregel im breitesten Dialekt beehrt. Und zwar ging die so:

Morgärod, middags im Dräck schdohdt.

Guter Punkt und so daneben lag er damit im Rückblick gar nicht mal. Für alle, die nicht wissen, was er mir damit sagen wollte, hier die Übersetzung: Morgenrot, mittags im Dreck stehst. Was so viel heißen soll wie, wenn man morgens das Morgenrot sieht, dann steht man mittags im Dreck, weil es geregnet hat. Und siehe da: kurz nach 14 Uhr hat es tatsächlich angefangen zu regnen und ich habe wieder einen schlauen Spruch gelernt, den ich bei sämtlichen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten unters Volk bringen kann.