Sprunghaft

Die Entwicklung eines Kindes verläuft bei weitem nicht linear. Mal passiert ganz lange überhaupt nichts und dann auf einmal geht’s wieder Schlag auf Schlag. Und manchmal sind es nur kleine Dinge, die aber dafür umso bedeutender sind.

Sohnemann hat eine Vorliebe für das Wasser, was sich immer bei Mama auf dem Nachttisch befindet. Eine Flasche feinstes, französiches Volvic-Wasser. Die wird von mir eigentlich nur nachts getrunken, von Sohnemann wenn’s ihm gerade einfällt und von Mommy, wenn’s ihr danach ist. Diese Woche stand die Flasche irgendwann auf dem Esszimmertisch und war leer. Auf Mommys Frage, ob denn noch welches bei Mamas Bett stünde, ging Squishynachschauen und kam mit der Botschaft zurück: Water all gone. Need go downstairs in basement. Get new one. Also schlug Mommy ihm vor, er könne ja nach unten in den Keller gehen und eine neue Flasche Wasser holen. Das fand er auch gleich ganz super. Dazu muss man aber anmerken, dass er eigentlich nur mit Mama oder Mommy in den Keller geht. Dort hilft er dann beim Wäschewaschen, Sachen aus der Gefriertruhe und eben Wasser holen.

Also stiefelte er los, die Treppe runter. Den ersten Absatz runter an der Nachbarstür mit den vielen verlockenden Spielzeugautos vorbei. Pause. Den zweiten Absatz runter. Ein zaghaftes Mommy ist zu vernehmen, dann den ganzen Weg wieder hoch, um Bericht zu erstatten. Too dark downstairs in basement. Woraufhin Mommy ihm erklärt, dass das kein Problem ist, schließlich gibt es da unten ja auch Licht. Er solle es einfach anmachen, denn wo sämtliche Lichtschalter sind, weiß er schon seit einer Ewigkeit. Einleuchtend und überzeugend.

Sohn macht sich wieder auf den Weg. Aus der Wohnungstüre raus, den ersten Absatz runter an der Nachbarstür mit den vielen verlockenden Spielzeugautos vorbei. Pause. Den zweiten Absatz runter. Pause. Ruhe. Gekruschel. Noch mehr Ruhe. Wenig später. Strahlendes Kind mit engumschlungener Wasserflasche in der Wohnungstür. Türe schließen. Wasserflasche mit einem glückseligen Lächeln auf dem Esszimmertisch platzieren. Und dann musste er sich selbst erst Mal eine Runde Applaus spenden. Die hat er sich aber auch redlich verdient.

Selbst als ich knapp zwei Stunden später nachhause kam, war er immer noch bestens gelaunt und musste mir gleich von seiner Heldentat berichten. So ein Erfolgserlebnis ist doch immer noch der beste Garant für gute Laune und schon in jungen Jahren eine gute Anti-Drogen-Präventionsmaßnahme. Denn wer sich selbst und seinen Fähigkeiten vertrauen kann, muss nicht später irgendwo anders Bestätigung suchen.

(Erinnert mich in 10 Jahren, wenn das Pubertieren anfängt nochmal dran. Mal schauen wie ich da dann darüber denke.)