Was mir aufgefallen ist

Nachdem ich nun endlich auch wenigstens mal die Zusammenfassung der BMJ-Studie (klick hier) gelesen habe, an der wir damals auch teilgenommen haben, sind mir dabei zwei Dinge ins Auge gefallen. Beide bei “Das tägliche Coming-Out und soziale Diskriminierungen” zu finden.

Wenn Diskriminierungserfahrungen vorliegen, handelt es sich überwiegend um Hänseleien oder Beschimpfungen durch Gleichaltrige.

Das ist dann genau das, wovor alle Eltern Angst haben. Denn genau in diesem Umfeld kann man sein Kind nicht beschützen. Interessanterweise ist das auch einer der wenigen Punkte, bei denen Cerah und ich andere Einstellungen haben. Während sie sich über dieses Thema bereits Gedanken machte und versuchte abzuwägen, ob das fair sei unserzukünftiges Kind dem auszusetzen, bevor wir überhaupt jemals schwanger waren, habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Jedes Kind wird an irgendeinem Punkt in seinem Schulleben Zielscheibe solcher Hänseleien. Manche mehr, manche weniger. Egal aus welchem Grund. Ich kann mich an so ziemlich jeden einzelnen negativen Vorfall in meinem Schulleben erinnern, bei dem ich das Opfer war. Zu meinem großen Glück waren das nicht viele, aber vergessen werde ich sie trotzdem nicht. Erspart bleibt das wohl keinem. Wenn es dann halt wegen der zwei Mamas sein muss, gut soll es halt sein. ABER ich bin ein absoluter Befürworter von Dann-hau-dem-eine-in-die-Fresse (ups, hab ich das grad gesagt?). Nein, im Ernst. Geschlagen wird natürlich nicht und ich bin jetzt schon froh, dass ich in solchen Momenten meine Pädagogin an der Seite habe, die sicher auch irgendwelche sinnvollen und erstaunlich guten Lösungsvorschläge auf Lager haben wird. Und hoffentlich wird unser Sohn auch genug Vertrauen in uns haben, dass er uns das sagt, denn wie sollen wir ihm sonst helfen?

Das Zweite war diese Aussage:

Dennoch hat jede(r) zweite lesbische Mutter oder schwuler Vater in ihrem Leben schon mal irgendeine Form von Ablehnung gegenüber ihrer Lebensweise erleben müssen: Spitzenreiter sind hier leider die eigenen Eltern.

Das macht mich wirklich traurig und ist für mich unverständlich, weil ich einfach nicht verstehen kann, wo das Problem liegt. Wenn ich an mein eigenes Kind denke, dann möchte ich, dass er glücklich ist mit seinem Leben. Dass er Liebe und Zufriedenheit findet. Und wenn die Liebe seines Lebens eben ein Mann ist, dann ist das so. Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, wie man das Leben seiner Kinder so zur Hölle machen kann. Denn egal wie man es dreht und wendet, die Eltern sind immer das Sicherheitsnetz für die Kinder. Die Adresse an der sie zuerst nach Anerkennung und Liebe suchen und bei weitem der größte Einfluss im Leben eines Kindes. Auch wenn das Kind erwachsen ist. Und in dieser Hinsicht sind die Eltern in einer Regenbogenfamilie unschlagbar.

Der Rest der Studie war keine große Überraschung, sondern hat im Großen und Ganzen exakt mit dem übereingestimmt, was wir auch gesagt haben. Ich frage mich nun, ob diese Studie tatsächlich etwas bewirken wird und bezweifle es im gleichen Atemzug. Es ist ja nett, dass so eine Studie angestrengt wurde, denn scheinbar geht ja nichts ohne einen wissenschaftlichen Hintergrund. Gesunder Menschenverstand reicht bei weitem nicht aus. Aber so richtig an einen bahnbrechenden Durchbruch kann ich da nicht glauben. Dennoch: Kommt Zeit, kommt Rat und vielleicht auch gleiche Rechte für alle. Das wär’ doch mal was!