Jul
31
2009
2

Schritt für Schritt

Es ist Sommer. Eine gute Zeit, um das Kind von den Windeln zu entwöhnen. Hoffen wir auf jeden Fall. Wir wären auf jeden Fall soweit. Das Kind körperlich auch. Nur leider ist das Kind auch faul. Typisch Junge halt. Wieso sollte ich mir die Mühe machen aufs Töpfchen zu gehen, wo eine Windel doch so praktisch ist? Vor langer Zeit hatten wir auch einen Aufsatz für die große Toilette angeschafft. Nur mochte er das nicht so besonders. Als er dann diese Woche verkündete: Potty too big. Nicholas need Nicholas potty, kamen wir zum Entschluss, dass es vielleicht hilft, wenn er sich sein eigenes Töpfchen aussuchen darf.

Also heute zum Toy’R'Us zum Töpfchen aussuchen. Nur leider waren da sooo viele andere interessante Dinge, dass keines davon gut genug war. Die Mamas haben sich dann für ein Frosch-Töpfchen entschieden und damit war er dann auch zufrieden. Sein Glück war ein Thomas-die-Lokomotive-Malbuch. Zur Töpfchen-Motivation gab es noch fünf kleine Bob der Baumeister Büchlein. Wir hatten uns erst überlegt, ob wir ihm als Bestechung/Belohnung irgendwelchen Süßkram geben sollten. Dann sind wir allerdings zum Ergebnis gelangt, dass wir uns das sparen können, denn da würde er vermutlich nur “no” sagen und weggehen. ABER was immer funktioniert sind Bücher. Schön zu wissen, das es wenigstens etwas gibt, dem er nicht widerstehen kann. Und noch schöner zu wissen, dass es nicht irgendwelches doofes Zuckerzeug ist. Nun gut, die erste Probesitzung mit Vorleser Mommy und Mama war gut. Kein Geschrei, kein Gezeter, nur leider auch kein Pipi. Das ist aber okay so lange er wenigstens freiwillig auf dem Froggy Potty sitzt und da auch länger als 20 Sekunden bleibt. Und als er dann genug hatte, stand er auf, holte eine Windel und wollte wieder verpackt werden. Nun gut, das üben wir noch ein bisschen. Aber der Anfang war schon mal okay. Tolle Big-Boy-Unterwäsche haben wir neulich auch schon angeschafft: Cars, Spiderman und Batman. Sarahs Kommentar im Geschäft: Ich kaufe Männerunterwäsche. Zwar Kleinmännerunterwäsche aber trotzdem. Männerunterwäsche. Wer hätte das jemals für möglich gehalten. Ich hab nur gelacht. So ist das halt im Leben. Aber das Projekt Trocken-werden ist nun offiziell im Gange und ich bin gespannt, ob er windelfrei den Kindergarten anfangen kann.

Written by Belle in: Das Kind, Fotos |
Jul
30
2009
0

Wer hätte das gedacht

Ich habe zur Abwechslung mal nichts zu sagen. Gar nichts. Keine Flora und Fauna-Begegnungen. Keine Kinder-, Arbeits- oder Sonstwas-Geschichten. Absolut nichts. Das gab es bisher auch noch nie.

Erklärt aber für mich, wieso ich im Moment so hibbelig und in mir selbst versunken bin. Oder besser andersrum. Es gibt nichts zu schreiben, weil ich meine Außenwelt im Moment nicht wahrnehme. Meine Augen, die normalerweise immer auf der Jagd nach Blogcontent sind, sind nach innen gerichtet und sehen nicht nach außen . Wieso das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht brüte ich gerade etwas aus.

Manchmal denke ich mir, dass man dieses eine Leben, was man hat, ganz anders nutzen sollte. Stabilität ist schön. Sicherheit auch. Aber manchmal wäre es noch schöner, alle Zelte abzubrechen und sich mit einem VW-Bus auf Weltreise zu begeben. Es gibt so viele Dinge, dich ich gerne machen würde, aber die Verwirklichung scheint unmöglich. Irgendwie hänge ich gerade fest. Gedanklich.

Aber eines ist sicher. Ein Blog ist kein Tagebuch. Was in meinem Kopf ist, bleibt auch da drinne. Bis ich ein Ventil brauche. Und den Inhalt meines Kopfes in moderierter Form zu Papier bzw. auf den Bildschirm bringe. Therapie sozusagen.

Written by Belle in: Alltag |
Jul
28
2009
5

Wenn…

Wenn ich ganz viel Geld hätte – so etwa 10-Millionen-Lottogewinn bis aufwärts ohne Limit dann würde ich ganz, ganz viele Sachen machen und kaufen und Geld zu Fenster rausschmeißen.

Unsere Technikabteilung würde astronomisch anwachsen. iphones, Spielkonsolen, Camcorder, Super-Hifi-Surround-Anlagen und weiß der Geier was noch alles würden den Weg zu uns finden. Ach ja und so ziemlich jede DVD, die auch nur annähernd interessant aussieht.

Ich hätte gerne einen Pool und das dazu passende kleine Villachen. Mit Bibliothek und Barbie-Ausstellungszimmer und Büro und Heimkino und großem Garten. Natürlich nur in gehobener Randlage oder aber ganz ab vom Schuss und auf keinen Fall mit Nachbarn. Alles umzäunt, damit Hundilein rumrennen aber nicht abhauen kann.

Und dann das gleiche nochmal in Canada. Nur mit mehr Land und eigenem See und Sarah hätte gerne ein paar Pferde. Die Pferde-Allergie würden wir dabei ignorieren, denn die wäre ja nur im Weg.

Verreisen würden wir noch. Ein Vierteljahr nach Australien und Neuseeland und wenn es da schön ist, dann gerne auch noch ein bisschen länger.

Ich wäre dann ja auch Mitte August nach Vancouver geflogen. Aber mein Realitätssinn sagt mir, dass ich mir das auch sparen kann. (Meinen sehr realistischen astronomischen Lottogewinn erwähnen wir hier mal gar nicht.) Denn die Chancen tatsächlich aufs Set zu kommen sind auch mit viel Geld vermutlich sehr gering bis gar nicht vorhanden.

Und ein neues Auto würde ich mir noch anschaffen. Die Sarah bekommt einen Jeep Grand Cherokee, der auch als Familienkutsche herhalten muss, mit Speziallackierung in Form von Ahornblätter an den Seiten. Ob ich wohl mit einer Kanadierin verheiratet bin? Für mich hätte ich gerne einen putzigen silbernen Mercedes SLK, einfach weil die sich gut fahren und die Blicke, die man mit sowas bekommt sind unbezahlbar. (Unser aller erster Trip in die Niederlande fand mit so einem Gefährt statt, weil der Autovermieter nichts mehr anderes hatte. Das war schon ziemlich cool.)

Meine Teenie-Cousine könnte natürlich auf unsere Reisen, schließlich käme Nicholas auch mit und so Abends ab und an einen Babysitter zu haben, wäre auch nicht schlecht.

Ich würde die kompletten Schulden meiner anderen Cousine abzahlen. Einfach weil sie das verdient und wirklich hart dafür arbeitet, irgendwie durchzukommen. Erzählen würde ich ihr davon nichts, sondern das irgendwie als Gewinn oder sonst was verkaufen.

Meine Eltern würde ich auf eine dreiwöchige Kreuzfahrt in die Karibik schicken.

Meiner Oma würde ich das Haus renovieren. Mit unendlich viel Geduld, aber nicht hinter ihrem Rücken sondern nur mit ihrer Mitwirkung.

Unser Spender dürfte sich wünschen, was er will und würde das dann auch bekommen. Denn er hat uns das größte Geschenk gemacht, was es gibt und dafür würden wir uns gerne irgendwie irgendwann revanchieren.

Und dann würden wir mindestens einmal pro Monat verreisen. Arbeiten würde ich nur noch halbtags, wenn überhaupt. Schließlich brauche ich auch viel Freizeit zum verreisen.

Aber ich sollte mir zuerst mal einen Lottoschein kaufen, bevor ich große Pläne schmiede. Es ist aber gut zu wissen, dass ich nicht hilflos im Geld ersaufen, sondern das munter wieder unter die Leute bringen würde. Schließlich braucht man für alle Lebenssituationen schon mal einen Plan.

Written by Belle in: Alltag |
Jul
27
2009
5

Anders

Für etwas anderes war das Nachtcafé auch gut. Oder schlecht. Je nachdem wie man das sieht.

Mir fällt normalerweise nur sehr selten auf, dass ich irgendwie anders bin. Jeder, mit dem ich es im täglichen Leben zu tun habe, weiß, dass ich mit einer Frau verheiratet bin und dass wir einen kleinen Sohn haben. Da ich nicht mit so wahnsinnig vielen Leuten zu tun habe, gibt es eigentlich auch niemanden, der das nicht weiß. Für alle bin ich trotzdem die, die ich halt bin und nicht die Lesbe mit dem Kind vom Samenspender. Bis jetzt war ich das eigentlich noch nie.

Wenn man dann allerdings als eben das in eine Talkshow geht, wird man dazu. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich nur über mein Lesbischsein definiert. Das ist ein sehr komisches Gefühl, da ich mich darüber so überhaupt nicht definiere. Das ist nur ein ganz kleiner Teil von mir und der wird normalerweise völlig vernachlässigt. Dann auf einmal einen ganzen Abend lang eben nur das zu sein ist irritierend. Und für mich eine neue Erfahrung. Merkwürdiges Gefühl. Nicht schlecht, nicht gut. Eben anders.

Und irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen. Sollte ich mich nicht auch im täglichen Leben mehr über mein Lesbischsein definieren. Verdränge ich das? Ich weiß es nicht.

Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlen würde, nur weil ich nicht mit Regenbogenfahne durch die Gegend renne und meine Regenbogenkleider und meinen Regenbogenschmuck präsentiere. Und eigentlich finde ich das auch doof und unnötig, denn so bin ich einfach nicht. Mir ist noch nie eine Heterofrau begegnet, die ein T-Shirt anhat auf dem sie stolz ihre Lieblingsstellung beim Sex herzeigt. Wenn sie nun allerdings bei einer Talkshow den Standpunkt vertreten würde, nur die Missionarsstellung ist das einzig wahre und alles andere zählt nicht, dann würde sie sich vermutlich fühlen wie ich. Okay, schlechter Vergleich. Aber die Dame würde sich vermutlich im richtigen Leben auch nicht als Missionarsstellungsvertreterin fühlen und das allen auf die Nase binden.
Aber vielleicht war das für mich zur Abwechslung mal eine hilfreiche Erfahrung, die mich daran erinnert, dass wir eben nicht normal sind. Auch wenn wir das gerne glauben möchten.

Written by Belle in: Alltag, Public Relations |

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