Das war interessant. Sehr sogar. Ich muss mir zwar den Preis für die meiste Gewichtszunahme mit meiner ehemals besten Freundin teilen, aber meiner Ansicht nach gewinne ich den Preis dafür, dass ich mich seit dem Abi vor 10 Jahren am meisten selbstgefunden und mir trotzdem treu geblieben bin. Ist schwer zu erklären, fühlt sich aber gut an. Nochmal würde ich die Schulzeit definitiv nicht durchmachen wollen, aber so wie es war, war es auch okay.
Viele der Leute habe ich seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, manche später noch ein bisschen und dann gar nicht mehr. Alleine zu so einer Veranstaltung zu gehen ist ein merkwürdiges Gefühl. Am Anfang war es auch ganz komisch – ein Haufen bekannter Fremde. Mit der Zeit ging es dann und ich war – wie früher auch schon – eigentlich eh nur mit den Leuten zusammen, mit denen ich früher mal befreundet war. Das hat mich daran erinnert, wieso wir mal Freunde waren, aber auch daran, wieso wir den Kontakt verloren haben. Viele Vorurteile wurden bestätigt und ungefähr 90 % der anwesenden Mitschülerinnen sind Lehrerin geworden und davon nochmal 70 % befinden sich momentan in Elternzeit. Von den Männer hat bisher nur einer ein Kind und das auch nur, weil er mit einer aus unserem Abijahrgang verheiratet ist.
Ach ja und der Typ, der mir im November in mein Auto gefahren ist, ist der Ehemann einer meiner ehemaligen Mitschülerinnen. Kein Wunder, dass mir der Namen die ganze Zeit so bekannt vorkam, ich ihn aber nicht zuordnen konnte.
Erstaunte Blicke gab es bei vielen, als die Sprache auf meinen Sohn kam, aber zu fragen hat sich nur einer getraut. Und bei dem wundert mich das nicht, der hat mir früher auch seine Bettgeschichten im Austausch für meine erzählt. Was übrigens recht erheiternd war.
Mein ehemaliger Schwarm war auch da, saß auch die meiste Zeit bei mir am Tisch und ich glaube, das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich mit dem – mittlerweile Mann – unterhalten konnte, ohne gleich die Hochzeitsglocken in meinem Kopf läuten zu hören. Ich glaube, ich kann verstehen, was ich damals an ihm attraktiv fand. War halt ein passendes Opfer, wenn man denkt, man müsste dringend in jemanden vom anderen Geschlecht verliebt sein. Schwierig zu erklären.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass das nächste Klassentreffen bei dem ich auch anwesend sein werde in frühestens fünf Jahren stattfinden wird. Das war ein interessanter Ausflug in die Vergangenheit. Die Gegenwart gefällt mir allerdings wesentlich besser. Ich gefalle mir heute besser und ich bin auch wesentlich glücklicher und ausgeglichener als damals. Was 10 Jahre Abstand so alles bewirken können.