Da müssen wir erst mal mit der Cerah anfangen. Die war nämlich über Ostern weg und als sie zurück kam, fing sie davon an, dass sie unbedingt gerne einen Hund haben will. Wieder haben will, sollte ich eigentlich sagen. Denn im Gegensatz zu mir ist die Cerah ein Hundefreund und hatte auch zuhause immer Hunde (und Katzen). Zuletzt einen Husky, bietet sich in Kanada schließlich auch an, und vorher einen Sheltie, auch Mini-Collie (also Mini-Lassie) genannt.
Bei mir sieht das etwas anders aus. Meine erste schlechte Erfahrung mit Hunden habe ich im Kindergarten gemacht und bin seitdem irgendwie immer nur an Arschloch-Hunde geraten. Im Kindergarten hatte meine beste Freundin einen Schäferhund, der mich mehr als einmal gejagt hat. Wollte vermutlich nur spielen, aber woher soll ich das denn bitte wissen? Der hat übrigens auch die Katze meiner Cousine getötet, also nicht wirklich vertrauenserweckend. Meine beste Freundin in der Grundschule hatte so einen dämlichen Pekinesenköter, der auch ständig nach mir geschnapt hat. Meine Oma hatte einen Chihuahua, der auch nie mein Freund wurde. Das Vieh hat mich auch ständig angeknurrt, nach mir geschnappt und war generell nicht ganz richtig im Kopf. Die andere Oma hatte dann auch einen Hund. Der erste mit dem ich mich einigermaßen anfreunden konnte. Das war ein Schäferhund-keineAhnungwas-Mix. Also etwas größer. Aber da er von ganz winzigklein an da war, hatte ich auch Zeit mich damit auseinanderzusetzen. So richtig begeistert war ich von dem dann auch nicht, aber wenigstens hat der nie versucht, mich zu attackieren, sondern nur gestunken wie Sau bzw. permanent nasser Hund. Meine Erfahrungen mit Hunden sind also bisher nicht wirklich gut gewesen. Ach ja und Cerahs Husky durfte ich auch noch kennenlernen, als ich dort mal zu Besuch war. Der bzw. die war auch nicht so wirklich mein Fall, zu groß und zu lebhaft. Aber Cerah hat mich heldenhaft beschützt und so war das dann auch okay.
Und dann kommt sie also heim und meint, sie hätte gerne wieder einen Hund, ihr würde das fehlen. Meine Begeisterung war enorm. Zum guten Schluss sind wir dann zum Kompromiss gekommen, dass wir uns dann in 10 Jahren einen anschaffen, wenn die Katzen mal nicht mehr sind.
Wenige Tage später komme ich heim und bekomme erzählt, dass Squishy heute unbedingt Hunde sehen wollte, also wurde auf den Homepages der umliegenden Tierheime gesurft. Und da war so ein fluffiges kleines Tierlein mit Namen Sofia, in das sich Cerah gleich verliebt hat. Und natürlich wurde gleich das Tierheim kontaktiert (nicht von mir), nur um zu erfahren, dass es schon einige andere Interessenten gibt und sie quasi schon vergeben sei. Die Trauer war groß (meine nicht so) und es wurde beschlossen, am Wochenende mal ins andere Tierheim zu fahren, um zu sehen, was die da so nettes haben. Meine Begeisterung hielt sich immer noch stark in Grenzen, aber da war ich schon längst am Nachgeben. Am Tag darauf hieß es dann, die anderen Interessenten seien abgesprungen, man könnte morgen mal vorbeikommen, um den Hund zu sehen und mit ihm Gassi zu gehen. Das haben Cerah und Squishy auch gemacht. Und beide waren sehr happy. Squishy hat abends im Bett vor sich hin ge-wufft und die ganze Zeit vom dog geredet. Und spätestens da konnte ich ja nun wirklich nicht mehr nein sagen. Ich bin doch der größte Softie, den es überhaupt gibt. Am Tag darauf habe ich den Hund dann auch mal inspiziert und noch am selben Abend wurde er bzw. sie von der Tierpflegerin, die in unserem Nachbarort wohnt vorbeigebracht. Und so haben wir nun einen Hund.
Mia (Ex-Sofia) wurde mit ihrer Schwester zusammen im Korb vor der Tierheimtür gefunden. Ihre Schwester wurde relativ schnell vermittelt. Mia war etwa 4 Wochen dort und weil sie so putzig ist, durfte sie mit einer der Tierpflegerinnen nachhause und musste auch nicht im Zwinger bleiben. Die Interessenten vor uns sind abgesprungen, weil Mia, wenn sie sich auf etwas konzentriert, mit dem Kopf zittert bzw. wackelt. Das kam denen etwas komisch vor. Laut Tierarzt könnte das daher kommen, dass sie als ganz kleines Hundebaby vielleicht eine Ohrenentzündung hatte und das etwas mit dem Gleichgewichtssinn zu tun hat. Aber alles ist jetzt in Ordnund und sie macht das halt nur noch aus Gewohnheit. Wir haben sie in Mia umgetauft, weil Sofia für uns nicht funktioniert. Eine Katze mit Namen Sophie und ein Sofia-Hund sind doch etwas zu viel. Die Pflegerin nannte sie sowieso nur Fia und so haben wir Mia daraus gemacht, weil das wenigstens nach was klingt und etwas besser von den Lippen kommt.
Die beiden Kitties sind so mittelmäßig bis gar nicht begeistert, entspannen sich aber so langsam und gewöhnen sich an den neuen Vierbeiner.
Squishy ist wahnsinnig stolz, dass er die Leine beim Spazierengehen ganz allein halten darf und ist überhaupt wirklich gut mit ihr. Der schönste Nebeneffekt bisher ist der, dass jetzt sofort alles Spielzeug, was auf dem Boden rumliegt sofort aufgehoben und weggeräumt wird, weil Mia sonst kommen und es annagen könnte. Und das tut sie auch. Wer hätte gedacht, dass unser Kind so ordentlich sein kann.
Cerah ist sehr glücklich mit ihrer neuen Spielgefährtin und froh darüber, dass unser Zoo nun komplett ist.
Ich habe mich so langsam auch mit ihr angefreundet und finde sie ganz putzig. Bisher war sie auch nicht gemein zu mir und es sieht auch nicht so aus, als ob sie das jemals werden würde. Würde ich ihr auch nicht raten, sonst kommt sie nämlich umgehend dahin zurück, wo sie herkam. Stinken tut sie zwar, aber auch damit kann ich leben. Hunde stinken nun mal nach Hund, da gibt es kein wenn und kein aber. Und es hält sich durchaus in Grenzen. Da hatte ich wohl die ganze Zeit einen Hundefreund in mir versteckt und ihn nur nie rausgelassen. Manchmal weiß man nicht, was einem fehlt, bis man es dann hat. War mit dem Kind auch so. Und mit der Frau sowieso. Ich hätte auch nie gedacht, dass es das ist, was mir in meinem Leben gefehlt hat, bis ich dann Cerah gefunden habe. Und die würde ich definitiv nie wieder hergeben. Auch nicht wenn sie versuchen würde, mich zu beißen.