Jetzt schon?

Am Samstag findet das 10-jährige Treffen meines Abiturjahrgangs statt. Angemeldet hatte ich mich da schon vor einer Weile und dann wieder vergessen oder verdrängt. Je nach dem wie man das sehen will. Gestern kam dann die Erinnerung per Mail und wenn die nicht gekommen wäre, dann hätte ich das auch tatsächlich vergessen. So ein minikleines bisschen freue ich mich auch darauf. Wobei “freuen” ist vielleicht das falsche Wort. Was ist denn weniger stark als freuen und aber nicht mit Abneigung verbunden? Wie nennt man denn sowas? Ich würde mal sagen, ich bin im positiven Sinne neugierig und wenn’s echt doof sein sollte, dann schwinge ich mich in mein Auto und fahre heim.

Hoffentlich bekomme ich keine Minderwertigkeitskomplexe wenn da die ganzen Studierten und Doktoren rumhocken und schlau sind. Denn irgendwie bereue ich schon, dass ich nicht studiert habe. Andererseits weiß ich bis heute nicht, was ich hätte studieren wollen, weshalb es mich nicht so sehr stört, als dass ich mich jetzt gleich bei einer Fernuni einschreiben würde. So zum Spaß hätte ich ja gerne ein bisschen Germanistik, Anglistik und Etymologie studiert und da dann einen Doktor gemacht. Leider ist das ziemlich brotlose Kunst und eine Familie damit zu ernähren dürfte nicht ganz einfach sein. Und das dauert ja auch so ewig. Wenn ich allerdings im Lotto gewinnen würde, dann würde ich sofort anfangen ein bisschen rumzustudieren. Wäre dann ja auch mehr wie ein Hobby und nicht dazu bestimmt den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Nun gut. Ich habe also keinen Doktortitel und habe seit dem Abi auch etwas zugenommen aber wenigstens bin ich nicht arbeitslos, wie ich das ja befürchtet habe. Plus ich habe eine wundervolle Familie und einen Interessantheits-Bonus, der sich Lesbischsein nennt. Bin ja mal gespannt wieviele sich ernsthaft trauen, mich darauf anzusprechen. Oder ob eher sowas kommt wie: Ich hab’s ja schon immer gewußt. Man darf gespannt sein.

0 thoughts on “Jetzt schon?

  1. Mach dir da mal keinen Kopf drum. Ich habe studiert, habe mittlerweile den Eindruck, mit meinem Studium so gar nichts anfangen zu können, und wünsche mir, ich hätte stattdessen lieber ‘ne vernünftige Ausbildung gemacht. Hat alles seine zwei Seiten.
    Und ich hätte mir mein Abitreffen vorletztes Jahr ja sparen können: Mit den Leute, zu denen ich einen guten Draht hatte, bin ich immer noch in Kontakt und auf den Rest hätte ich beim Treffen auch gut verzichten können. Aber sei’s drum, wenn es kein weiter Anreiseweg ist, kann man da nicht viel falsch machen.

  2. Du hast doch alle Trümpfe in der Hand, schließlich bist du glücklich mit deinem Leben und deiner Familie. Leider avancieren solche Treffen tatsächlich immer zu Abchecker-Veranstaltungen. Doch wenn du deine Zufriedenheit auch nach außen trägst, nimmst du jedem, der daran zweifeln könnte bereits den Wind aus den Segeln.

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