Family Voices International – Internationale Familien kommen zu Wort

Julieta von Ju, An Y El Perro Activista hat mich vor kurzem angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte an an einem Projekt von ihr und Dana von Mombian mitzumachen. Es geht ihnen dabei darum, verschiedene LGBT (lesbische, schwule, bi- & transsexuelle) Familien in verschiedenen Länder zu Wort kommen zu lassen. Das ganze ist ein Interview und wurde auf englisch geführt. Das englische Original gibt es hier, die spanische Übersetzung hier; Und hier ist die deutsche Übersetzung:

1. Erzähl uns ein bisschen über eure Familie. Aus wem besteht eure Familie? Gibt es andere wichtige Dinge, die ihr uns gerne erzählen wollt?

Wir sind: Ich (Belle auch BB genannt, die Deutsche), Cerah (die Kanadierin) und unser zweijährigen Sohn. Wir haben uns 2000 in den USA, im zarten Alter von 20 Jahren kennengelernt, wo wir beide als AuPairs arbeiteten, haben uns verliebt und sind zusammen zurück nach Deutschland gegangen. Wir sind seit November 2001 verheiratet oder wie wir so schön sagen “verlebenspartnert” und leben seitdem in Deutschland.

Wir sind normale, langweile Leute mit einm normalen, langweiligen Leben. Ich arbeite als Chefsekretärin und Cerah passt zuhause auf Squishy auf. Wir lesen gerne und schauen uns genauso gerne Filme an. Shoppen gehört ebenfalls zu unseren Lieblingsbeschäftigungen sei es in der nächsten Stadt, im Einkaufszentrum oder bei IKEA. Einmal die Woche besuchen wir meine Eltern und wenn wir mal Lust auf was besonderes haben, hüpfen wir über die 10 Minuten entfernte französische Grenze und gönnen uns ein bisschen Gourmet-Dinge.

Wir beide haben einen Blog. Cerah einen auf Englisch und ich auf Deutsch.

2. Wir habt ihr euren Traum von einer Familie verwirklicht? Welche Ratschläge würdet ihr anderen Paaren geben, die ebenfalls eine Familie gründen wollen? Gibt es irgendwelche Nachschlagewerke oder ähnliches, die ihr besonders hilfreich gefunden habt?

Wir haben einen Ja-Spender, den wir über das Internet gefunden haben. Für uns spielte der Charakter des Spenders eine wesentlich größerer Rolle als das Aussehen alleine. Schließlich wollten wir uns auch in Zukunft noch mit ihm unterhalten können. Gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Freundschaft sind die Quintessenz für eine gute Beziehung. Das macht alles etwas einfacher und angenehmer. Denn der Entschluss für einen Spender macht ihn für den Rest des Lebens zum Teil der Familie. Wir hatten das große Glück, den für uns perfekten Spender zu finden und mittlerweile haben wir eine super Beziehung zu ihm und sehen ihn als Freund. In unserer Familie spielt unser Spender keine Rolle, trotzdem sind wir nach wie vor in Kontakt mit ihm, besuchen ihn in den Niederlanden und konnten sogar seine Mutter kennenlernen. Wir wollten Squishy auf jeden Fall “alleine” erziehen, aber es war uns von Anfang an ebenso wichtig, dass wir auch über das “Babymachen” hinaus eine gute Beziehung zu unserem Spender haben. Squishy wird wissen, wer sein Spender ist, wo er wohnt, was er macht, er wird Bilder von ihm haben und vor allem die Möglichkeit, ihn persönlich zu treffen und Fragen zu stellen. Unser Plan war es, von Anfang an so offen wie möglich zu sein.

Das Internet ist eine unendliche Fundgrube, wo sich leicht Informationen und Unterstützung finden lassen. Es gibt viele Foren und Blogs da draußen, bei denen man sich Tipps holen kann. Fragt eure Fragen, wie unwichtig sie auch erscheinen mögen. Habt keine Angst, diese Fragen auch zu stellen. Aber was immer ihr auch macht und welchen Weg ihr einschlagt, um eine Familie zu gründen, seid euch hundertprozentig sicher, dass ihr beide euch einig seid.

3. Was war bisher die größte Herausforderung, der ihr euch als Eltern stellen musstet? Wie seid ihr ihr begegnet?

Eltern zu sein ist immer eine Herausforderung. Egal ob man nun lesbisch, schwul oder hetero ist. Das schwierigste ist, Entscheidungen für dich und dein Kind zu treffen und diese zu leben, egal was die Umwelt dazu sagt. Es ist sehr schwierig, auf diesem Pfad zu bleiben, wenn alle um dich herum, dich dafür kritisieren. Das einzige, was da wirklich hilft ist lächeln, alles in ein Ohr rein und zum anderen wieder raus zu lassen. Tue das, was für dich und dein Kind das richtige ist. Menschen sind unterschiedlich. Jede Familie ist anders. Es ist in Ordnung, wenn er Saft trinkt und nicht nur Wasser bekommt. Es ist auch okay, wenn er mehr als 30 Minuten am Tag fernsieht. Es ist okay, wenn er nur Englisch sprechen will. Das wird sich früh genug ändern. Und ja, er kann so ziemlich alles machen, was er will, und neue Sachen ausprobieren, wenn er dabei die Grenzen, die seine Mommy und ich ihm gesetzt haben, nicht überschreitet. Und nein, er muss es nicht mögen, wenn eine wildfremde Person ihn in die Wange zwickt, weil er so putzig ist. ich würde das auch nicht mögen.

Aber wir lernen als Eltern selbstbewusster zu werden. Wir sind zufrieden mit den Fortschritten, die er in seinem eigenen Tempo macht. Nur weil wir vieles anders machen als Hinz und Kunz heißt das nicht, dass wir deswegen besserer oder schlechtere Eltern sind, es heißt einfach nur, das wir versuchen für unseren Sohn die besten Eltern zu sein, die wir sein können. Wir machen Fehler, aber wir lernen auch aus ihnen.

4. Es ist nicht immer ganz einfach Arbeit, Alltag und Paarbeziehung unter einen Hut zu bringen. Was macht ihr, wenn eine von euch einen schlechten Tag erwischt hat?

Meistens hilft es rauszugehen, mal eine Stunde eine Auszeit zu nehmen oder sich in einem schönen heißen Bad zu entspannen. Sowas in der Art. Normalerweise gehen wir uns aus dem Weg, wenn wir merken, dass eine von uns sowieso schon enorm genervt ist bis wir wieder soweit sind, normal miteinander reden zu können. Glücklicherweise dauert das normalerweise auch nicht wirklich lange. Wir kennen uns nun seit fast neun Jahren und mittlerweile können wir beinahe die Gedanken der anderen lesen, was das Zusammenleben enorm vereinfacht.

5. Seid ihr in irgendeiner Weise in eurer Gemeinde engagiert? Oder in lesbisch-schwulen Vereinen bzw. in der Politik aktiv?

Cerah ist Pfadfinderleiterin bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg. Sie arbeitet mit Kindern im Alter von 11 bis 13 Jahren und macht mit ihnen so typische Pfadfindersachen. Das bedeutet auch, dass sie eng mit der Kirchengemeinde und dem Pfarrer hier zusammenarbeitet. Alle wissen, dass sie mit mir zusammenlebt und bisher hat sie nur positive Reaktionen erhalten. Sie sagt immer, das sie Einfluss auf die Erwachsenen von morgen nimmt. Wenn sie ihren Kinder beibringt, dass sie ohne Vorurteile auf lesbisch-schwule Familien zugehen und überhaupt auf alle, die irgendwie anders sind, dann bringt sie das damit den Erwachsenen von morgen bei. Ich bin nur in der Online-Welt aktiv und stolz darauf, den ersten Regenbogenfamilien-Blog in Deutschland gehabt zu haben.

6. a) Was macht ihr am liebsten zusammen? b) Was ist euer gemeinsames Lieblingsbuch?

a) Am liebsten gehen wir zusammen in den Reben spazieren. Bei jedem Wetter. Da gibt es gar wundervolle Dinge zu entdecken wie Steine, Stöcke, Pfützen und sonstige Dinge, die ein Zweijähriger spannend findet.

b) Squishy ist ein typischer Junge und liebt eben auch typische Jungs-Bücher. Alles was mit Fahrzeugen zu tun hat ist der absolute Renner z.B. Autos, Traktoren, Lastwagen und so weiter.

7. Wenn ihr ein Motto als Eltern hättet, welches wäre das?

Ein Wort: Relax! Reg dich nicht über Kleinkram auf. Es hilft nicht weiter, wenn man wegen jeder Kleinigkeit ausflippt oder sich über alles und jedes den Kopf zerbricht. Und entspannte Eltern haben entspannte Kinder. Außerdem will ich Spaß mit meinem Kind haben. Die Kleinen werden viel zu schnell groß und brauchen einen nicht mehr.

8. Was ist aus deiner Sicht das größte Problem, das Regenbogenfamilien in deinem Land haben? Bzw. was ist die wichtigste Änderung, die es im Laufe der letzten Jahre für Regenbogenfamilien gab?

Was ich wirklich unfair finde, ist die Tatsache, dass wir als Regenbogenfamilie steuerlich benachteiligt sind. Bei uns sieht das dann so aus: Ich arbeite Vollzeit und Cerah passt zuhause auf Squishy auf. Und trotzdem bin ich in der gleichen Steuerklasse wie meine Kollegen, die Single sind und nur sich selbst versorgen müssen. Das bedeutet für uns, dass wir 400 Euro jeden Monat dem Staat schenken (müssen). Das ist absolut schwachsinnig. Es gibt in Deutschland die eingetragenen Lebenspartnerschaft aber leider bedeutet das nicht, dass wir die gleichen Rechte haben wie ein “normales” Ehepaar. Es gibt für uns die Möglichkeit der Stiefkindadoption, aber nur für biologische Kinder des Partners in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Einerseits ist es gut, dass es für uns die Möglichkeit gibt, dem Kind auch legal zwei Elternteile an die Seite zu stellen, aber andererseits ist es traurig, dass das bei der Geburt nicht schon automatisch geschieht. In einer heterosexuellen Ehe ist das Kind automatisch das Kind des Ehemanns ganz egal, ob er nun der biologische Vater ist oder nicht.

All diese Dinges wurden im Laufe der letzten 8 Jahre erreicht. Und ganz langsam tasten wir uns auch an Dinge wie das Erbrecht, Hinterbliebenenrente und andere Dinge, so klein und unwichtig sie auch scheinen mögen, heran. Aber gerade diese Dinge bedeuten viel, wenn man fast sein ganzes Leben miteinander verbracht hat, einer von beiden stirbt und man die volle Erbschaftssteuer wie für eine nichtverwandte Person zahlen muss, für Sachen, die man ein lebenlang als gemeinsames Eigentum betrachtet hat.

Wir waren eines der ersten Paare, die 2001 eine eingetragene Lebenspartnerschaft geschlossen haben, nach dem das Gesetz in Kraft trat, dass das erlaubte. Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber noch einen langen, steinigen Weg vor uns. Die Hauptsache ist Respekt und Verständnis – für uns alle.

Ein Wurm im Ohr

Seit ein paar Tagen habe ich dieses wunderbare Lied von Beyonce im Ohr und summe es ständig vor mich hin. Eigentlich mag ich diese Art von Musik nicht so wahnsinnig gerne, aber so ab und an gibt es mal ein Lied, was mir wirklich gut gefällt. So auch Beyonce’s Halo, was übrigens Heilgenschein heißt. Enjoy.

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Halo Beyonce