Am Freitag hatte ich die Einladung zu unserem 10-jährigen Abi-Klassentreffen im Briefkasten. Anfang Mai ist es dann soweit. Schriftlich Anmeldung muss bis Ende März eingehen. Das ungemein spannende Programm: Treffen an der Schule. Sektempfang dort, Rede des Direktors mit anschließender Führung durch die neuen Räume der alten Schule. Dann Weinprobe und danach Bowlen und was Essen. Alles ziemlich unspektakulär, aber okay. Das einzige, was ich überhaupt nicht gut finde ist die Weinprobe. Sinn und Zweck der Sache ist es wohl angetüdelt zu werden, damit alles ganz entspannt und locker wird. Ähem. Nett, aber nein danke. Da hab ich keinen Bedarf. Und was bitte soll ich dann die Stunde oder so machen in der sich die Herrschaft durch irgendeinen Weinkeller saufen? Ach ja, ich werde mit den Schwangeren (die es ganz sicher geben wird) rumhängen und mir einen abkotzen. Von dem mal abgesehen, dass mir sicher niemand glauben wird, dass ich schon ziemlich lange keinen Alkohol mehr trinke, da ich zu Abizeiten gesoffen habe wie ein Loch, um das mal so unverblümt auszudrücken.
Ich bin mir nicht so wirklich sicher, ob ich da überhaupt hin will, obwohl es mich natürlich schon irgendwie reizt. Die meisten habe ich tatsächlich seit dem Abitur oder kurz danach nicht mehr gesehen. Es gibt da ein paar Leute, die ich auch wirklich nicht mehr unbedingt sehen muss, von denen ich mir aber ziemlich sicher bin, dass sie da sein werden. Ich werde mich trotzdem anmelden und mir das einfach mal anschauen. Wenn es wirklich total doof ist, dann werde ich einfach wieder gehen. Schließlich gibt es kein Gesetz, was mich dazu zwingt, an einem Ort mit Menschen zu bleiben, bei denen ich nicht sein will.
Ach ja und ich kann es kaum erwarten, allen zu erklären, dass ich nun tatsächlich seit einem Jahr nach dem Abitur mit einer Frau zusammen bin und mit ihr ein Kind von einem Samenspender habe. Denn das letzte was die alle von mir wissen ist, dass ich zu Abizeiten gar unsterblich in einen Mitschüler aus unserem Jahrgang verknallt war. Und mit so ungeheuerlichen Dingen hätten die mit Sicherheit nicht gerechnet.