Diese Woche war die Anmeldung für den Kindergarten in der Post. Unsere Stadt macht das automatisch und verschickt an alle Eltern von im Moment Zweijährigen ein Schreiben mit ein paar Infos und Adressen der drei Kindergärten vor Ort. Die Anmeldung muss persönlich in der ersten Märzwoche beim Kindergarten abgegeben werden. Von dem mal abgesehen, dass ich es Wahnsinn finde, dass wir uns nun tatsächlich schon mit Kindergärten auseinander setzen müssen, sehe ich der Sache irgendwie auch mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich weiß, dass Squishy den Kindergarten lieben wird. Er ist ein soziales Kerlchen und spielen mit einem Haufen Altersgenossen ist genau das richtige für ihn. Das weniger gute daran ist, dass das das erste Mal sein wird, wo er sich alleine behaupten muss. Nennt mich Glucke, aber der Gedanke, dass andere Kinder fies zu ihm sein könnten, weil er in einer Familie mit zwei Müttern aufwächst und zudem noch englisch zuhause spricht, gefällt mir überhaupt nicht. Anderssein ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Und er kann ja noch nicht mal was dafür. Vermutlich mache ich mir zu viele Gedanken. Mir persönlich ist es egal, wenn irgendjemand was dummes zu mir sagt, ich kann damit umgehen. Von dem mal abgesehen, dass sich das sowieso niemand traut. Wieso genau, weiß ich nicht, vermutlich habe ich schon so eine Komm-mir-dumm-und-ich-zermalme-dich-Aura um mich. Aber dass Squishy darunter leiden könnte, macht mich ganz kirre.
Eines ist auf jeden Fall sicher, wir werden uns nicht verstecken, denn offensiv fährt man immer am besten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendjemand wirklich ein Problem mit unsere zwei-Mütter-Familie haben wird. Und wenn es sein muss, werde ich mich mit jeder Erzieherin und jedem Elternpaar persönlich unterhalten oder an einem Elternabend eine Rede halten oder weiß der Geier was.
Das andere was wir tuen werden bzw. schon immer getan haben, ist unserem Sohn Sympathien zu verschaffen. Das machen alle Eltern, der einzige Unterschied ist der, dass wir das bewußter machen. Nennt uns oberflächlich, aber unser Kind wird nie dahin gehen und aussehen, als ob wir Omas Klamottenkiste aus den 70er ausgeräumt haben. Wer aussieht wie ein Volldepp wird meistens auch behandelt wie ein Volldepp. Und das werden wir zu verhindern wissen. Mit Geld hat das nicht wirklich viel zu tun. Eher damit, zu wissen wo man gute Sachen (Marke oder nicht) zu günstigen Preisen herbekommt. Kinderkleider kann man sehr gut im Voraus kaufen und das spart eine Menge Geld und erspart es dem Nachwuchs dadurch schon Minuspunkte einzuheimsen.
Der wesentlich wichtigere Punkt ist jedoch der, dass wir kein Arschlochkind haben wollen und werden. Denn wer mag schon sowas? Unsere Schreinachbarn von oben meinten ja schon, dass nicht alle so ein “Christkind” wie unseres haben können, denn ihr Kind ist davon meilenweit entfernt. Dass das nichts damit zu tuen hat, dass unser Kind als Engel auf die Welt kam, sieht sie allerdings nicht. Das ist nämlich definitiv nicht so. Ich habe noch selten so einen Sturkopf gesehen. Das alleine ist schon mehr als genug Potenzial, um aus einem netten Jungen einen Bengel zu machen. Wir haben allerdings das große Glück, dass unsere Mommy eine sehr konsequente Erzieherin ist und ihre Sache wirklich klasse macht. Mit ihr an meiner Seite habe ich keine Angst davor, dass unser Christkind zum Arschlochkind mutiert.
Ich mache mir vermutlich viel zu viele Gedanken um Dinge, die ich weder ändern noch großartig beeinflussen kann. Ich habe allerdings die Hoffnung, dass ich schlimmeres verhindern kann, wenn ich mich mit offenen Augen in diese neue Situation begebe. Bis Ende November ist es ja auch noch ein bisschen hin. Aber das ist eigentlich nebensächlich, denn auch November wird schneller kommen, als wir uns das jetzt vorstellen können.