Etwas ausführlicher

Das Thema war Steinzeit. Wir waren einen Tag vor den Kindern da, aber einen Tag nach dem Vortrupp, der bereits die ersten Zelte aufgebaut hatte. Wir hatten eine Turmkohte für uns, damit das Kinderbett und wir beide bequem Platz hatten. Und Platz hatten wir mehr als genug. Ohne die Kinder dabei zu haben, war es enorm entspannt und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es so bleiben können.

Squishy hat gleich am ersten Tag einen Saltoüberschlag den Hang runter im Wald hingelegt. Sah ziemlich böse aus und ich habe mich auch gleich auf Geschrei gefasst gemacht. Er ist allerdings einfach nur aufgestanden und lachend weitergerannt.

Die erste Nacht war unendlich kalt und von mir war nur mein Gesicht zu sehen, da der Rest komplett in Schlafsack, Decke und Kapuze verpackt war. Squishy war es auch etwas zu kalt und er durfte dann zwischen uns mit einer Menge Decken schlafen.

Am nächsten Tag gegen Mittag kamen dann die ganzen Kinder (im Alter von 7 bis 15) an. Und von da an war Squishy eigentlich ständig mit irgendwelchen Kindern unterwegs und hat es sichtlich genossen. Dazu muss ich sagen, dass die wirklich alle ganz toll mit ihm umgegangen sind und ihn immer und überall haben mitspielen lassen. Ich hatte da so meine Befürchtungen, dass er stören oder nicht willkommen sein würde, weil er halt noch zu klein ist, aber das war völlig unbegründet. Was dann zum Ergebnisse hatte, dass er jetzt Seifenspender mit einem Ball abschießen kann, dass er bei allen Kinder, die ihre Hände ausgestreckt hatten, eingeschlagen hat und dass er eine Liebe fürs Im-Bollerwagen-Rumgezogen-Werden entwickelt hat.

Der Erholungswert für mich war so enorm, dass ich schon nach der ersten Nacht nicht mehr wußte, was wir für einen Tag oder Datum haben.

Es gab auch andere Dinge, die weniger gut, aber ebenfalls bemerkenswert waren: Der 12-Jährige, der den kleinen 8-Jährigen verprügelt hat und Auslöser einer riesen Leiterkrise war. Oder der 8-Jährige, der jede Nacht in seinen Schlafsack gepinkelt, aber kein Wort darüber verloren hat. Das fiel dann erst am vorletzten Tag auf. Oder das eine Mädchen, was auf dem Lager zum ersten Mal ihre Tage bekommen hat. Oder das eine Mädchen, was früher nachhaue musste, weil ihre Oma gestorben war. Oder die 15-Jährige, die zuhause alles machen muss, weil ihre Mutter an Krebs stirbt und deren Geschwister vom Jugendamt aus der Familie genommen wurden, weil sich keiner richtig um sie kümmern kann. Und die aber jedes Jahr auf dem Sommerlager ist, weil das das einzige ist, was sie hat um sich zu entspannen.

Und müde waren bzw. sind wir alle hinterher. Squishy hat sich eine Erkältung eingefangen, was erklärt, wieso er die letzten paar Nächte so miserabel geschlafen hat.

Aber alles in allem war es schön und ich würde beim nächsten Mal wieder mitgehen.

Auf die Schnelle

Hier mal ein paar Fotoeindrücke von den letzten 10 Tagen:

Die Aussicht vom Lagerplatz auf das Dorf mit den Alpen im Hintergrund.

Aussicht von der Wiese neben dem Lagerplatz auf die Alpen

Aussicht ins Tal gegenüber auf der anderen Seite der Wiese

Blick auf das Zeltlager

Kohten (so nennt sich diese Zeltart) im Sonnenuntergang

Drachenfliegen ging auch ganz super, da es immer etwas bis sehr windig war. Die kleine Person links ist Squishy.

Die aufziehende Sturmfront, die mich veranlasste mit Squishy anstatt wie geplant am nächsten Morgen noch am selben Abend einen Heimaturlaub einzulegen.

Ich könnte ja

Ich könnte ja mich zum Beispiel mal wieder melden. Squishy und ich haben eine zweitägige Zeltpause eingelegt. Er hatte es bitter nötig und da er nicht alleine nachhause kann, bin ich mit. Heute Mittag geht es wieder in den Hochschwarzwald, um die letzten beiden Nächte mit Mommy zu verbringen.

Bisher war der Zeltlageraufenthalt echt klasse, obwohl nachts sehr kalt (im Einstelligen Gradbereich) und zwischendurch etwas nass, aber mir macht’s Spaß. Squishy ist der Lagerliebling und wird von sämtlichen Kinder – und das sind immerhin so um die 40 – abwechselnd bespaßt. Er findet das ganz super und hat in diesen paar Tagen einen riesigen Entwicklungssprung gemacht, ganz weg vom Baby und hin zum Kind. Natürlich bringen die anderen, größeren Kinder ihm auch jede Menge Scheißelkram bei, aber was soll’s. Hauptsache er ist glücklich. Und um ehrlich zu sein, bin ich sehr froh, dass er so ein wunderbares Sozialverhalten an den Tag legt und so einfach und unkompliziert ist.

Wir freuen uns auf die nächsten beiden Tage und melden uns dann wieder mit Bildern und ausführlichem Bericht.