Jul
25
2008

Sommerferien – 1. Tag

Und ich könnte schon meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Alle fünf Kinder im Haus, außer unserem, sind in der Schule oder im Kindergarten. Das heißt, die haben alle seit heute Sommerferien. Wie schön. Die ganze Brut, die ganze Zeit im Haus oder ums Haus drumrum. Die Bettzeit von der vierjährigen oben hat sich jetzt bereits von 22 Uhr auf kurz vor Mitternacht verlagert. Die Mutter schreit seit gestern permament das Kind an und hat dabei sämtliche Fenster offen. Wie schön. Wie idyllisch. Wenn das jetzt sechs Wochen so weitergeht, bin ich hinterher reif für die Klapse.

Nachbarn sind doch was herrliches. (Vermutlich liegt das sowieso an uns. Wir hatten bisher noch nie Nachbarn die uns nicht auf die Nerven gegangen sind. Manche mehr, manche weniger. Die allererste Wohnung in Freiburg war, in einem Doppelhaus. Da haben in der linken Hälfte die Besitzer gewohnt und die rechte Hälfte, die in 4 Wohnungen aufgeteilt war, war komplett vermietet. Unter anderem an uns im Erdgeschoss. Die Besitzerin war/ist eine gelangweilte Arztfrauhausfrau, die denkt sie ist kreativ und irgendwelches wüste Gartendekozeug in der Einliegerwohnung unter uns verkauft hat. Die andere Vorliebe war es, bei uns in die Fenster reinzuspannen und ihren Scheiß in unserer Mülltonne zu deponieren. Dem Typen über uns konnten wir Sonntags beim Poppen mit seiner Freundin und merkwürdigen irischen Gesängen zuhören und die ganz oben hatten einen kläffenden Hund. Irgendwann kam die gelangweilte Arztfrauhausfrau auf die Idee, sie könnte unten zusätzlich zu ihrem tollen Laden ja noch eine Bekannte mit Friseursalon beheimaten. Das hat den ganzen Tag nach Dauerwelle und Trockenhaube gestunken. Zudem war unser Schlafzimmer genau neben der Haustüre, die dann entweder den ganzen Tag offenstand oder alle fünf Minuten zugeknallt wurde. Es war ein Genuss.

Von Frankfurt brauche ich ja garnicht erst zu reden. Die Kiffer unter uns, über die ich mich schon genug ausgelassen habe, die Frau aus Eritrea, die gerne mal ihr dreckiges Putzwasser auf der Straße vor dem Haus neben der Straßenbahnschiene ausgeleert hat und deren eritäischen Gesänge lautstark aus dem Fernseher tönten, der sich direkt an unserer papierdünnen Schlafzimmerwand befand. Ich glaube, ich kann bei den Stammesgesängen heute noch auswendig mitsingen. Nicht zu vergessen, die Studenten neben uns, denen ich zweimal die Polizei wegen Ruhestörung auf den Hals gehetzt habe, weil ich fand, dass ich um 3 Uhr morgens durchaus ein Recht darauf habe, zu schlafen und nicht die Charts lautstark rauf und runter hören zu müssen.

Und jetzt die Vierjährige oben, deren Mutter ich gerne mal die RTL-Supernanny (oder noch besser die originale von der BBC, die war wirklich gut) vorbeischicken würde. Der mittlerweile Achtjährige nebenan, den ich im Winter noch mit Schnuller im Mund gesichtet habe – der steigt dann mit 10 direkt vom Schnuller auf die Zigarette um – und der sich benimmt wie ein Fünfjähriger. Was wohl auch der Grund ist, warum er mit der Vierjährigen von oben so gut klar kommt. Die anderen drei Mädels, die sieht man kaum, aber das machen die anderen beiden mehr als wett.

Es muss also definitiv an uns liegen. Vermutlich sind wir einfach nur überempfindlich. Ich glaube ja, dass vieles daran liegt, dass wir beiden in Einfamilienhäusern (ich im Zweifamilienhaus, aber obendran haben meine Großeltern gewohnt) groß geworden sind. Da findet man Mitmenschen, die so dicht an einem dran wohnen einfach nervtötend. Wobei witzigerweise immer kommentiert wird, dass wir und vor allem Nicholas doch so ruhig und kaum zu hören seien. Ob das wohl stimmt oder ob die das nur so sagen? Es geht also scheinbar auch anders.)

Written by Belle in: Alltag, Landleben, Leben in Frankfurt |

No Comments »

  • Zu Frankfurt fällt mir nur “Hasan” ein :D

    Comment | 25.07.2008
  • Oh Gott. Den hatte ich schon ganz verdrängt. Gefolgt von Hasans Antwort: Aaaaannnneeeee!

    Comment | 25.07.2008
  • Mensch…wie konntest du die zwei nur verdrängen ? *sich schief lacht*

    Comment | 25.07.2008

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