Jeden Mittwoch wird bei uns in der Firma geputzt. Da kommen zwei nette Mädels, die hier alles picobello sauber machen. Die sind wirklich gründlich, immer gut drauf und zu einem Schwätzchen bereit.
Ich habe hier ein Bild von Squishy an der Wand.
Die Eine schaut das an und fragt: Ist das dein Sohn?
Ich (mit stolz geschwellter Brust): Ja.
Sie: Wie alt ist der denn? So drei/vier?
Ich: Nee, wesentlich jünger. Er ist erst 19 Monate alt.
Sie: Der sieht aber schon groß aus. Wie managst du das denn mit Arbeit und Kind?
Ich (nach zwei Sekunden zögern): Er ist zuhause bei meiner Frau.
Sie (kurze erstaunte Pause): Ach so. Du hast eine Freundin. Schön.
Ich: Ja, das funktioniert ganz super. Ich bin nicht so der Typ, der mit Kind zuhause bleiben kann. Mir fällt ziemlich schnell die Decke auf den Kopf.
Sie: Ja, das kann ich verstehen. Wenn ich mal Kinder haben sollte, dann muss auch der Mann zuhause bleiben. Da bin ich genauso. Bla bla bla (bedeutet das Gespräch geht seinen normalen Gang)
Und jedes Mal, wenn diese Frage kommt, wo denn mein Kind ist, wenn ich arbeite, zögere ich für einen Moment. Eigentlich ohne Grund, denn es kommt hinterher immer das Gleiche: Zuhause bei meiner Frau. Und die Frage kommt immer irgendwann. Ich glaube, ich sollte aber anfangen zu sagen: Zuhause bei seiner Mutter. Oder noch besser: Zuhause bei seiner Mutter, die auch gleichzeitig meine Frau ist. Das wäre politisch korrekt. Aber immerhin bin ich schon mal so weit, dass ich diese Antwort ohne doofes Gefühl geben kann. Ich habe bisher auch noch nie eine negative Reaktion bekommen. Meistens eine erstaunte, kurze Pause und das war’s dann. Das Gespräch geht normal weiter oder ich bekomme weitere Fragen gestellt, das trauen sich auf Anhieb allerdings nicht viele.
Und überhaupt, wo sind die Zeiten geblieben, als so eine “abartige” Lebensweise wie unsere zum Hauptgesprächsthema wurde. Kein Mensch hat den beiden Bescheid gesagt, dass ich “andersrum” bin. Und ich dachte, das macht man so. So ein Tratsch und Klatsch müsste doch eigentlich gleich weiterverbreitet werden. Aber nein, ich bin wohl doch ganz normal und kein Hahn kräht danach, ob ich jetzt mit Frau und Kind oder Mann und Kind zusammenleben. Wieso kapiert das die Politik dann nicht und stellt unsere Lebenspartnerschaft endlich mit einer Ehe gleich?