Der T'choupi

Seit gestern haben wir in unserer Sammlung von Kinderbüchern nun auch ein französisches Badebuch. Das passt gut zu unseren deutschen, englischen und einem holländischen Bilderbuch. Der Held des französischen Buches heißt T’choupi (eigentlich ein Kanadier) und ist ein Pinguin-Kind. In unserem Buch geht T’choupi mit seinem “papa” (das jetzt bitte französiche aussprechen) ins “piscine” also ins Schwimmbad.

Im Supermarché  war das Buch eingeschweiß, logisch ist ja neu, und ganz knautschig. Klar, ist ja auch ein Badebuch. Squishy hat es voller Stolz zum Einkaufswagen getragen und reingeschmissen. Seitdem trägt er es mal hierhin mal dahin und benutzt es als Kissen, weil es ja so knautschig und bequem ist. (Okay, ich geb’s zu ich hab das Ding zuerst als Kissen benutzt, bietet sich schließlich an.)

Was ich aber eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, ist was ganz anderes.

Buch gekauft und zuhause aus der Verpackung befreit. Die Franzosen sind da ja etwas plastikfreudiger als wir Deutschen. Buch aufgemacht und ich bin erst Mal erschrocken und dachte mir: Kacke, hättest du mal ein anders ausgesucht. Der Grund dafür? Im Buch ist der “papa” außer T’choupi die einzige Hauptperson. Und ich fand das richtig schlimm, denn einen Papa haben wir nun mal nicht. Der nächste Gedanke war dann: Sag mal, bist du eigentlich bescheuert? Du kannst dem Kind doch nicht vorgaukeln, dass es keine Papas auf der Welt gibt und alle Bücher, Fernsehserien und Spielsachen aussortieren, die ein Mutter-Vater-Kind-Thema haben. Und ehrlich gesagt, habe ich mich über mich selbst am meisten erschrocken und mich geschämt – wie engstirnig kann man eigentlich sein. Da erwarte ich von anderen Leuten Toleranz und Verständnis und bin selbst genau das Gegenteil. Das kann’s ja wohl nicht sein. Da kann ich mich nur über mich selbst wundern. Wenigstens habe ich mich dabei ertappt und kann das ändern. Jetzt lese ich ihm gerne das französische Buch auf englisch , wahlweise auch mal auf deutsch vor und lasse auch den “papa” (nicht vergessen: französisch aussprechen auch wenn der Rest verenglischt bzw. verdeutscht wird) nicht weg.

Zudem bin ich der Ansicht, dass ich dem Kleinen mehr schade als helfe, wenn ich so tue als ob es keine Familien mit Mama und Papa gibt. Stellt euch mal vor, er erfährt erst im Kindergarten, dass alle anderen eine Mama und einen Papa zuhause haben. (Ja, ich weiß, alle sind das nicht, aber ihr wisst schon, was ich meine.) Nur er hat zwei Mamas. Das ist meiner Ansicht nach ziemlich daneben und etwas sehr realitätsfremd. Vor allem weil er schließlich auch einen Papa hat. Der ist zwar ein Samenspender und wohnt auch nicht bei uns, aber das ändert nichts daran, dass er einen Vater hat.

Manchmal ertappe ich mich wirklich bei den merkwürdigsten Dingen.

Brückentag

Das Gute am Brückentag ist, dass die Autobahn leer ist und ich in 20 statt 30 Minuten auf der Arbeit bin. Das Doofe an Brückentagen ist, dass wenn man um 18:00 Uhr wieder heimfährt, kein Mensch mehr unterwegs ist, weil die alle entweder schon Feierabend haben oder garnicht erst zur Arbeit sind. Das ist deprimierend. Das andere Gute am heutigen Brückentag ist, dass ich die ganze nächste Woche frei habe. Was aber auch wieder schlecht für heute war, weil ich nämlich so viel hatte, was ganz dringend schnell noch erledigt werden muss, dass ich für meine Verhältnisse echt lange gearbeitet habe. Wenigstens habe ich jetzt das Gefühl, dass ich nichts wichtiges vergessen habe. Bin ja mal gespannt wie oft nächste Woche mein Handy klingelt, denn von meinen beiden Chefs ist nur einer da und der darf den Laden dann ganz alleine schmeißen.

Morgen ist bei uns Großputz angesagt, weil ja Cerahs Schwester am Sonntag kommt. Und da wollen wir natürlich glänzen. Am Sonntag geht’s dann zum Flughafen. Endlich mal wieder nach Frankfurt. Manchmal vermisse ich das schon ziemlich, das Stadtleben.

Und was bin ich froh, dass wir unser Auto vorher noch machen lassen haben. Unsere Bremsen waren wirklich übel, noch 500 Kilometer und die hätten blockiert, weil sie schon so abgefahren waren. Und sowas mitten auf der Autobahn ist alles andere als gesund.

Ich freue mich jetzt erst Mal auf meine freie Woche mit viel Sightseeing und Rumgerenne. Wird aber sicher trotzdem schön.

So – mal was anderes

Nachdem ich mein inneres Gleichgewicht wieder gefunden habe, kann ich mich auch wieder etwas entspannen. Heute war Feiertag, nächste Woche habe ich frei und Cerahs Schwester kommt uns für die Woche besuchen. Wir freuen uns, weil das garantiert das erste und letzte Mal sein wird, dass sie den Sprung über den Teich schafft. Und weil ich mich entspannt habe, fallen mir auch wieder allerlei Schwänke aus der Jugend, also meiner halt, ein.

Zum Beispiel als ich mal eher unfreiwillig Bungee Jumping gemacht habe. Und zwar vom 50 Meter Kran. Im Schwarzwald. Ist schon ne Weile her, da war ich 17, wenn ich mich recht entsinne. Ich hatte nie vor mich von einem Kran zu stürzen, aber gemacht habe ich es dann trotzdem.

Die damalige beste Freundin, die ich neulich beim Einkaufen getroffen habe, hat einen älteren Bruder, der war immer der Held für sie, wie das halt mit älteren Brüdern so ist und der fand damals Bungee Jumping gut. Irgendwie haben die beiden wohl gewettet, dass meine Freundin sich das nicht traut, was natürlich für sie bedeutete, dass sie das u-n-b-e-d-i-n-g-t machen muss. So weit so gut. Sie hat dann von dem Dorffest mit Kran zum Runterspringen erfahren und mich dazu überredet mit zu gehen, damit ich sie beim Springen anfeuern kann oder so ähnlich. Das Problem bei der Sache, wir waren beide noch nicht 18 und nur sie hatte überhaupt einen Führerschein und zwar einen Rollerführerschein. Also haben wir uns mit dem Roller auf den Weg gemacht. In den Schwarzwald. Den Berg hoch. Das ganze ist nur etwa 20 km von uns entfernt. 20 km mit einem Roller der 50 km/h drauf hat und die ganze Zeit den Berg hoch. Ich glaube wir haben fast eine Stunde gebraucht, weil ich zwischendurch öfter mal absteigen musste, da der Roller die Steigung mit zwei Personen an Bord nicht geschafft hat. Das war schon mal der glorreiche Anfang. Und so ging es auch weiter.

Eigentlich war das so geplant, dass meine Freundin mal kurz vom Kran springt und wir dann wieder gehen. So weit zum Plan. Die Realität sah dann etwas anders aus. Sie hat sich schlicht und einfach nicht getraut und ist die ganze Zeit um den Kran und die psychologische Auffangmatte darunter rumgeschlichen und ist einfach nicht zu Potte gekommen. Nach langem hin und her hat sie dann beschlossen, dass sie springt, wenn ich auch springe. Aber nicht etwa sie springt zuerst und dann ich, nein, ich sollte zuerst da runter hüpfen und dann sie. Eigentlich wollte ich das überhaupt nicht machen, weder hatte ich irgendwelche Todeswünsche, noch musste ich mir was beweisen.

Im Endeffekt hab ich’s natürlich gemacht. Trotz Höhenangst. Und es war geil. Anders kann ich das echt nicht sagen. Nur Sterben ist schöner. Adrenalin ohne Ende. Was ich gar nicht so erwartet hätte, war die Schwere des Seils an den Füßen. Man muss sich wirklich ganz schön festhalten beim Hochfahren, sonst zieht das Gewicht an den Füßen einen grad wieder von der Plattform.

Meine Freundin ist dann doch auch noch gesprungen. Aber so ganz toll hat sie es nicht gefunden. Sie wurde beim Runterhüpfen ganz schön durch die Gegend geschleudert und fühlte sich hinterher eher nach Kotzen als nach sonst was. Wenigstens war sie stolz, dass sie’s überhaupt gemacht hat. Und ihr Bruder war wohl ehrlich beeindruckt, denn er hätte ihr das wirklich nicht zugetraut.

Auf dem Heimweg, den Berg runter, mussten wir dann auch nur zwei Mal anhalten – weil sie sich übergeben musste. Selbstverständlich wurde ich zum Schweigen darüber verpflichtet, denn das war dann doch zu peinlich.

Mein Papa war hinterher enttäuscht, weil er mich nicht springen sehen konnte. Meine Eltern gingen nämlich erst zu dem Event, als wir schon längst wieder weg waren. Er hätte nämlich gerne mit mir einen Tandemsprung gemacht. Irgendwann müssen wir das mal nachholen. Wenn er sich noch traut…