So – mal was anderes

Nachdem ich mein inneres Gleichgewicht wieder gefunden habe, kann ich mich auch wieder etwas entspannen. Heute war Feiertag, nächste Woche habe ich frei und Cerahs Schwester kommt uns für die Woche besuchen. Wir freuen uns, weil das garantiert das erste und letzte Mal sein wird, dass sie den Sprung über den Teich schafft. Und weil ich mich entspannt habe, fallen mir auch wieder allerlei Schwänke aus der Jugend, also meiner halt, ein.

Zum Beispiel als ich mal eher unfreiwillig Bungee Jumping gemacht habe. Und zwar vom 50 Meter Kran. Im Schwarzwald. Ist schon ne Weile her, da war ich 17, wenn ich mich recht entsinne. Ich hatte nie vor mich von einem Kran zu stürzen, aber gemacht habe ich es dann trotzdem.

Die damalige beste Freundin, die ich neulich beim Einkaufen getroffen habe, hat einen älteren Bruder, der war immer der Held für sie, wie das halt mit älteren Brüdern so ist und der fand damals Bungee Jumping gut. Irgendwie haben die beiden wohl gewettet, dass meine Freundin sich das nicht traut, was natürlich für sie bedeutete, dass sie das u-n-b-e-d-i-n-g-t machen muss. So weit so gut. Sie hat dann von dem Dorffest mit Kran zum Runterspringen erfahren und mich dazu überredet mit zu gehen, damit ich sie beim Springen anfeuern kann oder so ähnlich. Das Problem bei der Sache, wir waren beide noch nicht 18 und nur sie hatte überhaupt einen Führerschein und zwar einen Rollerführerschein. Also haben wir uns mit dem Roller auf den Weg gemacht. In den Schwarzwald. Den Berg hoch. Das ganze ist nur etwa 20 km von uns entfernt. 20 km mit einem Roller der 50 km/h drauf hat und die ganze Zeit den Berg hoch. Ich glaube wir haben fast eine Stunde gebraucht, weil ich zwischendurch öfter mal absteigen musste, da der Roller die Steigung mit zwei Personen an Bord nicht geschafft hat. Das war schon mal der glorreiche Anfang. Und so ging es auch weiter.

Eigentlich war das so geplant, dass meine Freundin mal kurz vom Kran springt und wir dann wieder gehen. So weit zum Plan. Die Realität sah dann etwas anders aus. Sie hat sich schlicht und einfach nicht getraut und ist die ganze Zeit um den Kran und die psychologische Auffangmatte darunter rumgeschlichen und ist einfach nicht zu Potte gekommen. Nach langem hin und her hat sie dann beschlossen, dass sie springt, wenn ich auch springe. Aber nicht etwa sie springt zuerst und dann ich, nein, ich sollte zuerst da runter hüpfen und dann sie. Eigentlich wollte ich das überhaupt nicht machen, weder hatte ich irgendwelche Todeswünsche, noch musste ich mir was beweisen.

Im Endeffekt hab ich’s natürlich gemacht. Trotz Höhenangst. Und es war geil. Anders kann ich das echt nicht sagen. Nur Sterben ist schöner. Adrenalin ohne Ende. Was ich gar nicht so erwartet hätte, war die Schwere des Seils an den Füßen. Man muss sich wirklich ganz schön festhalten beim Hochfahren, sonst zieht das Gewicht an den Füßen einen grad wieder von der Plattform.

Meine Freundin ist dann doch auch noch gesprungen. Aber so ganz toll hat sie es nicht gefunden. Sie wurde beim Runterhüpfen ganz schön durch die Gegend geschleudert und fühlte sich hinterher eher nach Kotzen als nach sonst was. Wenigstens war sie stolz, dass sie’s überhaupt gemacht hat. Und ihr Bruder war wohl ehrlich beeindruckt, denn er hätte ihr das wirklich nicht zugetraut.

Auf dem Heimweg, den Berg runter, mussten wir dann auch nur zwei Mal anhalten – weil sie sich übergeben musste. Selbstverständlich wurde ich zum Schweigen darüber verpflichtet, denn das war dann doch zu peinlich.

Mein Papa war hinterher enttäuscht, weil er mich nicht springen sehen konnte. Meine Eltern gingen nämlich erst zu dem Event, als wir schon längst wieder weg waren. Er hätte nämlich gerne mit mir einen Tandemsprung gemacht. Irgendwann müssen wir das mal nachholen. Wenn er sich noch traut…