Was wir machen ist normal

…sagte neulich meine Frau zu mir. Wie Recht sie doch hat. Der Anlass war folgender:

Squishy spielt gerne draußen, auch wenn es regnet, es nass und dreckig ist. Und dazu gab’s in letzter Zeit ja wirklich genügend Anlass. Logischerweise hat er dann dreckige Schuhe, die ich – auch logischerweise – sehr ungern durch die Wohnung stapfen habe. Also habe ich angefangen, ihn mir zu schnappen, in die Badewanne zu stellen und ihm da die dreckigen Schuhe und Regenhose auszuziehen. Weil es ja so regnerisch war, die letzte Zeit, habe ich das ein paar Mal nacheinander gemacht mit dem Ergebnis, dass das jetzt immer so ist.  Egal ob die Sonne scheint, wir mit dem Auto unterwegs waren, vom Einkaufen kommen oder ob es draußen knochentrocken ist. Völlig egal. Die Schuhe können nur in der Badewanne ausgezogen werden. Und wehe wenn nicht, dann ist das Geschrei aber groß. Und auf Dauer ist das ganz schön nervig. Mittlerweile – nach langem, hartem Training – hat Cerah den Kleinen wieder soweit, dass er die Schuhe nicht mehr u-n-b-e-d-i-n-g-t in der Badewanne ausziehen muss.

Mir hat das Ganze ein Stirnrunzeln (leider habe ich mit der Aktion angefangen) und eine Erkenntnis eingebracht: Was wir machen ist normal. Wenn wir was vormachen, dann wird das genau so nachgemacht. Und dann ist das immer so, in Stein gemeiselt und ohne Raum für Veränderung, egal was der Grund für so eine Aktion war und ob der Grund vielleicht nicht immer zutrifft. So lässt sich das eigene Verhalten am einfachsten korrigieren, wenn man ständig den Spiegel vorgehalten bekommt. Nur muss man es halt auch korrigieren, bevor es zu spät ist.

Der Spielplatz und ich – Teil 2


Und geschaukelt habe ich. Ganz hoch! Und mit dem Kopf hinten runter. Bis es mir schlecht war.

Das Wetter war so fabulös und wunderbar warm, dass wir wieder fast den ganzen Tag draußen waren. In T-Shirt und kurzer Hose.

Und Tulpen haben wir geholt. Frisch vom Feld. Das Leben kann so schön sein, wenn das Wetter mitspielt und Sonntag ist!

Der Spielplatz und ich

Etwa 200 Meter von unserer Wohnung entfernt ist ein Spielplatz. So ein richtig schöner, großer Spielplatz. Der wurde neu gebaut als ich in der Grundschule war, da war das Wohngebiet hier nämlich alles Neubaugebiet. Später bin ich dann da immer mit meinen beiden Babysitterkindern hin und jetzt mit meinem eigenen Kind. Ich gehe da gerne hin. Squishyauch. Er liebt den Spielplatz. Bei schönem Wetter gibt es nichts besseres, um Kinder zu beschäftigen und auszupowern.

Was ich nicht liebe, sind die anderen Eltern. Die mochte ich noch nie. Auch nicht, als ich noch als Babysitter da war. Ich fühle mich da immer völlig fehl am Platz, weil ich mich nicht so benehme wie die anderen Eltern. Wenn ich auf den Spielplatz gehe, dann spiele ich auch mit dem Kind. Ich renne rum, ich buddle im Sand, ich klettere auf dem Klettergerüst, ich wippe, ich habe alberne Ideen, ich setze mich ins Gras und wenn mir danach ist, dann rolle ich da auch drin rum und gebe bescheuerte Geräusche von mir. Wieso auch nicht, das ist ein Spielplatz, der ist zum Spielen da. Dafür ernte ich in schöner Regelmäßigkeit fassungs- und verständnislose Blicke. Hauptsächlich von den Müttern, die sich mit ihren Mütter-Freundinnen auf einer Bank niederlassen, sich die nächsten zwei Stunden nicht bewegen und ständig mit Keifstimme über den Spielplatz brüllen: – Kevin, lass das. -  Nein, Anna-Sophie das ist schmutzig. – Und so weiter und so fort.

Das ist meiner Ansicht nach nicht der Sinn der Sache. Wenn mein Kind alt genug ist, dass es mich nicht mehr braucht, dann muss ich auch nicht mitgehen, sondern kann das Kind alleine schicken. Wenn das Kind mich noch braucht, dann mache ich doch auch was mit ihm und sorge dafür, dass wir gemeinsam ein bißchen Spaß haben. Vielleicht sehe ich das auch anders, weil ich nicht zuhause mit meinem Kind bin, sondern arbeiten gehe und jede Minute, die ich mit dem Kleinen verbringe sehr wertvoll für mich ist. Allerdings bin ich mit jemandem verheiratet, der das genauso sieht. Und die sich auf dem Spielplatz genauso lächerlich macht wie ich, obwohl sie den ganzen Tag mit Kind zuhause ist. Muss wohl einfach an der Einstellung liegen.

Dann war heute noch eine Familie auf dem Spielplatz bei der mich der Papa tierisch genervt hat. Der Sohn war vermutlich knapp zwei, etwas größer als Squishy und hatte blondes, wallendes Haar, das ihn wie ein Mädchen aussehen ließ. Das Kind ist also die ganze Zeit da rumgeturnt und wurde magisch von allen Fahrzeugen angezogen, die ihm nicht gehörten. Die Mama hat sich irgendwann auf einer Bank geparkt (Überraschung!) und der Papa ist mit dem Kind rumgelaufen. Da stand ein Kettcar im Sand. Das Kind musste da natürlich unbedingt drauf, gehörte schließlich nicht ihm, da war das ja klar. Und was sagt der Papa: “Ben, das gehört dir nicht.” Interessiert Ben das? Nö, nicht die Bohne. Er setzt sich trotzdem drauf. “Ben, komm da runter. Das kannst du nicht. Das ist viel zu schwierig für dich. Glaub’s mir. Du kannst das nicht.” Keine Reaktion. Dann schiebt der Papa, den Ben auf dem Kettcar den Hügel rauf. Ben fällt runter und heult. Was soll das den bitte? Wenn Ben da nicht rauf soll, weil’s nicht seins ist, dann a) hindere ich ihn daran bevor er drauf ist oder b) hole ihn runter, wenn er schon drauf ist. Und ihn dann noch schieben, ihn dafür also belohnen, dass es ihm piepegal ist, was ich sage? Nä, geht gar nicht. Was ich aber am schlimmsten fand, war ihm zu sagen, dass er das nicht kann, weil es zu schwierig ist. Und später wenn er zur Schule geht und gute Noten hat, wird ihm dann gesagt, dass er nicht aufs Gymnasium kann, weil das zu schwierig für ihn ist. Oder er kann nicht studieren, weil das zu schwierig ist? So ein Quark. Es wird genügend Dinge geben, die ihn daran hindern können, seine Träume zu verwirklichen, da brauche ich doch nicht noch Eltern, die mir von klein auf eintrichtern, dass er das nicht kann. Lass es ihn doch wenigstens versuchen und unterstütze ihn. Wenn’s nicht klappt, dann ist immer noch Zeit für Belehrungen.

Spielplätze und ich. Das ist immer so eine Sache…