Der Anruf beim Finanzamt

Weil mich diese ganze Steuerbescheid-Affäre so aufgeregt hat, habe ich heute beim meinem zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt angerufen. Den hatte ich auch schon nach 5 Minuten und 3 Mal weiter verbinden am Telefon. Meine allererste Frage war, wieso mir denn die außergewöhnliche Belastung nicht angerechnet wurde. Er guckt sich den Bescheid an und meint dann weise: Ja, da steht nichts von außergewöhnlichen Belastungen drauf. Na, wer hätte es gedacht. Das überrascht mich jetzt ungemein. Dann hat er sich den Antrag geholt und festgestellt, dass da was draufsteht. Seine Erklärung: Alle Anträge werden eingescannt und vom Programm automatisch gelesen. Das funktioniert nicht so toll vor allem wenn der Antrag nicht grün ist, wie der den man vom Amt bekommt, sondern schwarz-weiß mit Grauabstufungen wie der den wir ausgedruckt und benutzt haben. Aha. Wenn er das gesehen hätte, dann hätte er uns angeschrieben, dass er einen Nachweis braucht, dass meine unterhaltsberechtigte Lebenspartnerin keinerlei Unterstützung vom Staat bekommen hat. Sprich: ein Schreiben vom Arbeitsamt, dass keine Leistungsbezüge vorliegen. Er hat das etwas anders ausgedrückt, nämlich, eine Bestätigung der zuständigen Behörde, dass Sozialhilfe beantragt, aber abgelehnt wurde. Da bin ich mir schon nicht so sicher ob es das wirklich ist. Wir mussten das im allerersten Jahr in Frankfurt auch machen, da reichte allerdings eine von Cerah unterzeichnetes Schreiben, in dem sie versicherte kein Geld vom Staat bekommen zu haben. Das akzeptiert er aber nicht. Wie auch immer. Wir haben jetzt vier Wochen Zeit den Beleg zu beschaffen, oder wenn das nicht möglich ist, müssen wir Einspruch einlegen, bis wir so einen Beleg haben. Naja, so richtig befriedigend fand ich das nicht, aber was soll’s dann werden wir eben – mal wieder – die Behörden abtelefonieren und anschließend mit unserem Besuch beglücken. Kennen wir ja alles schon.

Am Ende des Gesprächs hat er sich dann dafür entschuldigt, dass der Antrag nicht richtig übertragen wurde und wir jetzt so ein Hickhack haben. Das hat mich dann wenigstens einigermaßen versöhnt.

Der nächste Anruf ging ans Arbeitsamt. Und da hatte ich zur Abwechslung mal richtig Glück. Die Dame war super nett, sehr verständnisvoll und wirklich hilfreich. Kommt ja nun auch nicht so oft vor. Nach kurzer Erklärung der Sachlage und dass ich eine Bestätigung bräuchte, dass meine unterhaltsberechtigte Lebenspartnerin keinerlei Bezüge erhalten hat, meinte sie ich müsse zu meinem zuständigen Arbeitsamt (eine Mini-Veranstaltung, die aus 5 Büros besteht) und da am Empfang gleich danach verlangen. Da ich den Verein ja mittlerweile zur Genüge kenne und ich durchaus lernfähig bin, bat ich sie um ihren Namen und die Telefonnummer, damit wir sie gleich anrufen können, wenn die nette, zuständige Person am Empfang uns mitteilt: Also des goht jo nid! Sowas hämmer noch nie g`macht. Leider war sie im Service-Center und hat deshalb keine direkte Durchwahl. Allerdings hat meine Ausführung sie wohl überzeugt, denn sie bat mich zu warten und war ein paar Minuten später wieder dran. Sie hätte eben mit ihrem Chef gesprochen, sie könne mir das Schreiben selbst ausstellen, dann müssten wir nicht extra zum Arbeitsamt. (Meine Gebete wurden erhört! Danke lieber Gott!) Also sind wir alle Daten durchgegangen, sie macht das Schreiben heute noch fertig und steckt es dann in die Post. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Jetzt hoffen wir das wir Freitag oder Samstag (morgen ist ja ein Feiertag) Post vom Arbeitsamt bekommen, das direkt ans Finanzamt weiterleiten können und dass mein zuständiger Sachbearbeiter (der mit Nachnamen übrigens genauso heißt, wie ein ehemaliger Mitschüler aus der  Parallelklasse) das auch akzeptiert und ich die besonderen Belastungen angerechnet bekomme.

Falls nicht, müssen wir mal schauen, was wir machen. So einfach hinnehmen kann ich das nicht, falls wir nicht damit durchkommen.

Ich glaube auch nicht, dass er die Zeile mit den besonderen Belastungen mit Absicht übersprungen hat. Denn er klang ehrlich erstaunt, als er den Antrag angeschaut hat. Und auch die Entschuldigung klang echt. Wenn er das doch mit Absicht gemacht hat, dann ist er ein verdammt guter Schauspieler und sollte vom Finanzamt direkt nach Hollywood wechseln.

Kleines PS: Mein Blog hat 50.000 Klicks. Was für ein cooles Jubiläum! Danke.

3 thoughts on “Der Anruf beim Finanzamt

  1. Congratulations on the 50.000!

    And phew! The phoning marathon went way better than expected then! :D Fingers crossed that it will all be done with soon.

  2. Die Frage, die ich mir nun stelle ist die nach Elster. Oder geht das nicht für die Einkommenssteuererklärung? Aber damit sollten solche Probleme gar nicht auftauchen. Erstaunlich finde ich allerdings, wie viel Vertrauen die in die Texterkennung stecken. Das lässt mir echt den Mund offen stehen.

    Glückwunsch zu den 50.000. ;)

  3. Es freut mich, wenn es nun doch so eine profane Erklärung dafür gibt. Gehen wir mal nicht automatisch vom schlechten im Menschen aus und glauben wir ihm die fehlerhafte Übertragung des Steuerformulars. *daumendrück*

    Ansonsten natürlich herzlichen Glückwunsch zum 50.000Klick. Ich finde meine 1200Klicks für die kurze Zeit auch schon toll! :D

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