Der Spielplatz und ich

Etwa 200 Meter von unserer Wohnung entfernt ist ein Spielplatz. So ein richtig schöner, großer Spielplatz. Der wurde neu gebaut als ich in der Grundschule war, da war das Wohngebiet hier nämlich alles Neubaugebiet. Später bin ich dann da immer mit meinen beiden Babysitterkindern hin und jetzt mit meinem eigenen Kind. Ich gehe da gerne hin. Squishyauch. Er liebt den Spielplatz. Bei schönem Wetter gibt es nichts besseres, um Kinder zu beschäftigen und auszupowern.

Was ich nicht liebe, sind die anderen Eltern. Die mochte ich noch nie. Auch nicht, als ich noch als Babysitter da war. Ich fühle mich da immer völlig fehl am Platz, weil ich mich nicht so benehme wie die anderen Eltern. Wenn ich auf den Spielplatz gehe, dann spiele ich auch mit dem Kind. Ich renne rum, ich buddle im Sand, ich klettere auf dem Klettergerüst, ich wippe, ich habe alberne Ideen, ich setze mich ins Gras und wenn mir danach ist, dann rolle ich da auch drin rum und gebe bescheuerte Geräusche von mir. Wieso auch nicht, das ist ein Spielplatz, der ist zum Spielen da. Dafür ernte ich in schöner Regelmäßigkeit fassungs- und verständnislose Blicke. Hauptsächlich von den Müttern, die sich mit ihren Mütter-Freundinnen auf einer Bank niederlassen, sich die nächsten zwei Stunden nicht bewegen und ständig mit Keifstimme über den Spielplatz brüllen: – Kevin, lass das. -  Nein, Anna-Sophie das ist schmutzig. – Und so weiter und so fort.

Das ist meiner Ansicht nach nicht der Sinn der Sache. Wenn mein Kind alt genug ist, dass es mich nicht mehr braucht, dann muss ich auch nicht mitgehen, sondern kann das Kind alleine schicken. Wenn das Kind mich noch braucht, dann mache ich doch auch was mit ihm und sorge dafür, dass wir gemeinsam ein bißchen Spaß haben. Vielleicht sehe ich das auch anders, weil ich nicht zuhause mit meinem Kind bin, sondern arbeiten gehe und jede Minute, die ich mit dem Kleinen verbringe sehr wertvoll für mich ist. Allerdings bin ich mit jemandem verheiratet, der das genauso sieht. Und die sich auf dem Spielplatz genauso lächerlich macht wie ich, obwohl sie den ganzen Tag mit Kind zuhause ist. Muss wohl einfach an der Einstellung liegen.

Dann war heute noch eine Familie auf dem Spielplatz bei der mich der Papa tierisch genervt hat. Der Sohn war vermutlich knapp zwei, etwas größer als Squishy und hatte blondes, wallendes Haar, das ihn wie ein Mädchen aussehen ließ. Das Kind ist also die ganze Zeit da rumgeturnt und wurde magisch von allen Fahrzeugen angezogen, die ihm nicht gehörten. Die Mama hat sich irgendwann auf einer Bank geparkt (Überraschung!) und der Papa ist mit dem Kind rumgelaufen. Da stand ein Kettcar im Sand. Das Kind musste da natürlich unbedingt drauf, gehörte schließlich nicht ihm, da war das ja klar. Und was sagt der Papa: “Ben, das gehört dir nicht.” Interessiert Ben das? Nö, nicht die Bohne. Er setzt sich trotzdem drauf. “Ben, komm da runter. Das kannst du nicht. Das ist viel zu schwierig für dich. Glaub’s mir. Du kannst das nicht.” Keine Reaktion. Dann schiebt der Papa, den Ben auf dem Kettcar den Hügel rauf. Ben fällt runter und heult. Was soll das den bitte? Wenn Ben da nicht rauf soll, weil’s nicht seins ist, dann a) hindere ich ihn daran bevor er drauf ist oder b) hole ihn runter, wenn er schon drauf ist. Und ihn dann noch schieben, ihn dafür also belohnen, dass es ihm piepegal ist, was ich sage? Nä, geht gar nicht. Was ich aber am schlimmsten fand, war ihm zu sagen, dass er das nicht kann, weil es zu schwierig ist. Und später wenn er zur Schule geht und gute Noten hat, wird ihm dann gesagt, dass er nicht aufs Gymnasium kann, weil das zu schwierig für ihn ist. Oder er kann nicht studieren, weil das zu schwierig ist? So ein Quark. Es wird genügend Dinge geben, die ihn daran hindern können, seine Träume zu verwirklichen, da brauche ich doch nicht noch Eltern, die mir von klein auf eintrichtern, dass er das nicht kann. Lass es ihn doch wenigstens versuchen und unterstütze ihn. Wenn’s nicht klappt, dann ist immer noch Zeit für Belehrungen.

Spielplätze und ich. Das ist immer so eine Sache…

0 thoughts on “Der Spielplatz und ich

  1. HA, es gibt doch nichts schöneres als sich wie ein Kind zu benehmen und das auch nich in aller Öffentlichkeit. Wenn unser Kleiner endlich Interesse an Spielplätzen hat, freu ich mich da schon sehr drauf.
    Ich geb Dir völlig recht, dass die meisten Eltern ziemlich blöd sind, wie sie da auf den Bänken hocken und ihren Kindern nur gelegentlich hinterher schreien, aber auf der anderen SEite kann ich sie auch gut verstehen. Wahrscheinlich würdest Du mich in beiden Positionen finden. Mal spielend mit dem Gnom und mal auf der Bank sitzend und ein Buch lesen oder plaudern. Wenn sie der kleine Mann mal selbst beschäftigt, bin ich über die Pause auch mal ganz froh….

  2. naja, ich gebe dir zum teil recht. die kettcar-geschichte sehe ich genau so wie du. mein sohn ist 3einhalb und ich kann ihn nicht alleine auf den spielplatz lassen. einerseits wegen der strasse nicht (lebe in zürich), zum anderen weil ich meine aufsichtspflicht verletzten würde und mir das einfach zu heikel wäre, falls er sich zum beispiel verletzt. ich setzte mich auch dem spielplatz gerne zu bekannten und quatsche mit ihnen, während dem die kinder zusammen spielen. und dabei muss man sie – grad wenn sie in der gruppe quatsch machen – schon mal zurechtweisen. wenn ein kind mit sand rumschmeisst zum beispiel. für mich ist der spielplatz ein ort wo ich unter anderem hingehe, um mal nicht mit ihm spielen zu müssen. tobias spiel kaum alleine, da bin ich schon froh, wenn ich ihn nicht die ganze zeit bespassen muss. wenn keine kinder da sind, die tobias kennt und mit denen er spielen mag, spiele ich natürlich auch mit ihm.

  3. Ehrlich gesagt, bin ich – nach einer Nacht drüber schlafen – auch zum Ergebnis gekommen, dass ich mich auf ner Bank parken würde, wenn ich auch sonst den ganzen Tag ein Bespassungsprogramm durchziehen müsste. Der Unterschied liegt wohl echt dadrin, dass ich den ganzen Tag arbeiten will und dann wirklich jede Minute auskosten möchte, die ich ihn sehe.

  4. Hm hm hm… also erstmal zu der Sache mit dem Vater und Ben: Sowas kann ich gar nicht leiden. Nichtmal ein ganz ganz bisschen. so kann man Kindern nicht nur ihr eigenes können madig reden sondern auch alles was neu ist:” Nein die Möhren magst Du nicht. Nein die Schale vom Apfel schmeckt aber nicht.” Und so weiter. Ich hasse das und versuche es bewußt zu vermeiden.
    Und nun zum Spielplatz: Ich geh da irgendwie gar nicht gern hin. Aus dem gleichen grund, ich kann mit den Müttern die rumsitzen nichts anfangen. Ich spiele auch gern mit und schubse an und wippe und rutsche (rutsche mit) und so. Und außerdem bin ich zu faul für den Spielplatz, ich mache lieber die Terassentpür auf und wir gehen in den Garten. Und da sitz ich dann DOCH gern mit einem Buch am Rand und lese. Oder ich schnippel/grabe irgendwo rum. Aber sooo groß ist unser Garten nicht und da hats sich schnell ausgeschnippselt.

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