Apr
30
2008
3

Der Anruf beim Finanzamt

Weil mich diese ganze Steuerbescheid-Affäre so aufgeregt hat, habe ich heute beim meinem zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt angerufen. Den hatte ich auch schon nach 5 Minuten und 3 Mal weiter verbinden am Telefon. Meine allererste Frage war, wieso mir denn die außergewöhnliche Belastung nicht angerechnet wurde. Er guckt sich den Bescheid an und meint dann weise: Ja, da steht nichts von außergewöhnlichen Belastungen drauf. Na, wer hätte es gedacht. Das überrascht mich jetzt ungemein. Dann hat er sich den Antrag geholt und festgestellt, dass da was draufsteht. Seine Erklärung: Alle Anträge werden eingescannt und vom Programm automatisch gelesen. Das funktioniert nicht so toll vor allem wenn der Antrag nicht grün ist, wie der den man vom Amt bekommt, sondern schwarz-weiß mit Grauabstufungen wie der den wir ausgedruckt und benutzt haben. Aha. Wenn er das gesehen hätte, dann hätte er uns angeschrieben, dass er einen Nachweis braucht, dass meine unterhaltsberechtigte Lebenspartnerin keinerlei Unterstützung vom Staat bekommen hat. Sprich: ein Schreiben vom Arbeitsamt, dass keine Leistungsbezüge vorliegen. Er hat das etwas anders ausgedrückt, nämlich, eine Bestätigung der zuständigen Behörde, dass Sozialhilfe beantragt, aber abgelehnt wurde. Da bin ich mir schon nicht so sicher ob es das wirklich ist. Wir mussten das im allerersten Jahr in Frankfurt auch machen, da reichte allerdings eine von Sarah unterzeichnetes Schreiben, in dem sie versicherte kein Geld vom Staat bekommen zu haben. Das akzeptiert er aber nicht. Wie auch immer. Wir haben jetzt vier Wochen Zeit den Beleg zu beschaffen, oder wenn das nicht möglich ist, müssen wir Einspruch einlegen, bis wir so einen Beleg haben. Naja, so richtig befriedigend fand ich das nicht, aber was soll’s dann werden wir eben – mal wieder – die Behörden abtelefonieren und anschließend mit unserem Besuch beglücken. Kennen wir ja alles schon.

Am Ende des Gesprächs hat er sich dann dafür entschuldigt, dass der Antrag nicht richtig übertragen wurde und wir jetzt so ein Hickhack haben. Das hat mich dann wenigstens einigermaßen versöhnt.

Der nächste Anruf ging ans Arbeitsamt. Und da hatte ich zur Abwechslung mal richtig Glück. Die Dame war super nett, sehr verständnisvoll und wirklich hilfreich. Kommt ja nun auch nicht so oft vor. Nach kurzer Erklärung der Sachlage und dass ich eine Bestätigung bräuchte, dass meine unterhaltsberechtigte Lebenspartnerin keinerlei Bezüge erhalten hat, meinte sie ich müsse zu meinem zuständigen Arbeitsamt (eine Mini-Veranstaltung, die aus 5 Büros besteht) und da am Empfang gleich danach verlangen. Da ich den Verein ja mittlerweile zur Genüge kenne und ich durchaus lernfähig bin, bat ich sie um ihren Namen und die Telefonnummer, damit wir sie gleich anrufen können, wenn die nette, zuständige Person am Empfang uns mitteilt: Also des goht jo nid! Sowas hämmer noch nie g`macht. Leider war sie im Service-Center und hat deshalb keine direkte Durchwahl. Allerdings hat meine Ausführung sie wohl überzeugt, denn sie bat mich zu warten und war ein paar Minuten später wieder dran. Sie hätte eben mit ihrem Chef gesprochen, sie könne mir das Schreiben selbst ausstellen, dann müssten wir nicht extra zum Arbeitsamt. (Meine Gebete wurden erhört! Danke lieber Gott!) Also sind wir alle Daten durchgegangen, sie macht das Schreiben heute noch fertig und steckt es dann in die Post. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Jetzt hoffen wir das wir Freitag oder Samstag (morgen ist ja ein Feiertag) Post vom Arbeitsamt bekommen, das direkt ans Finanzamt weiterleiten können und dass mein zuständiger Sachbearbeiter (der mit Nachnamen übrigens genauso heißt, wie ein ehemaliger Mitschüler aus der  Parallelklasse) das auch akzeptiert und ich die besonderen Belastungen angerechnet bekomme.

Falls nicht, müssen wir mal schauen, was wir machen. So einfach hinnehmen kann ich das nicht, falls wir nicht damit durchkommen.

Ich glaube auch nicht, dass er die Zeile mit den besonderen Belastungen mit Absicht übersprungen hat. Denn er klang ehrlich erstaunt, als er den Antrag angeschaut hat. Und auch die Entschuldigung klang echt. Wenn er das doch mit Absicht gemacht hat, dann ist er ein verdammt guter Schauspieler und sollte vom Finanzamt direkt nach Hollywood wechseln.

Kleines PS: Mein Blog hat 50.000 Klicks. Was für ein cooles Jubiläum! Danke.

Written by Belle in: Alltag |
Apr
29
2008
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Ich sehe rot, tiefrot

Wir haben letzte Woche unseren Steuerbescheid bekommen.

Ich hätte heulen können. Nicht mal ein Drittel des Geldes, das wir in Frankfurt bekommen haben, wird uns zugestanden. Das war enttäuschend, sehr enttäuschend. Um ehrlich zu sein war ich schockiert. Ich hatte mit dem Geld gerechnet bzw. es schon fest verplant. Und jetzt das! Wenn ich nur dran denke kommen mir die Tränen vor Wut. Denn nach Vergleich mit dem Bescheid von letztem Jahr, weiß ich jetzt auch, wieso wir so wenig zurückbekommen. Die Ärsche haben Sarah nicht angerechnet, die ich – wie jedes Jahr – als außergewöhnliche Belastung angegeben habe. Da wir ja nicht als “echtes” Ehepaar gelten, kein Splitting oder ähnliches machen können und ich nach wie vor Steuerklasse I bin, – ich könnte kotzen- ist die einzige Möglichkeit wenigstens ein bisschen eine Steuererleichterung zu bekommen, den Lebenspartner als außergewöhnliche Belastung abzusetzen. Und die haben das nicht anerkannt. Das kann’s ja wohl nicht sein. In Frankfurt war das nie ein Problem. Und in diesem blöden Kaff im konservativen Baden-Württemberg übersehen die geflissentlich, dass da auf dem Antrag noch was steht. Dürfen die das überhaupt? Sollte das nicht in der ganzen Republik gleich laufen? Wieso kann ich das in Frankfurt machen und hier nicht?

Ich muss da morgen gleich mal anrufen. Bin mal gespannt, was die zu sagen haben. Sicher irgendwas wie: ja, wegen höherem Verdienst und dieser und jener Regelung ist das so…blablabla…hat seine Richtigkeit…können wir nicht ändern… Ich rege mich jetzt schon auf, wenn ich daran denke.

Kann ich dagegen klagen? Jemanden zusammenschlagen oder sonst was machen? Ich bin so angepisst, ich kann es nicht in Worte fassen.

Wie sollen wir da bitte jemals auf einen grünen Zweig kommen? Von dem, was jeden Monat brutto auf dem Gehaltszettel steht, sehe ich auf meinem Konto nur etwas mehr als die Hälfte. Und ich verdiene nicht so viel, dass das in irgendeiner Weise gerechtfertigt wäre. Je länger ich diese Ungerechtigkeit mitmachen muss, um so mehr fange ich an, mich mental darauf vorzubereiten nach Kanada auszuwandern. Wenigstens wären wir da rechtlich einem Ehepaar gleichgestellt. Die Einkommensteuer ist so niedrig, dass ich mindestens 75 % meines Bruttoeinkommens in den Händen hätte und eine bescheuerte Stiefkindadoption müssten wir auch nicht machen. Wenn ich nur daran denke, dass wir das beim (hoffentlich) nächsten Kind hier machen müssen, wird mir schlecht. Da können wir uns glücklich schätzen, wenn die Adoption durch ist bevor das Kind 18 wird.

Mir ist das alles so aufs Gemüt geschlagen, dass ich seit Tagen schon unausstehlich bin und die Welt verfluche. Passenderweise geht dann natürlich alles schief, die Lüftung im Auto ist kaputt, wir brauchen neue Reifen, die Spülmaschine macht am Verrecken rum und ich bin einfach nur wütend. Ich hasse es, ungerecht behandelt zu werden. Hasse, hasse, hasse es!

Danke, dass ich dafür bestraft werde, dass ich nicht mein ganzes Leben unglücklich sein will und mich nicht selbst verleugne. Vielen herzlichen Dank.

Written by Belle in: Alltag |
Apr
29
2008
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Kleiner Tipp

Wenn ihr mal Sudoku spielt und alles doof ist, weil nix mehr geht, dann versucht es doch mal hiermit. Einfach Zahlen eingeben und “solve” drücken. Schwuppdiwupp, kommt die Lösung. Noch bin ich nicht so weit, aber wenn ich erst mal das Fortgeschrittenen-Sudoku anfange, sehe ich mich schon alle zwei Minuten zum Computer rennen, weil es nicht mehr weitergeht.

Written by Belle in: Alltag |
Apr
28
2008
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Was wir machen ist normal

…sagte neulich meine Frau zu mir. Wie Recht sie doch hat. Der Anlass war folgender:

Nicholas spielt gerne draußen, auch wenn es regnet, es nass und dreckig ist. Und dazu gab’s in letzter Zeit ja wirklich genügend Anlass. Logischerweise hat er dann dreckige Schuhe, die ich – auch logischerweise – sehr ungern durch die Wohnung stapfen habe. Also habe ich angefangen, ihn mir zu schnappen, in die Badewanne zu stellen und ihm da die dreckigen Schuhe und Regenhose auszuziehen. Weil es ja so regnerisch war, die letzte Zeit, habe ich das ein paar Mal nacheinander gemacht mit dem Ergebnis, dass das jetzt immer so ist.  Egal ob die Sonne scheint, wir mit dem Auto unterwegs waren, vom Einkaufen kommen oder ob es draußen knochentrocken ist. Völlig egal. Die Schuhe können nur in der Badewanne ausgezogen werden. Und wehe wenn nicht, dann ist das Geschrei aber groß. Und auf Dauer ist das ganz schön nervig. Mittlerweile – nach langem, hartem Training – hat Sarah den Kleinen wieder soweit, dass er die Schuhe nicht mehr u-n-b-e-d-i-n-g-t in der Badewanne ausziehen muss.

Mir hat das Ganze ein Stirnrunzeln (leider habe ich mit der Aktion angefangen) und eine Erkenntnis eingebracht: Was wir machen ist normal. Wenn wir was vormachen, dann wird das genau so nachgemacht. Und dann ist das immer so, in Stein gemeiselt und ohne Raum für Veränderung, egal was der Grund für so eine Aktion war und ob der Grund vielleicht nicht immer zutrifft. So lässt sich das eigene Verhalten am einfachsten korrigieren, wenn man ständig den Spiegel vorgehalten bekommt. Nur muss man es halt auch korrigieren, bevor es zu spät ist.

Written by Belle in: Alltag |

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