Der wohl merkwürdigste Geburtstag bisher

Da war oder ist als heute mein Geburtstag. Das übergehe ich meistens ganz gerne, denn so besonders finde ich das jetzt nicht unbedingt. Ist ja keine Leistung ein Jahr älter zu werden. Auf jeden Fall war ich heute wieder fit genug, dass ich arbeiten gehen konnte. Das kam mir auch ganz entgegen, denn leider habe ich keine richtige Vertretung, alles bleibt liegen und heute früh musste ich erst mal meinen Schreibtisch unter all dem Papier wieder finden. Dabei war ich nur 2,5 Tage weg. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das wird, wenn ich mal zwei Wochen in Urlaub gehe.

Und dann ging es weiter. Ich bekam eine merkwürdige Geschichte von Fischgräten und Krankenhäusern zu hören, die ich erst kapierte, als ich den ganzen Zusammenhang bekam.

Der Chef rief meinen Kollegen (Stinky) und mich in sein Büro: Der andere Chef war vorgestern zu einem Geschäftstermin unterwegs gewesen und hatte sich beim Mittagessen an einer Fischgräte verschluckt. Das wurde so schlimm, dass er da beim potenziellen Kunden erst zum Betriebsarzt musste und dann die Nacht im Krankenhaus verbrachte, wo man das Teil endlich entfernen konnte. Und das war der harmlose Teil. Denn im Krankenhaus fielen seine schlechten Blutwerte auf – eine sechsfach erhöhte Leukozytenzahl. Das war schon besorgniserregend, aber genaueres wussten wir nicht.

Fünf Minuten später klingelte das Handy des Chefs und er verschwindet den Rest des Morgens zum Frühstücken beim anderen Chef.

Als er dann endlich wieder auftauchte, hatte er eine dicke, fette Sonnenbrille auf und war völlig durch den Wind. Beim anderen Chef wurde heute die Diagnose Leukämie gestellt.

Der Mann ist Mitte vierzig und hat zwei Kinder. War bisher kerngesund und nur durch eine bescheuerte Fischgräte wurde festgestellt, dass er Blutkrebs hat. Auf der Arbeit wissen das bisher nur wir von der Geschäftsführung. Montag kommt er wieder und lässt offiziell verlauten, dass er krank ist.

Merkwürdige Sache. So richtig Feierlaune ist da bei mir natürlich nicht mehr aufgekommen. Gestern erst hatten Cerah und ich es davon, dass es mir schwerfallen wird, in einem Jahr wieder zu gehen, weil ich da so gut hinpasse und die Kollegen eher wie Freunde sind. Schon komisch wie das Leben so spielt.

Jetzt müssen wir erst mal sehen, was passiert, wie das alles weitergeht und wie die Therapie aussieht. So wirklich freuen tue ich mich auf Montag nicht.