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Mal wieder eigentlich

Eigentlich hatte ich vor heute Abend ungefähr zwei Millionen Dinge zu erledigen, die ich unbedingt erledigen sollte. Ganz oben auf der Liste war das Katzenklo und das ist auch das einzige, was ich gemacht habe. Ansonsten wollte ich noch Wäsche falten, abwaschen, fegen und einen wahnsinnig langen, wahnsinnig geistreichen Eintrag für meinen Blog verfassen. So viel zur Theorie. In der Praxis bin ich faul und müde. Allerdings habe ich keine Lust ins Bett zu gehen, weil ich dann jedes Mal aufwache wenn Cerah heimkommt und dann nach meinem Nickerchen ewig lang wach bin. Das muss ja auch nicht sein.

Mir fällt da auch gerade ein wieso ich denn so müde bin. Ich sage nur Reisepass. Nicht meiner selbstverständlich, denn das wäre ja kein Problem. Nein, Cerahs Pass ist Mitte Dezember abgelaufen und wir haben es nicht bemerkt. Letzte Woche kam dann der Schock beim Da-war-doch-was Nachschauen, wann der denn ausläuft. Da war es dann schon zu spät. Kein Drama sollte man meinen. Dachte ich auch mal, aber ich lag falsch. Als Ausländer in Deutschland ist so ein Reisepass enorm wichtig und wenn er ungültig ist, hat man ein Problem. Wenn man dann noch Kanadier ist und weiß wie schwer es ist, einen neuen zu bekommen, hat man ein riesen Problem. Und das haben wir jetzt.

Die Kanadier machen das ganze etwas kompliziert. Es gibt da so ein tolles Formular, darüber, was man die letzten fünf Jahre gemacht hat, was man penibelst auszufüllen hat. Teil davon ist es auch, zwei Personen zu benennen, die nicht mit dem Antragsteller verwandt sind, die man länger als zwei Jahre kennt und die bezeugen können, dass man ist, wer man behauptet zu sein. Die Personen sind mit Namen, Adresse und Telefonnummer zu belegen und werden dann tatsächlich auch von der Botschaft angerufen.

Und dann kommt der wirkliche Spaß. Die Unterschrift eines Bürgen, der entweder ein Arzt, Polizist oder eine Person sein muss, die in einer staatlichen Behörde arbeitet. Natürlich darf man mit dem Bürgen auch nicht verwandt sein und man muss ihn länger als zwei Jahre kennen. Hört sich nicht so dramatisch an, zum Arzt geht ja schließlich jeder, wenigstens zum Hausarzt. Gut, wir sind eben erst umgezogen. Sollte ja auch nicht so schlimm sein, schließlich haben wir vorher schon hier gewohnt. Problem dabei: Der einzige Arzt bei dem Cerah damals mehr oder weniger regelmäßig war, war der Hausarzt. Unglücklicherweise ist der vor nicht allzu langer Zeit an Krebs gestorben. Ergo haben wir niemanden, der diese Kriterien erfüllt.

Für solche Fälle gibt es dann noch ein Formular, welches man von einem Notar beglaubigen lassen muss. Und da fängt der Spaß dann richtig an. Erstmal die Sache mit dem Termin. Das dauert natürlich schon mal eine Woche. Dann der Notar selbst. Das Formular ist auf englisch, logisch ist ja auch Kanada. Dazu hat er zum Glück nichts gesagt. Allerdings hat er sich geweigert, das Formular zu unterschreiben, denn das geht ja nicht. Er kann nicht garantieren, dass Cerah Cerah ist. Das einzige, was er machen kann, ist bezeugen, dass die Person vor ihm, die behauptet Cerah zu sein, das Formular ebenfalls unterzeichnet hat. Und das natürlich nur in der Form wie das in Deutschland üblich ist, was immer er damit auch meint. Er schickt uns das dann in zwei, drei Tagen zu.

Prima, wieder eine Woche vertrödelt. Und vermutlich schickt er was, was die kanadische Botschaft sowieso nicht akzeptiert. Es ist zum schreien.

Zu allem Überfluss kam dann noch so ein nettes Schreiben von der Ausländerbehörde. Nach unseren Unterlagen ist ihr Reispass abgelaufen. Den neuen vorlegen! Sofort! Und biometrischen Passbild mit dazu! Bis nächste Woche! Sonst krachts! Genau das, was wir gebraucht haben. Nach einem netten Gespräch mit der Dame vom Amt haben wir uns jetzt auf Mitte Februar geeinigt. Wenn der neue Pass bis dahin nicht da ist, wollen die eine Bescheinigung der Botschaft. Keine Ahnung, was das sein soll, aber bitte. Wundervoll! Kann es denn noch besser werden?

Billig ist der ganze Spaß natürlich auch nicht und unterm Strich werden wir wohl um die 200 Euro für dieses kleine Büchlein mit den leeren Seiten berappen müssen.

Cerah geht auf dem Zahnfleisch, weil sie jetzt quasi eine Illegale ist. Wenn irgendwas passiert, sind wir hinüber. Dann wird es richtig übel, den das ist der einzige richtige amtliche Ausweis, den sie hat bzw. hatte. Das Land verlassen kann sie auch nicht und so lange Cerah keinen Pass hat, können wir auch keinen für Squishy beantragen. Den wir aber gerne hätten, den eigentlich wollten wir in naher Zukunft in die Niederlande fahren. Es ist echt zum Schreien und zehrt ungemein an den Nerven. Hoffentlich bekommen wir das möglichst bald und möglichst schmerzlos über die Bühne.

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No Responses to “Mal wieder eigentlich”

  1. Pat says:

    Da stellen sich die Kanadier aber wirklich oberpenibel an. Das ist ja übelst, was die wollen. Ich weiß ja nicht wirklich, was die Tschechen in dem Fall wollen, aber so etwas kann ich mir kaum vorstellen. Was machen die denn dann mit Einsiedlern. Ich müsste für meinen Schatz dann irgendwo haufen Fremde auftreiben. Uiuiui, zum Glück gibt es genug Klassenkameraden…

    Bleibt aber eine Frage. Wieso braucht ihr für die Niederlande für den kleinen einen Pass? Ist er Kanadier?

  2. Okay, brauchen tun wir den Pass nicht unbedingt. Wir hätten ihn halt gerne, denn man weiß ja nie was passiert. Nein, er ist Deutscher. Obwohl wir uns das mit dem kanadischen Pass schon überlegt haben. Allerdings ist das mit der kanadischen Staatsbürgerschaft noch viel komplizierter als mit so einem läppischen Reisepass.

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