Sonntag

Morgen muss ich wieder arbeiten und irgendwie habe ich keine Lust. Es war so schön, einfach nur nichts zu tun und mit der Familie rumzuhängen. Squishy schläft auch so wunderbar von 19:00 Uhr bis um 9:00 oder sogar 9:30 Uhr. Wenn das keine paradiesischen Urlaubszustände sind weiß ich auch nicht. Dann gemütlich frühstücken, mit dem Kleinen spielen, Essen, Mittagsschlaf (Nick, nicht ich) und heute Mittag sind wir spazieren gegangen. Spazierengehen sieht bei uns mittlerweile etwas anders aus als noch vor ein paar Monaten. Wir sind nämlich alle drei zu Fuß unterwegs und zuckeln langsam und gemütlich den Gehweg entlang. Ab und zu wird Squishy ein bißchen getragen, dann laufen wir wieder ein bißchen und so weiter. Squishyfindet das prima, im Kinderwagen ist es ihm immer ein wenig langweilig. Er ist sehr aktiv und hält außer da, in seinem Autositz und im Hochstuhl eigentlich nie still. Und da überall am Wegrand Hecken stehen, hat er auch was, das er bewundern und antatschen kann. Oder anpusten, wie er das heute gemacht hat. Das ist nämlich auch ganz prima. Und zum Abendessen gab’s Waffeln.

Lecker. Leider mussten wir feststellen, dass SquishyWaffeln nicht sonderlich mag. Naja, da bleibt dann wenigstens mehr für uns. Das enorm coole Mickey-Waffeleisen haben wir zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen und heute war der erste Versuch, damit auch Waffeln zu machen. Die ersten paar Mickeys hatten nur so Stummelohren, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und gut geschmeckt haben sie sowieso.

Jetzt ist der kleine Mann seit einer halben Stunde im Bett und wir machen uns einen gemütlichen Allerletzter-Ferientag-Abend. Seufz. Morgen darf ich mich wieder mit dem hustenden Stinky rumschlagen. Da habe ich sowas von überhaupt keine Lust darauf. Kann ich den nicht feuern? Oder ihn wenigstens hinter eine schall- und geruchsdichte Wand stecken?

Übrigens habe ich heute festgestellt, dass ich die Vogesen sehen kann, wenn ich aus meinem geliebten Küchenfenster schaue. Das geht allerdings nur im Winter wenn die ganze Vegetation schläft. Ist aber schon irgendwie cool.

Nebenwirkung

Was sonst noch so passiert, wenn ich mir eine Woche lang nur englische TV-Serien anschaue ist, dass ich einen totalen Englisch-Flash bekomme. Klar reden wir zuhause nur englisch, aber der Radio und das Fernsehen sprechen trotzdem Deutsch. Schließlich sind wir ja in Deutschland. Wenn ich dann aber eine Woche Urlaub habe und zusätzlich noch nur englische Filme und Serien anschaue, fällt es mir die ersten zwei Tage auf der Arbeit richtig schwer, vernünftige deutsche Sätze rauszubringen, die auch noch Sinn machen und keine miserabel übersetzten Anglizismen oder englischen Wörter enthalten.

Die andere Nebenwirkung ist die, dass mich das dringende Bedürfnis überkommt mal wieder in einem englischsprachigen Land zu leben. Und britisch-englisch zählt für mich nicht, weil ich die sehr schwer zu verstehen finde. Ich habe halt in den USA zu sprechen gelernt und bin mit einer Kanadierin verheiratet. Das würde das ausreichend erklären.

Manchmal denke ich darüber nach, wie es wohl wäre, in Kanada zu leben. Draußen auf dem Land irgendwo, wo es so still und so schon friedlich ist. Ganz ohne Nachbarn mit einem riesigen Garten, in einem kleinen Häuschen, mit Schaukel, Rutsche und Pool im Garten. Wo wir als richtiges Ehepaar mit den selben Rechten anerkannt werden. Das hat schon was. Manchmal fühle ich mich dann zu alt dafür, nochmal ganz von vorne anzufangen und manchmal würde ich am liebsten meine Koffer packen und gleich in den Flieger steigen. Allerdings kenne ich mich und weiß, dass mir das sehr schwer fallen würde. Ein Jahr Au-Pair ist was anderes. Das ist von vorne herein nur auf ein Jahr beschränkt und dann ist klar, dass man wieder nachhause geht. Und ich würde meine Familie vermissen und die Kleinstadt hier und alle Dinge, die dieses Fleckchen der Erde zu dem machen, was es ist.

Hm, scheint wohl so ein generelles Ding von mir zu sein, dass mich immer mal wieder dem Fernweh hingegebe. Müssen wir halt schauen, dass wir bald mal für eine Weile von hier weg kommen. Komisch eigentlich, schließlich sind wir doch erst seit September hier. Allerdings haben wir schon lange keine Reise mehr unternommen. Das müssen wir dringend nachholen.