Dieses und Jenes

Cerah sitzt am Esstisch und schnitzt mit ihrem Taschenmesser einen Holzanhänger für das Pfadfinder Weihnachtswichteln. Klein-Squishyist im Bett und schläft. Die Spülmaschine läuft vor sich hin und verbreitet mit ihrem Wasserrauschen Urlaubsstimmung. Die ist nämlich etwas älter und somit auch etwas lauter, etwas sehr lauter, aber wir müssen es nicht selbst machen und das ist alles was zählt.

Heute Nachmittag waren wir mit dem kleinen Mann beim Arzt, denn er ist seit einer Woche erkältet und es wird einfach nicht besser. Zum Schnupfen kam jetzt noch Husten dazu und ständig fummelt er sich an den Ohren rum. Und da wir alle wissen, dass bei mir die Ohren auch so ein Schwachpunkt sind, dachten wir, bringen wir ihm zum Arzt bevor da eine Entzündung oder sonst was ist. Zum Glück gab der Arzt Entwarnung, das seien alles nur Erkältungsnebenwirkungen und der Druck auf den Ohren, der ihn wehtut. Wenigstens haben wir jetzt Nasentropfen und hoffen, dass ihn das heute Nacht besser atmen und schlafen lässt.

Am Samstag waren wir übrigens bei unserem Neubürgerempfang im Rahmen des Weihnachtsmarktes. So richtig echte Neubürger sind wir natürlich nicht, aber wir waren eingeladen, also sind wir auch hin. Wie sich das so gehört hat der Bürgermeister ein bißchen was über Geschichte und Leben hier erzählt. Es gab Wein, war auch klar, schließlich leben wir in einer Weinregion und die Damen und Herren vom Stadtspiel haben zwei Liedchen vorgetragen. Es gab Einkaufsgutscheine zu gewinnen und Squishy war der brävste Neubürger überhaupt. Er hat eine ganze Stunde lang geduldig abwechselnd auf meinem und auf Cerahs Schoß gesessen und hat sich kein bißchen beschwert. Schon unglaublich, was wir für ein ausgeglichenes Kind haben.

Hier drinne fand der Empfang statt. Ein wunderschön restauriertes altes Fachwerkhaus. Erstaunlich, was man mit genug Geld und Phantasie aus so einem Haus machen kann.

Das wirklich amüsante kam dann allerdings erst, als wir uns wieder auf den Heimweg gemacht haben. Da haben wir nämlich meine Tante mit ihrer Enkelin getroffen. Ich muss dazu sagen, dass ich mit ihr so gut wie überhaupt nichts zu tun habe und das ist uns beiden glaube ich ziemlich recht. Auf jeden Fall war sie gerade mit der Kleinen beim Nikolaus, der Geschenke verteilt hat und wir kamen seitlich den Hügel runter. Sie hat uns gesehen, weggeschaut, sich überlegt ob sie uns ignorieren soll bzw. kann, kam dann aber zum Ergebnis, dass wir sie wohl schon gesehen haben und das deshalb nicht mehr geht und hat dann ein extrem falsches Lächeln aufgesetzt und uns in übertrieben hoher Tonlage begrüßt oder eher angequietscht und uns die Hand geschüttelt. Dann kam ein: Wie geht’s? Sie müsse weiter und dass sie sich demnächst mal meldet. Das ganze ging ungefähr dreißig Sekunden und war so falsch, dass wir uns das eigentlich hätten sparen können. Wenn sie nicht so viel Respekt vor meinen Eltern hätte, hätte sie uns den Rücken zugedreht und wäre weitergegangen. Das Gute daran ist, dass sie sich nicht melden wird. Wozu auch? Was will sie mir sagen? Ich kann sie nicht leiden und sie mich nicht. Als diese Episode dann vorbei war, musste ich erst mal grinsen. Ich habe kein Problem damit, hallo zu sagen, aber auf so geheucheltes Zeug kann ich gut verzichten. Schon als Kind konnte ich sie nie richtig leiden und sie mich genauso wenig. Bei ihrem Mann geht es mir übrigens nicht anders. Da sieht man mal, dass man auch als Kind schon ziemlich genau weiß, wer was taugt und wer nicht.