Schon wieder Mitternacht

Neuerdings bin ich immer so totmüde wenn ich heimkomme, dass ich eigentlich nur noch ins Bett will. Cerah hatte heute eine Leiterbesprechung also habe ich genau das gemacht. Ich hab mich für ne halbe Stunde mit Squishy in die Badewanne gesetzt und hab danach zuerst ihn, dann mich ins Bett gebracht. War auch alles schön und gut, aber natürlich musste ich aufwachen als Cerah dann heimkam, obwohl sie ganz leise war und ich eigentlich hätte weiterschlafen können. Wir haben uns kurz unterhalten, dann wollten wir endlich schlafengehen. Aber Pustekuchen. Mein Hirn ist aufgewacht und hat angefangen zu denken und zu denken und noch mehr zu denken. An Schlaf war nicht mehr zu denken, dafür an alles andere und so bin ich nun hier, um meine Gedanken zu ordnen, loszuwerden und dann wieder ins Bett zu gehen.

Die Buchhaltung nervt mich. Ständig muss ich daran denken, welche Belege ich noch wie bearbeiten muss und wann ich sie an Steuerberater schicken soll und ob die auch jetzt alles haben. Das nervt, aber leider kann ich’s nicht abschalten. Ich muss da dringend Ordnung reinbringen, sonst hab ich noch mehr schlaflose Nächte. Beim vorherigen Arbeitgeber konnte ich am Anfang nicht schlafen, weil da den ganzen Tag das Telefon geklingelt hat und mich das bis in den Schlaf verfolgt hat. Und bei dem vorher habe ich nachts das Aktenverzeichnis studiert, weil das so ausgeklügelt war und der Chef gerne Quiz gespielt hat. So nach dem Motto: Was bedeutet ein P an dieser Stelle des Aktenzeichens? Aber das ging alles vorbei und war ebenfalls nur am Anfang so.

Wir wurden eingeladen. Als Neubürger unserer Stadt zu einem netten Beisammensein (Neubürgerempfang) im Rahmen des Weihnachtsmarktes Anfang Dezember. Finde ich total schön und wenn es irgendwie geht, gehen wir da auch hin. Bin ja mal gespannt, was die da so bieten und wie sie unser wunderschönes Städtchen anpreisen. Nicht dass wir jetzt unbedingt echte Neubürger sind, eher Wiederbürger, aber alleine die Geste muss belohnt werden.

Ich hab heute endlich kapiert, wieso alle sagen, alles wird anders wenn der Kleine erst mal läuft und dass ich mir bald wünschen werde, er hätte sich noch länger Zeit gelassen und wie anstrengend das doch ist. Das liegt wohl daran, dass die allermeisten Kinder erst anfangen zu stehen, sich überall hochzuziehen und Dinge von Tische und sowas runterzureißen, wenn sie laufen können. Denn der eine Vater in der Krabbelgruppe hat das heute zu Cerah gesagt, wie anstrengend er das findet und das es doch was ganz anderes ist. Das heißt für uns: Es ändert sich überhaupt nichts. Hätte ich zwar auch nicht wirklich erwartet, aber wenn man das immer gesagt bekommt, dann macht man sich halt doch so seine Gedanken. Dazu muss ich sagen, Squishy hat noch nie irgendwo still gesessen. Er zieht sich schon seit Ewigkeiten an allem hoch und versucht auf alles drauf zu klettern. Sein Trinkbecher stand schon immer auf dem Esszimmertisch, damit er da hinkrabbeln, aufstehen, trinken und dann weiterkrabbeln kann. Das einzige was sich für uns ändert ist also, dass er, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen, nun nicht mehr krabbelt sondern eben läuft und das war’s auch schon. Er ist immernoch gleich groß und kommt an die gleichen Sachen dran und das wars. Ich kann schon verstehen, dass es gewöhnungsbedürftigt ist, wenn das Baby auf einmal nicht mehr still dasitzt, sondern sich  mehr als einen Meter nach links und einen Meter nach rechts bewegt. Manchmal brauch ich halt etwas länger bis ich kapiere, was es mit manchen dieser Erziehungsweisheiten auf sich hat.

Ach und ich habe heute auch festgestellt, dass wir wohl die Alptraum-Eltern jeder Erzieherin und jedes Lehrers sein werden. Und ich amüsiere mich jetzt schon darüber. Wir machen so viele Sachen so komplett anders als die anderen Krabbelgruppeneltern das machen. Unser Kind ist wahnsinnig lebendig, super aktiv, unheimlich neugierig und zu allen Schandtaten bereit. Wenn ich mir so ankucke, was wir für Quatsch mit ihm machen, wundert mich das auch nicht. Ich glaube manchmal, wir haben ihr nur zum Spaß haben und sind vollkommen zufrieden damit. Squishy hat einen sehr starken Willen und ist für sein Alter sehr selbstbewusst. Wenn er was will, dann lässt er nichts unversucht, das auch zu bekommen und wenn auf was keinen Bock hat, dann bekommt man das auch gleich mit. Heute in der Krabbelgruppe war die Babybande bei der Neuen zuhause, die eine Matratze (!) quasi als Babygitter vor der Küche haben. Was das soll? Keine Ahnung, aber das ist bei denen halt so. Die anderen standen/saßen vorne dran und haben dumm geguckt, nur Squishy fing an, das Teil auf die Seite zu schieben. So nach dem Motto: Ist ja lächerlich! Das soll mich aufhalten? Kann ja wohl nicht euer Ernst sein? Doof ist er auf jeden Fall nicht. Und ich sehe schon entnervte Kindergärtnerinnen und Lehrer vor mir, die sich beschweren, dass er ein Lausbub ist und immer alles nach seinem Kopf macht. Da fällt mir so spontan ein: Wir haben damit kein Problem. Ihr wurdet dafür ausgebildet, als kommt klar damit oder sucht euch einen anderen Beruf.

Das hab ich jetzt davon

Ich wollte ja unbedingt einen Job haben, in dem ich gefordert bin und viel zu tun habe. Jo, das hab ich jetzt. Zur Genüge. Es macht nach wie vor Spaß, aber wenn ich morgens ins Büro komme, habe ich so einen Berg zu tun vor mir, dass ich überhaupt nicht weiß wo ich anfangen soll und dann hab ich da so einen Kollegen… Könnte ich mich stundenlang drüber aufregen. Seine Probezeit ist grade abgelaufen, für seinen Job (Marketing) ist er völlig ungeeignet und stinkend faul. Eigentlich hätte der rausgeschmissen werden sollen, aber ich entscheide das ja (leider) nicht. Versucht ständig, mir seinen Scheiß aufs Auge zu drücken. Sorry, Junge, da bist du bei mir an die Falsche geraten. Ich beherrsche die Kunst, nein zu sagen, ohne jemals das Wörtchen nein zu benutzen, nämlich mehr als perfekt. Und der Typ duscht wohl nur einmal die Woche. Stinkt zwar nicht, riecht aber nach alten ungewaschenen Klamotten und ich HASSE es. Und er hustet. Die ganze Zeit. Sehr laut. Als ob seine Lunge rauskommen würde. Er findet das völlig normal, bei ihm produziert der Körper halt mehr Schleim als bei anderen. Telefonieren ist nahezu unmöglich, weil ich nichts verstehe, da er alle zwei Minuten seine Lunge rauskotzt. Und nein, er raucht nicht. Und dann schon sein Name. Nehmen wir mal eine völlig unnötige Sprache: Aramäisch zum Beispiel. Dann nehmen wir einfach das “isch” weg und schwupps schon haben wir einen wundervollen Vornamen nämlich: Aramä. Und einen Doppelnamen als Nachnamen auf den er auch noch sehr stolz ist. Weiß wie die Farbe und wie Kokain, nur Kokian. Aramä Weiß-Kokian. (ist natürlich nicht sein richtiger Name, schließlich möchte ich nicht entdeckt werden, wenn er sich mal googelt, aber genauso setzt er sich zusammen) Und das als Marketing-Typ. So einen beschissenen Namen habe ich noch selten gehört. Zwei abgeschlossene Studiengänge, sehr stolz auf seine enorme Klugheit, aber zu dumm (und vorallem faul), um eine Heftklammer aus einem Stapel Papier rauszubekommen. “Belle, kannst du mir nicht mal helfen, ich kann das nicht?” Genau, sicher mach ich das für dich. Ich bin zwar Sekretärin, aber nicht der Depp vom Dienst. Also bekommt er ne mündliche Anleitung während ich seelenruhig mit dem weitermache, was ich grad halt so mache. Nerv! Wie heißt doch der dumme Spruch: Wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Der Typ geht mir sooo auf den Keks. Ich kann’s gar nicht in Worte fassen.

Er läuft

Und nun ein kleines Schmakerl zum Wochenanfang. Der kleine Babymann, auch als Squishy bekannt, läuft wie ein Weltmeister. Zu bewundern hier. Er hat es also geschafft, noch vor seinem ersten Geburtstag, der dann ja tatsächlich schon am Sonntag ist, so richtig den Hebel umzulegen und loszulaufen. Und weil es ja dann auch Sonntag schon soweit ist und das Geburtstags-Event stattfindet, waren wir bei IKEA. Wir haben nämlich beschlossen, die Horde hierher einzuladen und ein bißchen Geburtstag zu feiern. Dazu brauchen wir das alles:

Bei uns läuft das nämlich so ab, dass die Verwandschaft – und davon haben wir schon so ein bißchen mehr als manch andere – zu Kaffee und Kuchen anrückt, es wird laut und viel gelacht, irgendwann gibt es abends dann noch mal was zu essen und dann zieht die Horde weiter. Da wir bisher aber nur stolze 6 Tassen, Untertassen und 5 Kuchenteller (einen habe ich schon vor ewigen Zeiten mal zerdeppert) besitzen, mussten wir erst mal den Bestand aufforsten bzw. überhaupt anschaffen. Extra Tische und Stühle sowie den Kaffee – wir besitzen nämlich auch keine Kaffeemaschine, da wir beide keinen trinken – bringen meine Eltern mit und dann kann’s losgehen. Irgendwie freue ich mich drauf, wenn’s vermutlich auch sehr chaotisch und etwas anstrengend wird. Cerah hat keinen Bock auf eine Feier, aber da sie für die Taufe war und ich dagegen, habe ich noch was gut und wir machen eine Feier. Mit allem drum und dran, wie sich das halt so gehört. Am Montag gibt’s dann Kindergeburtstag mit der Krabbelgruppe. Das wird nochmal ein Akt mit jeder Menge Kleinkinder, aber ich habe mir da einen Tag Urlaub erkämpft, obwohl mein Chef ursprünglich meinte, das ginge nicht, und dann werden wir das Kind schon schaukeln. Ich kann’s überhaupt nicht glauben, dass Squishy tatsächlich schon ein ganzes Jahr alt wird. Wo ist die Zeit nur geblieben? Andererseits ist es auch gut, dass die Zeit so schnell vergeht, denn jede Nacht 4 mal aufzustehen, ist auch kein Zuckerschlecken. Und wir freuen uns sowieso jedes Mal wie die Schneekönige, wenn er was neues lernt und uns dann mit seinen Künsten verzücken kann. Wir werden diese Woche also mit Hausputz und sonstigen organisatorischen Kleinigkeiten verbringen und freuen uns auf Sonntag!