Sonntag war ja große Familienfeier und gestern dann Krabbelgruppen-Geburtstag. Die Familienfeier lief relativ glatt ab, wenn wir auch noch Neulinge auf dem Gebiet der Massenversorgung sind. Es war ein bißchen eng und vielleicht doch ein wenig viel in unserer Wohnung, aber was soll’s. Man wird nur einmal ein Jahr alt. Allerdings auch nur einmal zwei Jahre alt und drei und vier… Ursprünglich hatten wir auch noch ein Abendessen für die Familie geplant, haben es dann aber doch gelassen. War auch besser so, war so schon anstrengend genug. Immerhin ist es ja ein Kindergeburtstag und der muss nicht bis um neun Uhr abends gehen. Squishy war etwas überwältig und zwischendurch mal so fertig, dass er in sein Bett wollte. Das ist für ihn so eine Art Ruhepol und sicherer Zufluchtsort. Manchmal sitzt er nur da drin, drückt auf der Spieluhr rum, redet mit sich selbst und ist absolut zufrieden. Ansonsten hat er sich tapfer gehalten. Nur das Schlafengehen war dann etwas schwieriger. Wie immer, wenn tagsüber so enorm viel los war, ist es ihm schwer gefallen, zur Ruhe zu kommen. Er geht dann zwar ohne Probleme ins Bett und schläft auch gleich ein, wacht aber alle zwanzig Minuten wieder auf. Aber nach knapp zwei Stunden war dann auch Ruhe und er hat tief und fest geschlafen.
Der Krabbelgruppen-Geburtstag am Montag war dann auch viel angenehmer. Die Neue kam nicht, da ihr Kleiner krank war. So wirklich traurig fand ich das jetzt nicht gerade, da ich sie nach wie vor etwas komisch finde und sie mir nicht so wirklich sympathisch ist. Aber seine anderen beiden Kumpels mit jeweils einem Elternteil waren da und meine Mama auch. Die war zwar schon Sonntag da, aber wir dachten, dass es ihr vielleicht Spaß machen würde, die anderen Krabbler auch mal in Action zu sehen. Ich glaube, es hat ihr auch gefallen, denn sie ist als Letzte gegangen. Dann kann es ja nicht so doof gewesen sein. Bei der Gelegeheit ist mir übrigens auch wieder aufgefallen wieviel unbesorgter ich im Gegensatz zu den anderen beiden Eltern bin, wenn die Babymänner – oh Entschulding, das sind ja jetzt Kleinkindermänner – da so rumtoben. Unser Sofa steht etwa 30 Zentimeter von der Wand bzw. der Heizung weg. Squishy beherrscht die Kunst vom Sofa auf das Fensterbrett hintendran zu klettern. Das begeistert mich jetzt zwar nicht wirklich, ist schließlich gefährlich, verleitet mich aber nur zum Eingreifen, wenn er fast schon auf dem Fensterbrett ist. Das muss dann doch nicht sein. Einer der beiden anderen Jungs hat eben das auch gemacht. Naja, jedenfalls fast. Er stand auf dem Sofa und hat sich etwas hinten über die Lehne gelehnt. Ich und meine Freundin saßen daneben, sie war abgelenkt und ich hab dem Kleinen halt so zugeschaut. Ist ja nichts dramatisches, bevor er runtergefallen wäre, hätte ich ihn mir schon gekrallt. Da springt auf einmal sein Papa panisch herbei, zieht ihn da weg und sieht mich ganz vorwurfsvoll an. Jo, da hab ich’s mir wohl verschissen. Aber jetzt mal ernsthaft, traut den Kindern doch mal was zu. Wie sollen sie den irgendeine Art von Selbstvertrauen entwickeln, wenn sie nichts ausprobieren dürfen? Und wenn sie halt mal hinfallen und sich wehtun, dann ist das eben so. Das hält sowieso nur für ne Minute, dann ist wieder gut und weiter geht’s. Ich habe mittlerweile allerdings auch festgestellt, dass das durchaus etwas mit dem Alter der Eltern zu tun hat. Je älter die Eltern, desto übervorsichtiger sind sie im Allgemeinen. Da gibt es sicher auch Ausnahmen – auch wenn mir noch keine begegnet sind. Das hat übrigens mein Papa auch schon zu mir gemeint, als er ein Problem damit hatte, dass wir das Planschbecken bei ihnen zuhause mit Regenwasser gefüllt haben. Das war nämlich seiner Ansicht nach zu dreckig, um Squishy da rein zu lassen. Ich hab ihn natürlich trotzdem reingesteckt, denn ich empfand das Wasser durchaus als sauber. Auf jeden Fall meinter er da zu mir: Ja weißt du, man wird da viel vorsichtiger, wenn man älter wird. Und da hat er so Recht. Wir sind als Kinder auch in der Regentonne badengegangen und niemand hat sich daran gestört. Aber dafür ist ja jetzt auch Opa und nicht Papa. Da darf man das!
