Wieder da

Unsere sehr vermisste Cerah/Mommy ist wieder da. Wie cool ist das denn? Gestern Abend kam sie nachhause und musste erst mal ein bißchen Schlaf aufholen, denn Cerah ist ein Zuhause-Schläfer und überall sonst tut sie das nicht. Mein Schnarchen ist halt doch das schönste Wiegenlied! Eigentlich wollten wir heute garnichts machen, aber nachdem ich meine andere Cousine letztes Wochenende schon wieder ausgeladen hatte, weil da ja Vanessa da war und ich keine Lust auf mehr Besuch hatte, ist sie halt nun heute gekommen. Schlechtes Timing, Cerah war halbtot und Squishy hinterlässt nach wie vor schleimige Schneckenspuren auf sämtlichen Hemden, Hosen und Sofas. Ich frage mich, wie so viel Rotz in so einen kleinen Kopf passt. Auf jeden Fall war sie dann heute da und hat einen eineinhalb stündigen Monolog gehalten. Ich weiß sie ist einsam, ich weiß sie hat kein Geld, aber ich habe das Gefühl wir bewegen uns in zwei unterschiedlichen Universen – was wir irgendwie auch tun. Sie hat gerade so die Hauptschule geschafft, arbeitet am Fließband und genau so ist sie auch. Ich mag sie trotzdem, aber ich weiß, dass wir eigentlich außer dem Nachnamen, vielen Familienfesten als Kinder, einem gelegentlichen Besäufnis im Teenageralter und einer Abneigung gegen Alkohol nichts gemeinsam haben. Ihr bedeute ich viel, das weiß ich, da sie sonst recht einsam ist und das mit ihrer Familie auch so eine Sache ist. Aber was soll’s, sie war da, es war okay, bis zum nächsten Mal dann. Wir fühlen uns alle etwas angeschlagen, wobei ich mich, glaube ich, noch am besten fühle. Cerah hatte viel Spaß im Schwarzwald mit den Pfadfindern. Sie passt gut dazu, hat ihre Gruppenkinder kennengelernt und freut sich darauf ein Leiter zu sein. Natürlich gab es auch Dinge, die ihr nicht gefallen haben – ich erwarte da dann so sachen wie: Der stinkt. Die ist eine totale Dramaqueen etc… Aber nein was kommt: “Die haben total lasche Sicherheitsvorkehrungen. Die Schuhe stehen vor der Haustür. Was wenn es brennt? Da kommt doch kein Mensch schnell genug raus! Und eine Feuerübung haben wir auch nicht gemacht. Zudem war die Ernährung für die Kinder total unausgewogen, keinerlei Obst.” Ich bin immer wieder erstaunt, wie professionell Cerah solche Sachen macht und wie ernst sie sie nimmt. Jetzt mal ernsthaft: an sowas hätte ich im Leben nicht gedacht. Und wie immer hören sämtliche Kinder auf Anhieb auf sie, was ihr die neidvolle Anerkennung der anderen Leiter einbrachte. Das hätte ich denen gleich sagen können. Ich habe bisher noch kein Kind getroffen, was nicht gemacht hätte, was Cerah von ihm verlangt. Keine Ahnung wieso, aber die tun es einfach. Da kommt ihr vermutlich auch die kinderpsychologische Ausbildung zugute, die sie im Rahmen ihrer Ausbildung als kanadische Erzieherin (mit der deutschen Erzieherin nicht wirklich vergleichbar) genossen hat. Und sie ist konsequent bis zum letzten. Das hilft ja im Allgemeinen auch weiter. Auf jeden Fall war es ein voller Erfolg, sie ist froh, dass sie gegangen ist, auch wenn sie uns ganz doll vermisst hat. Im Sommer dürfen Squishy und ich dann mit. Zehn Tage im Zelt auf ner Wiese. Bin ja mal gespannt, wie das so wird.