Und beides hat mir der Arbeit zu tun. Wer hätte es gedacht? Die Flitterwochen sind immer so die allererste Phase, wenn man etwas neues anfängt. Das hatte ich bis jetzt auch noch bei der Arbeit. Allerdings fängt jetzt so langsam das wirkliche Leben an. Ich sehe nicht mehr alles durch die rosarote Brille, sondern fange so langsam an, auch die Probleme zu sehen. Das ist nicht unbedingt etwas negatives eher eine Änderung des Zustands. Irgendwann kommt jeder mal in der Realität an. Was zum Beispiel ganz furchtbar ist, ist Englisch. Ich wurde unter anderem auch eingestellt, damit man sich das Übersetzungsbüro sparen kann, welches übrigens völlig unfähig ist. Und nun darf ich auch noch mit dem Chef einmal wöchentlich ein englisches Präsentationstraining machen. Er stellt sich das so vor, dass er mir ein Thema aus der Firma auf Englisch präsentiert und ich ihn dann unterbrechen und korrigieren soll. Und natürlich noch schlaue Fragen dazu stelle, die er mir dann auf Englisch beantworten muss. Finde ich ja sehr löblich, ich weiß nur nicht genau, wann wir a) die Zeit dazu finden sollen und b) er sich nicht doch etwas zu viel von mir erhofft. So bin ich nun das Nonplusultra, was alle englischsprachigen Probleme angeht und durfte dann auch gleich die neue englische Homepage der Firma verbessern. Diese wurde von einem unfähigen Übersetzungsbüro gemacht und ist so furchtbar, dass alle Toten jedes englischsprachige Land der Welt eigentlich schier in ihren Gräbern rotieren müssten. Ich bin ja mal gespannt, ob ich alle Korrekturen so durchsetzen kann oder nicht. Da gabe es wohl bisher ein paar Problemchen, aber ich hoffe, dass meine native speaker connections mir helfen werden, da mal ein bißchen Stil reinzubringen.
Das andere Thema ist das Babyfieber. Meine Kollegin, dich ich ersetzen soll, ist ja bekanntlich schwanger und wird jeden Tag ein bißchen schwangerer. Und die ganze Zeit dreht sich alles nur dieses Thema und Babys. Mein Chef ist auch vor knapp zwei Monaten zum zweiten Mal Papa geworden und so bin ich von lauter fortpflanzungsfreudigen Menschen umgeben, was ja bekanntlich ansteckend ist. Cerah und ich hatten sowieso gesagt, wir warten erst mal ab bis Squishy ein Jahr alt ist, bevor wir irgendwelche weiteren Kinderpläne auch nur in Erwägung ziehen. Das wäre also jetzt. Lust auf ein zweites Baby hätten wir schon, aber so ganz einfach ist das bei uns ja bekanntlich nicht. Von dem mal abgesehen ist meine Arbeitsstelle befristet, ich habe eben erst einen neuen Job angefangen – als Schwangerschaftsvertretung wohlgemerkt – und kann nicht gleich mal auch schwanger werden. Das wäre dann doch etwas unintelligent. Dazu kommt die räumliche Distanz zu unserem Spender, der jetzt anstatt 3 Stunden Fahrt, 5,5 Stunden weit weg ist und das mit Squishy im Schlepptau. Außerdem kann ich nicht mehr so spontan mal freinehmen, weil ich genau jetzt einen Eisprung habe. Und das alles vorausgesetzt, dass unser Spender überhaupt noch mal mitmachen würde, denn einen anderen wollen wir nicht. Wir finden den klasse, den wir haben und er macht ja schließlich auch ganz wunderbare Kinder. Unsere Situation hat sich also vermehrungstechnisch verschlechtert. Aber wir lieben ja die Herausforderung und machen gerne unmögliches möglich wie zum Beispiel ein Kind per Bechermethode zu zeugen, Job und Wohnung zu kündigen, ohne etwas neues zu haben und irgendwie ist das wohl die einzige Art, wie wir unser Leben in die richtigen Bahnen lenken. In naher Zukunft wird mein Babyfieber zwar mit Sicherheit nicht umgesetzt werden, aber ich bin mir mittlerweile doch relativ sicher, dass Squishy irgendwann doch noch ein großer Bruder wir. Kann Ahnung wann, keine Ahnung wie, aber ich wurde unter anderem von meinem Chef auch eingestellt, weil er das Gefühl hat, dass ich mich durchsetzen kann. Ob er das nicht wohl irgendwann bereuen wird?