Staatsfeind Nr. 1

Wir sind heute aus dem Regenbogeneltern Forum rausgeschmissen worden. Eigentlich sollte ich darüber wohl traurig und betroffen sein, aber so recht will mir das nicht gelingen. Cerah hatte das Forum gefunden und war begeistert von der Möglichkeit, mit anderen Familien Kontakt aufzunehmen. Wir waren eine Zeit lang im Forum aktiv, haben uns aber von Anfang an nicht wirklich wohlgefühlt. Es war schwierig, Beiträge zu schreiben, weil wir (mit Absicht ?) falsch verstanden hat. Und es macht mich wahnsinnig, wenn ich ewig lange das Gleiche schreibe und trotzdem nicht verstanden werde.

Das ganze Drama fing damit an, dass wir für die Rechte einer Co-Mutter (Adoption und Eintrag auf der Geburtsurkunde) sind. Das heißt, dass in unserer Familie für einen aktiven Vater kein Platz ist. Klar kennen und mögen wir Squishy’ Vater, wollen aber nicht, dass er ein Mitspracherecht hat oder offiziell auf irgendwelchen Papieren auftaucht. Das war mit ihm von Anfang an so abgemacht und das ist auch in Ordnung für beide Seiten. Er liest den Blog mit und wir stehen auch sonst weiterhin in Kontakt. Ich weiß nicht mehr genau wie das alles anfing, aber ich weiß, dass sich die Diskussion zu einer hitzigen Debatte ausgeweitet hat. Dagegen ist nichts einzuwenden, dazu ist ein Forum ja auch da. Was ich aber überhaupt nicht mochte, war die Tatsache, dass versucht wurde, mir die eigenen Meinung aufzudrücken. Da kamen dann so Sachen wie: Ich glaube daran, dass ein Kind mit Vater und Mutter aufwachsen sollte. Das ist ja schön und gut, wenn das eine Lebenseinstellung ist, bitteschön, ABER das war in einem Forum für Regenbogeneltern sprich Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern oder wahlweise auch mehr. Das macht dann für mich keinen Sinn mehr. Wenn ich doch als Lesbe eine Familie mit einer Frau gründe, kann ich doch nicht sagen, ein Kind kann sich nur dann gesund entwickeln, wenn Mutter und Vater da sind.  Wieso gründet man dann überhaupt eine Familie? Da hat ja dann die zweite Mutter nichts zu suchen. Prinzipiell finde ich die Idee, dass ein Kind mit so vielen Elternteilen (nicht nur mit Vater und Mutter) wie möglich aufwächst auch schön, nur leider ist das legal nicht realisierbar, da ein Kind hier in Deutschland nur die Möglichkeit hat, zwei Elternteile zu haben. Gut, das ist meine Meinung. Mag sein, dass das für manche ganz prima funktioniert und es auch nie irgendwelche Probleme bei Scheidungen oder Streit oder sonst was gibt. Die Gefahr, dass sowas passiert wäre mir persönlich zu groß, aber das ist dann meine Entscheidung. Da kamen aber auch so Sachen wie: ich toleriere auch andere Meinungen. Das fand ich dann auch sehr großzügig, dass ich in einem Forum, das eigentlich für alle diejenigen gedacht ist, die sonst von der Gesellschaft auch mehr oder weniger nur toleriert werden, auch toleriert werde. Da kann ich ja gleich zur CDU. Die tolerieren mich vielleicht auch, wenn ich Glück habe. Vermutlich bin ich da wieder zu wortbesessen, aber tolerieren ist für mich zu einem negativ behafteten Wort geworden. Das hört sich so an wie: Du bist zwar das allerletzte und solltest in der Hölle schmoren, aber ich toleriere dich mal, tue nichts und warte ab, bis du dich selbst zu Grunde richtest.

Ich hatte immer das Gefühl, dass nur danach gesucht wird, wo wir denn jetzt überall benachteiligt sind und wie schlecht es unseren Kindern gehen wird. Sicher werden sie gehänselt werden, aber das wird jedes Kind irgendwann. Sei es dass das Kind nun zu dick ist, einen Sprachfehler hat, eine Brille trägt oder eben zwei Mamas hat. Natürlich ist das nicht schön und als Eltern möchte man das auch verhindern. Allerdings muss jedes Kind Kämpfe ausfechten egal aus welchem Grund und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Eltern nicht mal von der Hälfte der Dinge wissen mit denen das Kind tagtäglich konfrontiert wird.

So ging das also eine Weile hin und her, wurde immer hitziger und irgendwann haben wir aufgehört zu schreiben, weil es sowieso nichts bringt.

Dann waren wir Anfang dieser Woche wieder im Forum und haben einen Eintrag gefunden, in dem man sich darüber aufgeregt hat, dass das ungeborene Kind automatisch beim Vater in die Krankenkasse mit aufgenommen wird, wenn er denn als Vater auftaucht. Das wiederum ist bei uns auf Unverständnis gestoßen, wenn ich doch einen Vater will, dann ist das eben auch eines seiner Rechte, genauso wie das Umgangsrecht oder die Pflicht für das Kind zu zahlen. Woher soll den die Krankenkasse wissen, wie genau jetzt die Familienkonstellation (Mutter-Mutter-Vater-Kind) aussieht? Die gehen doch zuerst immer von Vater-Mutter-Kind aus und wenn es denn anders sein sollte, muss man das eben sagen. Das ist kein Grund sich aufzuregen, das wäre doch bei getrennt lebenden Heteros genauso.

Wir haben auf jeden Fall kommentiert, dass man sich doch darüber nicht wundern muss, weil das ja genau das ist, was gewollt war: ein Vater mit allen Rechten und Pflichten.

Das hätten wir aber wohl nicht sagen sollen, denn da fühlte sich dann gleich wieder jemand angegriffen. Worauf wir wiederum angegriffen wurden. Schlussendlich haben wir dann beschlossen, dass wir mit dem Regenbogeneltern Forum abgeschlossen haben, dort nicht mehr aktiv sein wollen und haben das auch lautstark kundgetan. Und daraufhin wurden wir aus dem Forum geschmissen.

Das berührt mich jetzt nicht sonderlich, was mich daran aber stört ist, dass man seine Meinung nicht kundtun kann. Ich lasse mir sehr ungern eine Meinung aufdrücken und ich kann Leute überhaupt nicht ausstehen die immer das letzte Wort haben müssen. Irgendwann ist gut und dann sollte man Dinge auch einfach ruhen lassen. Was ich auch nicht ausstehen kann sind Leute, die sich immer in alles einmischen müssen. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit Klappe halten? Und wieso können andere Leute nicht auch mal emotional sein und ihre Meinung lautstark äußern? Wieso darf das nur eine Person und wenn das dann jemand anderer tut ist das auf einmal ein Angriff?

Was mich aber fast noch mehr stört ist, dass solche Leute Regenbogenfamilien in der Öffentlichkeit repräsentieren. Wo bleibt denn da die Vielfalt des Regenbogens wenn nur eine Vater-Mutter-Kind-Familie optimal für die Entfaltung eines Kindes ist und alles andere die Kinder nur zu psychisch gestörten Erwachsenen macht? Das passt doch vorne und hinten nicht zueinander. Ich fühle mich so auf jeden Fall nicht repräsentiert und werde mich dort nicht mehr einbringen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es vielen anderen genauso geht wie mir. Nun sind wir halt die Bösen und wurden aus dem Forum geschmissen, aber ich bin sicher, dass wir das auch überleben werden. Punkt.

Neuer Autositz

Gestern kam endlich unser langersehnter Autositz mit unserem DHL-Mann. Normalerweise lassen wir uns immer alles zuschicken, was auch Grund ist, weshalb uns unser DHL-Mann zuwinkt, wenn er uns irgendwo auf der Straße sieht. Und wenn er dann an der Tür steht, hat er genau den Ausblick auf zwei riesige Squishy-Fotos an der Wand. Als er die das erste Mal gesehen hat, meinte er: Ist das das Baby? Ist doch lieb, oder?

Und heute hat er also den neuen Autositz gebracht. Jetzt kann uns Squishy sehen, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind und muss sich nicht mehr so einsam auf der Rückbank fühlen.

Es ist vollbracht

Als ich heute nachhause kam, fand ich das hier im Briefkasten:

Beschluß

Das minderjährige Kind

Squisyh (Nachname)

geboren am xx.xx.2006 in Frankfurt am Main

ist von

der Frau

Cerah (falsch geschriebener Nachname und Adresse)

gemäß § 1741 BGB als Kind angenommen worden.

Es handelt sich um eine normale Minderjährigenadoption (§ 1754, § 1755 Abs. 1 und Abs. 2 BGB), § 9 Abs. 7 Lebenspartnerschaftsgesetz.

Frankfurt am Main, 14.6.2007

Der Jeans-Richter

Ist es nicht super? Von wegen zwei Wochen, das hat nicht einmal eine Woche gedauert. Jetzt ist es endlich offiziell, Squishy hat zwei Mamas. Und wir liegen mit einer Gesamtdauer des Adoptionsprozesses von 5 Monaten unter dem Durchschnitt, denn unsere Notarin meinte, das ginge etwa 9 Monate. Nächste Woche sollte dann das gleiche Schreiben mit dem Vermerk, dass der Beschluss mit Wirkung vom 20. Juni (Zustellungsdatum) rechtsgültig wird.

Ich bin froh, dass das so schnell und schmerzlos über die Bühne gegangen ist. Meine Befürchtungen sahen da schon etwas anders aus. In meinen schlimmsten Vorstellung mussten wir unseren Spender zum Notar schleppen, um einen Vaterschaftsverzicht zu beurkunden. Ich sah die Sachbearbeiterin vom Jugendamt schon fast bei uns einziehen, weil sie so oft vorbeikommen musste und befürchtete die ganze Adoption würde endlich rechtskräftg werden, wenn Squishy fast schon volljährig ist. Zum Glück ist es anders gekommen. Wunderbar! Das wäre jetzt auch abgefrühstückt und wir können zum nächsten Thema weiter: eine größere Wohnung.