Babynewsletter und schlechtes Gewissen

Squishy beherrscht den Pinzettengriff. Wie mit so vielem ist er damit über zwei Monate zu früh dran, denn er macht das schon eine ganze Weile und erwartet wird das erst zwischen 8 und 14 Monaten. Schon erstaunlich, dass er es mit allem so eilig hat. Und dann bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich den monatlichen Babynewsletter bekomme. Da stehen dann so tolle Sachen wie:

Vielleicht kann Ihr Baby jetzt den Vierfüßlerstand, beginnt, vorwärts zu krabbeln oder zu robben. Das kann sein, muss aber noch längst nicht sein. Und ganz wichtig: All diese Dinge sollten Sie mit dem Kind nicht trainieren, es wird alles zu seiner Zeit von selbst können. Falscher Ehrgeiz richtet hier nur Schaden an. Wenn die Beine des Kindes zum Beispiel zu früh das Körpergewicht tragen müssen, weil die Eltern Aufstehen oder gar Laufen mit ihm üben, entstehen leicht O-Beine, die ein Leben lang bleiben können. Kann es sich aber schon von selbst auf die eine oder andere Art fortbewegen, ist es nicht verkehrt, einen Laufstall anzuschaffen. Das Kind gehört hier aber nur für kurze Zeit hinein, zum Beispiel, wenn Sie in den Keller oder an die Tür müssen, gerade putzen oder bügeln.

Ich lese das und denke: kacke, das machen wir schon lange und Squishy hat auch Spaß daran. Genauso wie er schon so früh sitzen konnte. Wir haben ihn nicht dazu gezwungen, er hatte nur einfach nie Lust, rumzuliegen und nichts von der Welt mitzubekommen. Und mittlerweile sitzt er wie ein Profi und ist total glücklich, wenn er stehen darf. Er lässt sich auch nicht mehr so einfach hinsetzen, weil er dann die Beine steif macht und ganz aufgeregt und glücklich durch die Gegend “tanzt”. Hätten wir ihn vielleicht festbinden sollen, damit er gezwungen wird liegen zu bleiben? Das macht ja wohl auch nicht viel Sinn. Er war schon so stark als er geboren wurde, dass er seinen Kopf bereits fast alleine halten konnte.

Und dann lese ich mir den Babynewsletter nochmal durch und komme zum Ergebnis, dass Squishy wohl noch nie dem Durchschnittsbaby entsprochen hat und ich mir keine Sorgen machen sollte. Oder aber wir sind einfach so von unserem einzigartigen Baby hingerissen, dass es sowieso schnurzepiepegal ist, was irgendein Babynewsletter uns erzählt. Und ich sehe keinen Sinn darin ihn zurückzuhalten, nur weil irgendso ein Durchschnittsbaby noch nicht so weit entwickelt ist wie Squishy. Das wird sich mit der Zeit alles relativieren und irgendwann ist es sowieso egal, ob er nun mit 5 Monaten oder 15 Monaten den ersten Zahn bekommen hat.

Kleinkram

Wie immer fallen mir im Nachhinein tausend Sachen ein, die ich am Wochenende witzig oder bemerkenswert gefunden habe.

So zum Beispiel die Tatsache, dass ich letzte Woche telefonisch in der Bäckerei 30 Brötchen und 20 Croissants bestellt habe und das einzige, was sie von mir wissen wollten war mein Nachname. Es hat weder irgendjemanden interessiert, dass ich mit einer Frankfurter Nummer angerufen habe, noch hat sich irgendjemand nach einer Telefonnummer erkundigt, nix. Ich hätte ja einfach zum Spaß so Zeug bestellen können, um es dann nie abzuholen. Aber so ist das halt auf dem Land, da reicht der gute Namen, um Dinge bestellen zu können. Und bei mir zuhause fragt auch niemand zweimal nach wie ich heiße und ob der Name deutsch ist oder wo der denn herkommt. Ist mir hier schon öfter passiert. Aber da sieht man mal, dass es doch ein sehr süddeutscher/schweizerischer Name ist.

Und Cerah war bei der Taufe in der Kirche ganz hingerissen davon wie meine Oma inbrünstig jedes Lied mitsingt. Ich habe sie zwar auch gehört, aber für mich ist das ganz normal, dass meine Oma ihr ganzes Herzblut in die Kirchenlieder legt und man sie immer überall raushört. Irgendwie ist es aber schön, wenn man so aus vollem Herzen an etwas glauben kann. Genauso ihre Antwort auf die Frage, was Squishy denn war, bevor er getauft wurde: ein Heide. Ich fand das so klasse. Erst ist er ein Heide, dann ein Täufling (was sich wirklich sehr nach Teufel anhört) und dann ein Christenmensch. Allein schon wie man auf diese Begriffe kommt, ist mir ein Rätsel.

Und dann noch das merkwürdige Gefühl, das Kind meiner Schulfreundin auf dem Arm zu haben. Sie, ihr Freund/Mann und der Kleine waren stellvertretend für Cerahs Seite der Familie da. Der Kleine ist einen Monat älter als Squishy und immer wenn wir uns mit Kind und Kegel treffen, muss ich daran denken, wie wir als Teenager zusammen die bescheuertsten Dinge angestellt haben. Und jetzt sitzen wir da mit unseren Partnern und Kindern und unterhalten uns über so erwachsene Dinge wie Babytürhopser und was er denn jetzt schon kann und was noch nicht. So richtig seriös und elternmäßig. Bin ich wirklich schon so alt? Waren wir nicht eben erst 15 und haben uns sinnlos betrunken?

Und dann mein Bruder, der ja Pate ist, und vor Stolz fast geplatzt ist, dass er den Kleinen bei der Taufe halten durfte. Er ist immer gaaanz vorsichtig mit ihm, er könnte ja kaputtgehen und hält ihn wie eine kostbare Mingvase. Wenn er dann mal eine Chance bekommt, Squishy zu beaufsichtigen, ist er offensichtlich fasziniert von dem Kleinen und Squishy findet es auch ganz toll, ihn anzustarren und sich mit ihm zu unterhalten. Wir waren erst nicht ganz sicher, ob mein Bruder die richtige Wahl als Patenonkel sein würde, da er sich gerne von Familienfestivitäten fernhält und sich selbst etwas ausgrenzt. Aber seitdem Squishy da ist, haben wir beide das Gefühl, dass das wesentlich besser geworden ist und er sich wirklich für Squishy interessiert.

Und so ist also alles wunderbar und das Leben ist schön!