Die Taufe

Wo soll ich nur anfangen? Ja, wie wäre es denn mit dem Anfang? Aber wo genau ist der? Ich fange am besten am Samstag an, da haben wir bzw. Squishy nämlich überraschenderweise schon das erste Taufgeschenk bekommen. Das Paket kam gleichzeitig mit einer Katalogbestellung, war an Squishy adressiert und kam von den Stuggis. Danke liebe Stuggis! Wir haben das einfach mal als gutes Vorzeichen gewertet und das hat dann wohl auch funktioniert.

Nach einer zweieinhalb stündigen Fahrt in unserem Backofen ähm Auto sind wir um kurz nach 16:00 Uhr klatschnass bei meinen Eltern angekommen. Da war es zum Glück etwas angenehmer wenn auch immer noch warm. Da haben wir dann erstmal ein bißchen rumgetrödelt, die neue Waschmaschine und den Zweitbuggy, der jetzt bei Oma und Opa wohnt, bewundert und uns schließlich aufgemacht, für das Brunch am Sonntag einkaufen zu gehen. Squishy haben wir bei seiner Oma gelassen, wo er die ganze Zeit geschlafen hat. Und obwohl wir nur eine Stunde weg waren, hat Cerah ihn ganz dolle vermisst. Das war das erste Mal seit dem wir ihn haben, dass wir gemeinsam ohne ihn weg waren. Ich bin ja daran gewöhnt, alleine einkaufen zu gehen, aber für Cerah war das was ganz neues und sie wurde zum Schluss hin ganz hibbelig, weil sie unseren kleinen Spaßvogel so vermisst hat. Meine Sorge ging eher dahin, dass ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wieviel 18 Leute essen und ob wir denn auch wirklich genug von allem hatten. Im Endeffekt hatten wir ein bißchen zu viel, aber besser zu viel als zu wenig. Den Rest vom Tag haben wir dann ziemlich relaxt auf der Terrasse meiner Eltern verbracht und mir wurde mal wieder aufs neue klar, welch zwiespältiges Verhältnis ich zu meinem Heimatort habe. Es ist wirklich schön da, so ruhig und grün und einfach besser als in der Stadt, aber sobald ich da bin habe ich das Gefühl, dringend wieder weg zu müssen. Allerdings bin ich mir 100%ig sicher, dass wir in nicht allzu fernen Zukunft wieder da wohnen und ich damit total zufrieden sein werde.

Und ich habe in der Nacht doch tatsächlich so richtig echt geschlafen. Squishy hatte sein Stillkissen und war halbwegs glücklich damit, wenn es auch nur auf einer Seite seines Bettes war und nicht ganz um ihn drumrum. Für uns hatten wir den Ventilator dabei, der quasi unser Stillkissen ist und ich habe so richtig tief geschlafen. Cerah natürlich nicht, aber da sie sowieso einen total leichten Schlaf hat, ist das nicht weiter verwunderlich.

Um 6:30 Uhr war die Nacht dann rum und wir haben angefangen ungefähr eine Tonne Obst für den Obstsalat zu schnippeln. Squishy saß mit seinem Bumbo auf dem Herd und hat auch mal Obsttester gespielt, wobei nur die Mangos seinen vollen Zuspruch gefunden haben. Irgendwie rannte dann die Zeit davon. Um 8:00 Uhr habe ich die Brötchen und Croissants bei der Bäckerei abgeholt, Squishy hat geschlafen, wir haben die Tische gedeckt, die Fressalien nett angerichtet und die Hälfte der Sachen im Kühlschrank im Keller vergessen. Um kurz vor neun haben wir ein Familien-Schnellbad eingelegt und waren dann gerade so fertig, als die ersten Gäste eingetroffen sind. Wir hatten zwar noch klatschnasse Haare, aber immerhin war das Baby sauber und nett angezogen, wenn auch noch nicht im Taufanzug, der kam erst später dran. Nach und nach sind dann alle eingetrudelt und die Zeit lief genauso schnell weiter wie vorher auch schon. Squishy hat richtig viele tolle Geschenke bekommen und das meiste davon wird in den neuen Autositz investiert. Dann kann er auch endlich nach vorne schauen und muss nicht nur die Rückbank anstarren.

Um 11:15 Uhr sind wir dann zur Kirche gefahren und waren die ersten, die da waren. Eigentlich hätten drei Kinder getauft werden sollen, aber eine Familie ist einfach nicht aufgetaucht und so waren es dann eben nur zwei Kinder. Wie man seine eigene Taufe verpassen kann, ist mir zwar immer noch ein Rätsel, aber wer weiß, was da los war. Die Taufe selbst fand nicht im Rahmen eines Gottesdienstes statt und war sehr locker und familiär. Squishy sah in seinem weißen Anzug einfach umwerfend aus und war unheimlich brav, trotz dessen, dass er so müde war. Wir haben schon so einen Superstar als Sohn.

Ich bin als alleinerziehende Mutter aufgetreten, was zwar nicht der Wahrheit entspricht, aber wir hatten uns darauf geeinigt, das so zu machen. Der Pfarrer ist ziemlich jung und wäre vielleicht auch bereit dazu gewesen, uns beide als Eltern anzusprechen, aber so wie es war, war es in Ordnung. Wir definieren uns nicht darüber, lesbisch zu sein, sondern darüber wer wir sind und das ist nur ein kleiner Teil von uns. Unsere Familie wußte, wer zu Squishy gehört, Gott weiß das auch (wenn er denn existiert) und die Institution Kirche spielt dabei nicht die wichtigste Rolle. Ich komme aus einem kleinen Ort, in dem die Dinge so sind, wie sie eben schon immer waren und Veränderungen brauchen Zeit. Aus diesem Grund haben wir Squishy auch als Baby taufen lassen, und ihm in diesem Fall nicht die Wahl gelassen ob er denn nun will oder nicht. Wenn er 9 ist, kann er sich gerne gegen die Erskommunion entscheiden, das werden wir ihm überlassen. Aber für uns war wichtig, dass er dazugehört und sich wenigstens da nicht ausgeschlossen fühlt. Er wird sich vermutlich oft genug als Außenseiter fühlhen, vorallem wenn wir wirklich zurückziehen und er im ganzen Ort das einzige Kind mit zwei Mamas ist. Da wollen wir es ihm wenigstens ermöglichen dazuzugehören, wenn er das will und wir ihm nicht sämtliche Türen vor der Nase zuschlagen.

Alles in allem bin ich wirklich froh, dass wir es gemacht haben. Es war ein schönes Fest und Squishy sah zum Anbeißen aus. Jetzt haben wir erstmal eine Weile Ruhe und am Donnerstag gehen wir dann hoffentlich endlich den letzten Schritt zur einer legalen Familie.

Squishy und seine Mamas

Squishy und sein Getti (Patenonkel)