Kinderwunsch um jeden Preis

Wir waren gestern bis Mitternacht wach, weil wir bei einer Sendung hängen geblieben sind, die sich um den Kinderwunsch verschiedener Pärchen gedreht hat. Natürlich waren das alles Heteropärchen, aber interessant war es trotzdem. Da war das eine Paar mit der Frau, die vorzeitig in die Wechseljahre gekommen ist und deshalb nicht mehr schwanger werden konnte. Dieses Paar hat sich für die Variante Spendereizelle und Samen des Mannes entschieden. Ein anderes Paar hatte mit der IVF (In Vitro Fertilisation) Methode Erfolg (Eizelle der Frau und Samen des Mannes). Dann gab es das Paar, das sich erst vor ein Paar Jahren kennengelernt hatte und denen zum Glück nur noch ein Kind fehlt. Allerdings ist die Frau schon 47 und der Zug somit bereits abgefahren. Dieses Paar hat sich für einen gefrorenen Embryo entschieden – also fremde Eizelle, fremder Samen. Ob sie Erfolg hatten, haben wir nicht mehr mitbekommen, da es einfach schon zu spät war und wir dringend ins Bett mussten.

Bei mir hat das allerdings die Frage aufgeworfen, wie weit ich gehen würde, um ein Kind zu bekommen. Ich persönlich finde 47 zu alt, um noch Mutter zu werden, habe aber volles Verständnis dafür, denn manchmal findet man eben erst später den richtigen Partner bzw. die richtige Partnerin. Aber wenn ich mir vorstelle, dass meine Mutter, die ja letzte Woche 50 geworden ist, ein dreijähriges Kind hätte, finde ich das doch sehr befremdlich. Meine Mutter ist mittlerweile Oma und ich glaube, sie würde sich als Mutter eines Kleinkinds auch überfordert fühlen. Wobei das jeder für sich entscheiden muss. Wo hört der Wunsch auf und wo beginnt der Egoismus? Ich weiß es nicht und möchte diese Frage auch garnicht erst versuchen zu beantworten.

Womit ich allerdings ein Problem hätte, ist eine anonyme Eizellen- oder Samenspende, wo man wirklich keinerlei Möglichkeit hat, den Spender/die Spenderin zu finden. Ich vertrete den Standpunkt, dass es nicht wichtig ist, mit den Menschen, die einen lieben und aufziehen verwandt zu sein, denn Gene machen keine Familie. Allerdings hat meiner Ansicht nach jeder das Recht zu erfahren, wo denn der genetische Ursprung liegt. Diese Möglichkeit hat man bei solch einer Spende nicht und das birgt für mich ein enormes Problempotenzial. Nehmen wir mal das Paar, das mit dem eingefrorenen Embryo eines anderen Pärchens schwanger werden will. Vorausgesetzt das funktioniert, wie und vorallem wann erkläre ich meinem Kind wie es entstanden ist bzw. woher es kommt und dass es keine Möglichkeit gibt herauszufinden, ob es noch irgendwo eine andere biologische Familie hat. Fehlt einem da nicht etwas? Ich glaube – weiß es allerdings nicht aus eigener Erfahrung – das man sich unvollkommen fühlt, egal wie sehr man die Familie liebt, bei der man aufgewachsen ist.

Ich finde das Thema sehr interessant, kann es bis zu einem gewissen Punkt auch nachvollziehen, da wir ja auch nicht durch ein bißchen Matratzentanz schwanger werden können. Allerdings verbietet es das deutsche Gesetz Unverheirateten und homosexuellen Paaren bei ihrem Kinderwunsch zu helfen. Die einzige Möglichkeit, die diese Ausgeschlossenen haben, ist das Ausland. Und davon wird laut der Sendung von gestern auch jedes Jahr mehr Gebrauch gemacht. Das wundert mich überhaupt nicht, denn ein unerfüllter Kinderwunsch ist etwas sehr schmerzhaftes, was schon mal ein Leben und besonders eine Beziehung zerstören kann.

Wobei schon der Kinderwunsch selbst so eine Sache ist. Für mich war es schon immer eine egoistische Entscheidung Kinder haben zu wollen. Kein Kind wird vorher gefragt, ob es geboren werden will oder nicht. Es sind immer die Eltern, die etwas für sich wollen nämlich ein Kind. Ich empfinde diese Art von Egoismus aber nicht unbedingt als etwas negatives, sondern möchte damit nur ausdrücken, dass es eine Entscheidung ist, die man für sich und nicht wirklich für sein Kind trifft. Okay, das hört sich ein bißchen doof an, ich weiß aber nicht wie ich es anders ausdrücken soll. Für Cerah ist der Kinderwunsch eine Instinktsache. Wir sind auf der Welt, um uns fortzupflanzen und das sollten wir auch tun. Kinder haben zu wollen, ist für sie etwas ganz natürliches, was einfach zum Leben dazugehört. Ich finde, da sieht man schon den Unterschied in unseren Mentalitäten. Deutschland ist sehr kinderfeindlich und wir bekommen immer später immer weniger Kinder, während es in Kanada selbstverständlich ist, dass man Kinder früh bekommt und normalerweise auch mehr als nur eines. Schon interessant, dass man bei solchen Dingen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern sehen kann.